Läufer an die Leine!

Bedarf es hier noch irgendwelcher Worte? © dpa

Bedarf es hier noch irgendwelcher Worte? © dpa

Eigentlich sollte dieses Jahr friedlich enden und Misstöne bis in den Januar aufgeschoben werden. Aber irgendwann läuft auch das größte Fass einmal über. Schuld sind alle – das Wetter, der Schnee, das Eis, die Kälte, die kahlen Bäume, die Spaziergänger, die Hunde – und natürlich zu guter Letzt die Läufer. Die sogar ganz besonders. Eine kleine Polemik – oder nennen wir es lieber einen tierisch ernst gemeinten offenen Brief!

„Lieber Hundebesitzer,

wir alle haben in diesem Winter unser Päckchen zu tragen. Nicht nur Läufer, sondern alle, die mit uns Gehwege, Parkwege, Waldwege oder sonstige Rennpisten teilen müssen. Am schlimmsten aber sind Sie, lieber Hundebesitzer, dran. Denn wir machen es Ihnen in diesen Tagen wirklich nicht leicht.

Es ist schon ziemlich unverfroren von uns, bei Minusgraden durch den Wald zu rennen. Zum einen ist es viel zu kalt, zum anderen ist der Maschsee in diesen frostig-kalten Tagen viel schöner als die triste Eilenriede. Am Wasser weht wenigstens ein frischer Wind, der die müden Knochen auf Vordermann bringt. Es könnte alles so schön sein. Aber nein, wir Läufer müssen es wieder einmal besser wissen: Laufen wir doch im Winter tatsächlich durch die Eilenriede. Einfach so, ohne Vorankündigung, und dann auch noch immer und immer wieder.

Das alles wäre nicht sonderlich schlimm, liefen wir doch wenigstens an Tagen und Zeiten, an denen Sie nicht mit Ihrem Hund unterwegs wären. Im Sommer könnten Sie darüber vielleicht noch hinwegsehen, aber im Winter … Das geht nicht, und um ehrlich zu sein: Sie haben unser vollstes Verständnis.

Wenn Ihr Hund also beim nächsten Mal wieder zwischen unsere Beine springt, uns auf rutschigem Boden zu Fall bringt und von uns beim Stürzen wie aus dem Nichts noch einen mit der Fußspitze mitbekommt – schimpfen Sie bitte wieder. Genauso wie beim letzten Mal. Denn Sie haben ja so recht: Wir haben im Winter nichts im Wald verloren. Er ist einfach zu gefährlich für uns. Und genau – wo sollen Sie denn auch hin mit Ihrem Hund, wenn doch die ganze Welt im Weiß versinkt? Nicht mal Kaninchen, Singvögel oder Mäuse und Schnecken kreuchen und fleuchen noch auf dem vereisten Boden herum. Mit wem um Himmels Willen soll Ihr Hund denn überhaupt noch spielen? Und die Beschwerden über Ihren arg geplagten Hund werden wir uns in Zukunft auch verkneifen. Tut es überhaupt weh, von Ihrem Hund gezwickt zu werden? Für irgendwas müssen die hässlichen Lauftights doch nützlich sein.

Und wissen Sie was? Eigentlich hatte der nette Herr von Gegenüber recht, als er heute morgen im Schneegestöber mit dem Kopf schüttelte. Was zum Geiger haben wir überhaupt in dieser Jahreszeit draußen zu suchen?

Deshalb gilt der gute Vorsatz für das neue Jahr: Läufer an die Leine!

Wir werden uns daran halten, lieber Hundebesitzer – versprochen. Und falls doch einmal ein Läufer Ihren Weg in der verschneiten Eilenriede kreuzen sollte, denken Sie immer daran: DER WILL NUR SPIELEN!

Herzlichst, Ihr Lieblingsläufer!“

8 Gedanken zu „Läufer an die Leine!

  1. Michael alias Roter Mike

    Klasse!

    Irgendwann falle ich noch mal einem/r Hundehalter/in um den Hals, schlecke ihn / sie im ganzen Gesicht ab und sage dann:

    „Keine Angst, ich will doch nur spielen“ 🙂

    LG und guten Rutsch!

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    1. Frerk Schenker

      @Michael alias Roter Mike

      Gestern war ich ja kurz davor, genau das zu machen. Allerdings war der Typ so sauer auf mich, weil ich mich erdreistet habe, ihn darauf hinzuweisen, dass Straßen öffentlicher Raum seien und auch ich mich dort frei bewegen dürfe. Sein Kommentar „Verp… Dich!“. Ich hab es dann lieber gelassen 😉

      In diesem Sinne – ein frohes neues Jahr!

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  2. Spaziergängerin

    … es ist sehr schön zu lesen, dass die Läufer in der Eilenriede so manche schwierige „Hürte“ mit Humor nehmen. Aber leider gibt es auch in Ihren Reihen so manchen Irrläufer. Zum Thema verbale Beschimpfung: Meine Freundin und ich wurden letztens von einem Läufer als „ignorantes Pack“ bezeichnet, weil wir es wagten, unseren Hund nicht festzuhalten, als dieser überhitzte Herr an uns vorbei rannte. Wie Sie sehen, wehrt sich auch Ihre Seite sehr deutlich. Also nur Mut und immer schön sportlich kontern…

    Beste Grüße von einer Spaziergängerin 😉

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    1. Frerk Schenker

      Hallo Spaziergängerin,

      verbale Attacken sind natürlich nicht in Ordnung und Irrläufer gibt es immer wieder.

      Sportlich kontern ist übrigens ein gutes Stichwort: Ich traniere schließlich auch deshalb fleißig, damit ich jeweils schneller bin als die Hunde, die kläffend hinter mir her sind. Bislang hat es fast immer geklappt 😉

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      1. neverland

        bin doch sehr amüsiert – weglaufen ist doch die blödeste Alternative, für so´n Hund heißt das Flucht – also hinterher, am einfachsten ist doch der alte Grundsatz der gegenseitigen Rücksichtnahme und da sollte der Kollege Läufer dem Hundehalter genauso soviel zutrauen wie umgekehrt … die große Mehrheit beider Fraktionen war nicht „auf´n Klo, als das Thema dran war“ in diesem Sinne frohes Laufen und Gassi gehen.

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        1. Frerk Schenker

          „da sollte der Kollege Läufer dem Hundehalter genauso soviel zutrauen wie umgekehrt“ ….

          Im Prinzip bin ich ja ein vertrauensvoller Mensch und unterstelle keinem etwas Böses. Woher soll Läufer jedoch wissen, wann er dem Hund schnurzpiepegal ist und wann er als Beißspielzeug durchaus eine gute Partie abgeben könnte? Für sachdienliche Hinweise wäre ich – und wohl auch alle anderen Läufer – sehr dankbar. Und auch für eine Antwort auf die Frage, was zu tun ist, wenn Herrchen gar nicht reagiert … die meisten Probleme entstehen nämlich nicht, wenn wir weglaufen, sondern wenn ein Hund auf uns zujagt, ohne dass ihn jemand davon abhält …

          In diesem Sinne: Bis morgen in der Bult, Eilenriede oder wo auch immer 😉

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  3. Nobby

    Da bin ich ja beruhigt! Nicht dass es Dir so ergeht wie jüngst Paula Radcliffe, die beim Training in Monaco von einem Hund in die Wade gebissen wurde und sich im Krankenhaus behandelt lassen musste. Und vermutlich – korrigiere mich, Frerk, wenn ich danebenliege – ist sie als Marathon-Weltrekordlerin nicht unbedingt langsamer als Du.

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