Bewegende Zeiten

Foto: zur Nieden

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An dieser Stelle ergeht heute eine Warnung: In den kommenden Wochen und Monaten könnte es sonnabends am Maschsee und in der Eilenriede eng werden. Größere Gruppen von Läufern kreuzen dann möglicherweise den Weg oder setzen gar zum Überholen an. Unter Umständen ist Vorsicht geboten, denn unter ihnen befinden sich Anfänger, auf deren unverhoffte Reaktionen man vorbereitet sein muss.

Auf jeden Fall stimmt die Richtung, darauf kann man sich verlassen: Die 60 Frauen und Männer, die sich da für ein gutes halbes Jahr zusammengetan haben, haben nur den 8. Mai 2011 im Sinn: Dann ist in Hannover wieder Marathon-Zeit, und sie wollen unbedingt dabei sein auf der großen Runde durch die Stadt.

Damit sie nicht nur an der Strecke stehen und Beifall klatschen, sondern im Ziel selbst mit Applaus empfangen werden, heißt es, gut zu trainieren. Die Gelegenheit dazu bietet ihnen die Hannoversche Allgemeine Zeitung, die eine Vorbereitungsgruppe auf die Beine gestellt hat. Das hat schon gute Tradition. Wer in den Ergebnislisten vergangener Jahre stöbert, der kann zig Namen von Läufern finden, die zuvor ein ähnliches Programm absolvierten.

Diesmal ist einiges anders und möglicherweise auch noch besser als zuvor. Irgendwie sind ja auch Läufer kleine Perfektionisten. Eine längere Vorbereitungszeit und dadurch auch bessere Regenerationsmöglichkeiten, neun gemeinsame Läufe bis maximal 35 Kilometer, dazu erstmals die Möglichkeit, gezielt für den Halbmarathon zu trainieren: Da könnte durchaus was gehen am zweiten Sonntag im Mai. Markus Pingpank, Lauftrainer aus Barsinghausen und Coach der HAZ-Vorbereitungsgruppe, ist sich sicher, dass jeder, der seine Ratschläge und den Trainingsplan befolgt, gut ans Ziel kommen wird.

Das aber ist die eigentliche Kunst. Haben wir denn früher das gerne getan, was uns der Lehrer aufgetragen hat? Zudem sind die Tage jetzt schon so kurz, dass man meint, es sei noch nicht hell geworden, wenn man sich abends wieder hinlegt. Von Woche zu Woche wird es draußen ungemütlicher – und dann hängt da dieses weiße Blatt an der Pinnwand, das einem vorschreibt, wie schnell man seine Beine bewegen soll?! Dies am Ende stundenlang und über endlos anmutende Distanzen, die man früher nicht mal mit dem Fahrrad geschafft hat!

Wofür das alles? Für diesen einen Tag im Mai! Die vier Buchstaben am Neuen Rathaus vor Augen: Z I E L ! Und daneben die große elektronische Uhr, die die Sekunden und Minuten allzu gierig auffrisst und angesichts der sich einem ambitionierten Läufer existenzielle Fragen stellen: Kann ich ihr ein bisschen zuvorkommen? Geht’s doch schneller? Steht vorne die 3?

So etwas bewegt. Mindestens ein halbes Jahr lang.

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Über Norbert Fettback

Norbert Fettback hat als Sportredakteur der HAZ die Fußballer von Hannover 96 rund 25 Jahre lang durch dick und dünn begleitet. Erst mit 50 entdeckte er für sich selbst das Laufen – auch um mehr als 40 überflüssige Pfunde loszuwerden. Nach der Premiere in New York (2005) absolvierte er Marathons unter anderem in Berlin, Chicago, Wien und Boston. Aufgrund diverser Verletzungen hat er sich bei der Wahl der Streckenlänge inzwischen mit dem Motto angefreundet: je kürzer desto besser.

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