Grüßen erlaubt – auch in Hannover!

Foto: Schenker

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Läufer gelten gemeinhin als geselliges Völkchen: Kaum hängt ein Banner mit der Aufschrift „Start/Ziel“ im Wind, steht eine Traube an der Linie, plaudert über Trainingskilometer und Wehwehchen – und wäre zwischendurch nicht noch ein bisschen Wettkampf angesagt, das Ganze hätte etwas von einem Kaffeeklatsch. Das Nach-Wettkampf-Büfett ist schließlich fast immer das Beste weit und breit. Fernab der Wettkämpfe gerät dieses Bild jedoch immer häufiger in Schieflage. Denn: Der gemeine Läufer schottet sich nicht nur mit Stöpseln im Ohr ab. Viel schlimmer: Er wird immer häufiger zum Grüßmuffel. Und absolute Spitzenreiter scheinen (Patrioten bitte weghören!) die HANNOVERANER zu sein.

Früher war natürlich alles anders. Damals, als Läufer noch müde belächelt und Lauf-Tights mit Leggings gleichgesetzt wurden, gehörte es zum guten Ton, die Hand zu heben, zu nicken oder mit Worten zu grüßen, wenn es zum Aufeinandertreffen kam. So bin ich in meiner Trainingsgruppe groß geworden – und so praktiziere es immer noch.

Doch heute: Da erntet man überwiegend ungläubige Blicke und betretenes Schweigen.

Nun wird keiner von einem Läufer erwarten, an einem Sonntagnachmittag im Hochsommer am Maschsee ganze Heerscharen von Gleichgesinnten zu grüßen. Auch wenn das Laktat in die Beine schießt und der Puls bei Schlagzahl 180 zwischen den Ohren hängt, muss ein gepresstes „Hallo“ nicht sein. Aber allein auf weiter Flur – bitte, das kann doch nicht so schwer sein.

Scheint es aber. Und ganz besonders schwer in Hannover …

Am Sonntag um halb zwölf, in der Eilenriede-Süd, am dritten Baum von links. Ein Paar – sie mit rosafarbenen Shirt, er in gedeckten Farben (Ja, Sie dürfen sich jetzt ruhig angesprochen fühlen …) – kommt locker entgegengetrabt, alles ganz entspannt. Schöner Tag, herrliches Wetter, denk ich, und grüße mit einem freundlichen „Hallo“. Resultat: Sie guckt stur geradeaus, er kreuzt meine Blicke und bedeutet mit hochgezogener Augenbraue. Grüßen? Pah, da mache ich nicht mit.

Es ließen sich zig Beispiele anführen. Wie die Altherrenläufertruppe, die an der roten Ampel nahe der Eilenriede stand. Ein kurzes „Hallo“ – Resultat? Genau: NICHTS. Nur einen Schulterblick der beiden Herren, zwei Sekunden ungläubiges Staunen. Das war’s.  Ob jung, ob alt, schnell, langsam, Mann, Frau – das Grüßen scheint Läufern nicht (mehr) in die Wiege gelegt zu sein.

Natürlich gibt es positive Beispiele (fast möchte man schreiben: Überraschungen). Wie die Läuferin samt Hund, die den Gruß im heftigen Regenguss besonders freundlich erwiderte. Aber sie werden immer seltener.

Deshalb hab ich den Montag für mich zum Grüß-Tag auserkoren. Mit netten Worten in die neue Woche – kann doch nicht so schwer sein. Einmal um den Maschsee, jeden Läufer grüßen, das war der Plan, der mich danach wieder ziemlich ernüchtert zuhause ankommen ließ. Die mickrige Ausbeute: Von gefühlten 20 Läufern haben zwei zurückgegrüßt.

Aber egal, ich ziehe das jetzt durch. Also nehmen Sie sich in Acht: Wenn Sie mir demnächst begegnen, werden Sie gegrüßt. Gandenlos. Und nicht nur montags!

So schlimm können sie doch nicht sein, die laufenden Hannoveraner …

0 Gedanken zu „Grüßen erlaubt – auch in Hannover!

  1. Hautlappen

    Ich kann Deine Erfahrungen bestätigen – und auch gleich noch ergänzen:

    „Je extremer die Umstände (Wetter/Uhrzeit, etc.), desto höher die Grußfreudigkeit“.

    Ich persönlich würde dies wie folgt analysieren: „Echte Läufer grüßen immer“.

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    1. Frerk Schenker

      Hallo Hautlappen,

      ich weiß nicht, ob es was mit „echten“ und „unechten“ Läufern zu tun hat. Heute morgen habe ich am Maschsee einen sehr alten, joggenden Mann getroffen, der mich sehr nett gegrüßt hat. Der würde sich vielleicht nicht unbedingt als „echten Läufer“ bezeichen …

      Das Ganze hat ja auch noch eine andere Dimension: Grüßen Dich alle Spaziergänger auf einem gottverlassenen Waldweg? Selbst da hört es ja manchmal schon auf.

      Beim Wetter gebe ich Dir voll und ganz recht – deshalb kann es jetzt bald ja nur noch besser werden …

      Und wie gesagt – wir geben die Hoffnung nicht, oder? 😉

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      1. Hautlappen

        Hallo Frerk,

        der von Dir beschriebene „sehr alte, joggende Mann“ wäre für mich ein „echter Läufer“. Ohne wenn und aber. Ihm gebührt absoluter Respekt dafür, dass er sich „in seinem Alter“ (hab ihn ja leider nicht gesehen) noch leibesertüchtigt. Ob er dann schnell (oder langsam) ist, ist völlig nebensächlich.

        „Unecht“ wären für mich diejenigen (versuche jetzt, nicht zu pauschal zu werden…), die versuchen, sich affektiert mit neonfarbigem Laufröckchen (oder wahlweise eng-geschnittenem Muskelshirt) bei strahlendem Sonnenschein selbstdarstellerisch ins Schaufenster stellen.

        Übrigens war ich gerade für zwei Wochen in Dänemark. In einer sehr ländlichen Gegend, die kaum touristisch erschlossen war und in der morgens garantiert nur Einheimische unterwegs waren. Und ich kann hier gar nicht beschreiben, wie unfassbar grußfreudig die Dänen waren!!!

        Viele Grüße,
        Olli

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  2. Dirk

    Hallo Frerk,

    ich mache da tatsächlich die unterschiedlichsten Erfahrungen. Ich grüße sehr gerne. Die Reaktionen gehen von Schweigen bis freundlich antworten. Ich laufe oft am Kanal entlang und dort treffe ich häufig auf freundlichere Spaziergänger denn Läufer. Und ich habe den Eindruck, dass weibliche Läufer eher mal nicht grüßen. Ich vermute fast, dass die Angst haben, als Mann könnte man dies als persönliches Interesse auslegen. Und daran sind viele Männer (nicht nur auf Läufer bezogen) mit Ihrem Verhalten sicherlich nicht unschuldig.

    Beste Grüße
    Dirk

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    1. Frerk Schenker

      Hallo Dirk,

      habe tatsächlich drüber nachgedacht, die Shirts in größerer Zahl drucken zu lassen … Ich sammel ab sofort Anmeldungen. Eine habe ich jetzt ja schon! 😉

      Frerk

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  3. xtel

    Moin, moin… ich grüsse gerne und immer wieder… der Hannoveraner an sich ist da wohl etwas spröde. Meine Erfahrungen decken sich mit den Beschreibungen hier, aber ich grüße trotzdem unverfroren weiter. Irgendwann bricht das Eis!

    So ein Shirt täte ich latürnich auch gerne tragen tun!

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  4. Detlef

    Hallo Frerk,
    das mit dem Grüßen bzw. „Nichtgrüßen“ geht mir schon seit längerem auf den Senkel. Da läuft man frohen Mutes durch die Eilenriede, Feldmark, um den Maschsee oder auch egal wo, trifft dann auf einen „Läufer“ grüßt freundlich mit Hi oder Hallo und keine Antwort. Nur ein stierer Blick nach vorne, nicht mal ein Lächeln. Wie gesagt nicht immer aber leider immer öfters. Als ich 2005 mit dem Laufen anfing, da mußte ich das „Grüßen“ lernen, weil es irgendwie ungewohnt war aber es gehört einfach dazu ich habe es begriffen und praktiziere es immer. Das was Dirk da mit den Läuferinnen da anspricht, das stimmt schon. Hier ist eine deutliche Grußsperre zu erkennen (was nicht verwunderlich ist), doch das ist Gottseidank nicht die Regel.Woran es liegt, das immer weniger in der Läuferszene gegrüßt wird – ich weiß es nicht. Nur ärgere ich mich zugegebener weise jedesmal darüber, nach einem freundlich fröhlichen Hallo / Hi keine Antwort zu bekommen und völlig ignoriert zu werden. Nach meiner Einschätzung, wird sich das auch kaum ändern. An dem T-Shirt bin ich grundsätzlich interessiert, schon als Markus-Jünger ein Muß :-).

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  5. Pressschlag

    Moin, es gibt die und die, das ist genauso wie das Grüßen beim Biken. Mein Eindruck ist aber, dass es bei Laufgebieten wie Eilenriede, Maschsee, Kanal, Gärten durch die vielen Läufer keinen „Grußkodex“ ,ehr gibt, weil es einfach zu viele auf zwei Beinen sind. In eher laufschwachen Gebieten und frühmorgens Richtung Seelhorst sieht es anders aus, da wird nach meiner Erfahrung locker gegrüßt und ’ne schönen Tach‘ gewünscht. Auch (Stock-) Geher sind unabhängig davon ein munteres Kommunikationsvölkchen.

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  6. Jenny

    So, bin also nicht allein… und werde ab heute wieder drauf los grüßen. Ich hatte es nach zu vielen verwirrten Blicken inzwischen eingestellt. – Ich freu mich.

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  7. Peter

    oh wie schrecklich, wenn ich beim Joggen um die Herries jeden einzelnen Läufer grüßen müsste … das ist ja schon beim Wandern so nervig…

    und wenn mir dann noch jemand mit som T-Shirt entgegenkommt, alter Verwalterツ

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  8. Bodo

    Am letzten Sonntag habe ich einen langen Lauf rund um Hannovers Innenstadt (Julius-Trip-Ring) gemacht. Meine Erfahrung hier, wie auch schon bei den vorhergehenden Kommentaren, in einer Zeit und auch Wetter wo wenige Läufer unterwegs sind, grüßt fast jeder zurück. Am Maschsee und den anderen „überlaufenen“ Gebieten geschieht dies eher weniger. Was ich aber nachvollziehen kann, denn ich möchte auch nicht jede Minute meines Laufs grüßen, es sei denn es kommt am Maschsee ein guter Bekannter entgegen.
    Wo gibt es die T-Shirts?

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