Die Abrechnung

Die Waage ist gnadenlos: 86 Kilogramm! Nach fast vier Wochen Fußball-WM, was aufgrund des erhöhten Fernsehkonsums zwangsläufig den Bewegungsradius mindert, und zwei Wochen mit einem die Hälfte reduzierten Laufprogramm (der Trainingsplan mit dem Zusatzvermerk „Rekom“ will das so) muss ich damit sogar zufrieden sein. Gewicht nahezu gehalten! Trotzdem fühle ich mich etwas unwohl, denn die innere Stimme sagt: Hättest ja vielleicht auf das Glas Rotwein verzichten können. Und die Büchse mit den Erdnüssen ist auch wieder leer. Ich kontere: Sei doch still, jetzt mache ich doch schon wieder Tempotraining, da darf man sich das getrost mal gönnen. Und die Nüsse waren fettfrei geröstet!

Es ist der uralte Gewissenskonflikt: Ein Läufer fühlt sich wahrscheinlich immer zu dick, auch wenn das andere ganz anders bewerten. Etwa meine Schwester Siegrid: Wenn ich sie nach einem halben Jahr mal wieder in ihrem Dorf weit weg von Hannover besuche, dann würde sie meinetwegen am liebsten ein Schwein schlachten, um mir die besten Sachen aufzutischen: Mensch, du bist ja noch dünner geworden, höre ich dann immer.

Dabei hätte ich das beste Alibi: Allein mein Nachname steht für Absolution. Wer schon so heißt, der muss das auch irgendwie rechtfertigen! Und dass meine Gene mir eine kräftige Statur beschert haben, sei auch nicht unerwähnt. Trotzdem: 86 Kilogramm ins Verhältnis zu 1,77 Meter Körpergröße gesetzt, das macht einen Body Mass Index (BMI) von 27. Und für den muss man sich ein bisschen schämen, denn damit gehöre ich zu den Übergewichtigen. Die wissenschaftliche Faustregel besagt: Bei einem BMI zwischen 25 und 30 hat man zu viel auf den Rippen.

Vor Kurzem hat mir diese Theorie fast den Laufspaß verleidet. Bei der Anmeldung zum Berliner Halbmarathon, zu der auch Angaben zur Gesundheit gehören, wurde mir aufgrund meiner Körperdaten von einer Teilnahme abgeraten. Die unvermittelte Botschaft: Ich sei ein Risikoläufer! Gestartet bin ich trotzdem, und mit den 21,1 Kilometern war ich so schnell fertig wie noch nie zuvor (wen es interessiert: 1 Stunde und 33 Minuten). Und Spaß gemacht hat’s auch. Erzähle mir einer noch mal, mein BMI und Laufen vertrügen sich nicht.

Trotzdem bin ich in der Hinsicht ins Grübeln gekommen. Da ging es allerdings um Marathon und das Gewicht, das man 42 lange Kilometer zwischen Start und Ziel bewegen muss. Markus, der mir regelmäßig meine Trainingspläne schreibt, hat durchblicken lassen, dass ein Kilogramm zu viel bis zu drei Minuten mehr ausmachen kann. Was im Umkehrschluss bedeuten würde: Gemessen an meiner Bestzeit von 3:33 Stunden müssten elf Kilogramm runter, und ich würde die drei Stunden knacken. Schöne Aussichten und noch schönere Theorie! Dann bin ich doch lieber für diese Praxis: Beim nächsten Hannover-Marathon gibt es nicht nur eine Altersklassen-Wertung, sondern auch eine nach BMI-Kriterien. Die Fernsehabende mit Rotwein und Nüssen wären gerettet, und um die Erfolgsaussichten wäre es auch nicht zum schlechtesten bestellt. Aber das ist eine andere Geschichte.

0 Gedanken zu „Die Abrechnung

  1. Heiko

    Nobby, 86 Kilo. Ich bin erschüttert. Und fühle mich mitschuldig wegen der WM.
    Aber warte mal ab, 96 wird Dich schon wieder ins Schwitzen bringen und die Kilos purzeln lassen.
    Gruß aus Südafrika an meine Lauflegende!
    Heiko

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    1. Norbert Fettback

      So schlimm ist es ja auch nicht, Heiko! Quasi habe ich damit ja mein Wettkampfgewicht der jüngsten Marathons gehalten. Und der Rest wird sich finden, da hast Du recht. Sorge Du jetzt erst mal für den Einzug der Deutschen ins WM-Finale! Der Rest findet sich dann auch.
      Gruß aus der Heimat!
      Nobby

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  2. Marko

    Also ehrlich, 1h 33 Minuten sind wirklich eine prima Zeit auf dieser Distanz. Und die wollten Dich echt nicht mitlaufen lassen? 😉

    (dagegen sieht meine 1 Stunde und 27 Minuten über fünfzehn Kilometer ganz bescheiden aus)

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  3. Detlef

    Hallo Nobby,
    ich möchte Dir jetzt mal ohne wenn und aber ehrlichen Respekt zollen. Da wir ja in einer AK laufen und sich unsere Laufwege hin und wieder kreuzen verfolge ich schon Deinen „Laufweg“ und die damit verbundenen Zeiten. Das was Du da leistest ist schon enorm und die Zeiten wie gesagt, die sind Top. Da ich mittlerweile weiß, bzw. zu spüren bekommen habe, was es heißt einen Marathon in 03.33.00h zu laufen ist mein Respekt noch mehr gestiegen. Ich wünsche Dir, das Du noch recht lange auf diesem Niveau laufen kannst und freue mich ehrlich auf ein nächstes „Rennen“ mit Dir. Bleib cool Alter und in diesem Sinne Detlef

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