Auf dem linken Fuß erwischt

Der November ist die Zeit, in der man es deutlich zu spüren bekommt, dass das Laufen auch ein ungemütlicher Sport sein kann. Nicht nur, dass es stockfinster ist, wenn man sich am Abend nach der Arbeit doch noch dazu aufrafft, seine Runde zu drehen. Inzwischen ist auch schon die Tight mit den langen Hosenbeinen aus der untersten Schublade geholt worden und zum Einsatz gekommen. Und gestern Morgen, als der Thermometer 5 Grad Celsius anzeigte, habe ich kurz überlegt, ob ich nicht auch noch zu den neuen Handschuhen greifen sollte, die jüngst zum Schnäppchenpreis den Besitzer wechselten. Ich habe der Versuchung widerstanden; im Gegensatz zu den meisten, denen man in diesen Tagen in der Eilenriede, im Georgengarten oder in der Masch über den Weg läuft und die man unausgesprochen in die Kategorie „Weicheier“ eingruppiert.

Denn ich bin abgehärtet, und ein Grund dafür ist mein Urlaub. Allen Bedenken zum Trotz hatte ich mich Ende Oktober zu einer Reise nach Kärnten entschlossen. Normalerweise ist das eine Zeit, in der man den Spätherbst auch in dieser Alpenregion noch in vollen Zügen beim Bergwandern und beim Laufen entlang des Flüsschens Gail genießen kann. Dachte ich jedenfalls nach dem Studium des Reiseführers. Doch Kötschach-Mauthen, gerade einmal 700 Meter hoch gelegen, war dieses Mal für eine Überraschung gut: Erstmals seit 1974 fiel hier Ende Oktober Schnee. Und blieb liegen, fast eine Woche lang. Woran man sieht: Die Klimakatastrophe trifft jetzt auch ahnungslose Freizeitsportler aus dem norddeutschen Flachland. Pech, wer dann eine große Tasche mit Wander- und eine zweite (noch größere) mit Laufsachen dabei hat. Das meiste davon kam unbenutzt wieder in den Schrank.

Die unverhoffte Bekanntschaft mit dem Winter hatte aber auch ihr Gutes: Früher als die meisten, die sich im Unterschied zu mir möglicherweise danach sehnen, weiß ich aus frischer Erfahrung, wie sich Schnee anfühlt. Und dass man gut beraten ist, auf glattem Untergrund auf seine Schrittfrequenz zu achten, das ist mir unfreiwillig auch wieder eingebläut worden.

Eigentlich kann der Winter also kommen. Muss er aber nicht, wenn ich allein an die Rutschpartien bei so mancher Maschseerunde denke. Mir jedenfalls können Eis und Schnee gestohlen bleiben! Auf ein Laufbahn, auch das ist eine Urlaubserfahrung, habe ich partout keine Lust.

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Über Norbert Fettback

Norbert Fettback hat als Sportredakteur der HAZ die Fußballer von Hannover 96 rund 25 Jahre lang durch dick und dünn begleitet. Erst mit 50 entdeckte er für sich selbst das Laufen - auch um mehr als 40 überflüssige Pfunde loszuwerden. Nach der Premiere in New York (2005) absolvierte er Marathons unter anderem in Berlin, Chicago, Wien und Boston. Aufgrund diverser Verletzungen hat er sich bei der Wahl der Streckenlänge inzwischen mit dem Motto angefreundet: je kürzer desto besser.

4 Gedanken zu „Auf dem linken Fuß erwischt

  1. Frerk Schenker

    Handschuhe = Weichei?
    Verdammt, ich trage die Dinger schon seit Anfang November … dafür dann aber auch mal in kurzen Hosen 😉

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  2. Hautlappen

    Dann mal mein Outing:

    Ich bin bereits im September mit Handschuhen gelaufen. Lange Tights trage ich quasi immer… und Nobby kennt mich im Grunde gar nicht ohne Mütze 🙂

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  3. Nobby

    * Frerk mund Hauptlappen: Gegen kurze Hosen im November habe ich generell auch keine Einwände! Handschuhe habe ich in diesem Herbst bislang tapfer verschmäht, und als Kopfbedeckung tut es immer noch ein Cap. Woran man sieht, dass ältere Semester einfach mehr abkönnen als das junge Laufgemüse!

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