Der einsame Läufer in der Wüste

Alcides Peralta auf seinem einsamen Lauf in der Wüste. Foto: ap

Alcides Peralta auf seinem einsamen Lauf in der Wüste. Foto: ap

Gebannt hat die ganze Welt nach Chile geschaut, als am Mittwoch die 33 verschütteten Bergleute aus der Gold-und Kupfermine San José in Chile gerettet wurden. Ein Medienereignis ersten Ranges, eine Milliarde Menschen am Bildschirm live dabei, die Rettung direkt im Wohnzimmer. Nur eine kleine Randnotiz blieb die Geste eines Mannes aus Uruguay, der in der Atacama-Wüste seine Verbundenheit mit den eingeschlossenen Kumpeln ausdrückte – in kurzer Hose und Laufschuhen.

Dario Lopez-Mills, Fotograf der Nachrichtenagentur AP, stand vermutlich zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Er drückte am Mittwoch auf den Auslöser, als ein eher kleiner Mann mit einer überdimensionierten Fahne in der Atacama-Wüste den Berg hochlief. Auf dem Weg zur Mine San José, um Solidarität mit den Bergleuten zu demonstrieren, gab der Mann in den Laufschuhen später zu Protokoll.  Einlass bekam er in das Rettungsamp nicht, weil ihm eine Akkreditierung fehlte. Es mache ihn natürlich traurig, sagte er gegenüber der New York Times, trotzdem fühle er sich gut – auch wenn sich der 39-Jährige unverrichteter Dinge auf den 30 Meilen langen Rückweg nach Copiapó machen musste.

Hätte Lopez-Mills nicht auf den Auslöser gedrückt, wäre Alcides Peralta vermutlich nicht in den Medien aufgetaucht. Geschichten ohne Bilder verkaufen sich schlecht. Doch auch so ist über Peralta, den Ultramarathonläufer aus Uruguay, nur wenig bekannt geworden. Die Agentur AP verschickte lediglich folgenden Bildtext: „Alcides Peralta, Athlet aus Rio Negro, Uruguay, läuft mit einer uruguayischen Flagge und einer kleinen chilenischen in der Atacama-Wüste zur Mine San José nahe Copiapo. Peralta läuft, um seine Unterstützung für die 33 verschütteten Bergleute auszudrücken, die seit über zwei Monaten unter Tage eingeschlossen sind.“

Auch eine Internetsuche fördert über den Mann eher Spärliches zu Tage: Alcides Peralta, auch der „Hacken“ genannt, der als Beamter im Bezirk Rio Negro in Uruguay arbeitet, ist Ultramarathonläufer. Schon einmal hat er für eine medienwirksame Aktion seine Laufschuhe geschnürt. Nachdem Umweltschützer einen wichtigen Grenzübergang zwischen Uruguay und Argentinien monatelang blockiert hatten, um so gegen eine finnische Papierfabrik an dem nahegelegen Grenzfluss zu demonstrieren, schnürte Peralta 2008 seine Schuhe. Nach 106 Kilometern erreichte er die Straßensperre, las einen Brief vor und rief zur Versöhnung zwischen Argentinien und Uruguay auf („Uns trennt ein Fluss und eine Brücke, aber wir bleiben Brüder“).

Danach packte er seine Sachen ein und lief weiter.

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