Hannover trifft Hanover

Im Februar werden nicht nur die Tage merklich länger, sondern auch die Läufe, auf die man sich vor einem Marathon – zugegebenermaßen nicht ganz freiwillig und nicht stets voller Herzenslust – einlässt. Kommenden Sonnabend sind in meinem Fall erstmals in diesem Jahr 28 Kilometer am Stück fällig. Es wird nicht mehr lange dauern, bis die 30er-Marke überschritten ist und man sich so richtig ranpirscht an jene Streckenlänge, nach der sich die sportliche Planung für rund ein Vierteljahr ausrichtet und die den Alltag schon gehörig durcheinander bringen kann.

Aber seien wir doch ehrlich: Ist es nicht viel schöner, an einem nasskalten Sonnabendvormittag mit durchschwitzten Laufklamotten zwei, drei Stunden lang durch die Eilenriede zu hecheln, statt beim Lieblingsbäcker um die Ecke vorbeizuschauen, um sich anschließend nach dem opulenten Frühstück darüber zu ärgern, dass es doch auch ein Brötchen weniger hätte sein können. Die Kalorien hat man nun erst mal wieder drauf.

Ein, zwei Kilogramm müssen in meinem Fall auch noch runter, das habe ich mir fest vorgenommen. Und die Zeit auch dafür wird allmählich knapp: Es sind keine 60 Tage mehr, bis ich an der Startlinie stehen und dann für alles die Quittung bekommen werde, was ich vielleicht zu halbherzig erledigt habe oder wovor ich einfach nicht widerstehen konnte: zu viele helle Brötchen gegessen, mir zu wenig Schlaf gegönnt, und der Rotwein hat auch viel zu gut geschmeckt. Immerhin, und das wiederum stimmt mich optimistisch, scheint es um meine Laufform an sich gut bestellt, wie ich es unter der Woche mit erfreulicher Konstanz feststellen kann. Und wenn ich an meinen kommenden Start denke, dann weiß ich heute eines schon ganz genau: Beim 115. Boston-Marathon am 18. April werde ich der schnellste Hannoveraner sein!

Keine Bange, ich bin nicht größenwahnsinnig geworden. Aber so ist es nun mal: Wenn man auf die diesjährige Starterliste beim ältesten Marathon der Welt blickt, dann ist dort nur ein einziger Läufer aus Niedersachsens Landeshauptstadt zu entdecken. Da wird mich am Heartbreakhill also keiner überholen, sich dabei umdrehen und mir freundlich mit nicht zu überhörendem hämischen Unterton zurufen: Na, Nobby, vorige Woche am Maschsee warst du aber besser drauf!

Andererseits, und das bringt ein Marathon wie der in Boston nun mal mit sich, ist Hannover nicht eben Hannover. Man lasse bei der Internet-Sucheingabe in der Starterliste nur ein „n“  unter den Tisch fallen – und schon gibt es unerwartete Konkurrenz durch weitere 20 Han(n)overaner aus New Hampshire, Ontario, Massachusetts, Illinois und Pennsylvania. Wie klein unsere Welt doch ist. Ich freue mich insgeheim schon auf dieses spezielle Ranking, wenn sich in Boston Hannover und Hanover über den Weg laufen.

Im März, wenn die Startnummern bekannt gegeben werden, werde ich auch wissen, wo ich mich morgens in Hopkinton unter den rund 26 000 Läufern einreihen darf, ehe es Richtung Boston losgeht. Es gibt zwar noch deutlich größere Starterfelder, wenn ich mich etwa an New York, Berlin und Chicago erinnere, wo 40 000 inzwischen zur Regel geworden sind, aber nie war es eine solche Kunst und Herausforderung wie dieses Mal, für Boston einen Startplatz zu ergattern. Nach nur acht Stunden und drei Minuten und damit in absoluter Rekordzeit war der Lauf 2011 ausgebucht – und dies, obwohl kein anderer der großen Marathonveranstalter die Elle bei Qualifikationszeiten so hoch legt. Weil der Ärger bei vielen, die zu spät kamen, riesengroß war, haben  die Organisatoren gerade die Anmeldemodalitäten deutlich verändert und die Richtzeiten dabei noch einmal um fünf Minuten nach unten gesetzt.

Was zugleich bedeutet: Wer von 2012 an nach Boston will, der muss noch schneller sein. Und das in jeder Hinsicht. Nur gut, dass ich es dieses Jahr geschafft habe.

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Über Norbert Fettback

Norbert Fettback hat als Sportredakteur der HAZ die Fußballer von Hannover 96 rund 25 Jahre lang durch dick und dünn begleitet. Erst mit 50 entdeckte er für sich selbst das Laufen - auch um mehr als 40 überflüssige Pfunde loszuwerden. Nach der Premiere in New York (2005) absolvierte er Marathons unter anderem in Berlin, Chicago, Wien und Boston. Aufgrund diverser Verletzungen hat er sich bei der Wahl der Streckenlänge inzwischen mit dem Motto angefreundet: je kürzer desto besser.

3 Gedanken zu „Hannover trifft Hanover

  1. Nobby

    Das wird sich bei passender Gelegenheit bestimmt möglich machen lassen! Noch wartet ja auch das schmucke Shirt der „Ortsgruppe Hannover“ darauf, in angemessenem Rahmen ausgeführt zu werden. Euch jedenfalls viel Spaß bei der Seerunde!

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  2. Hautlappen

    Hi Nobby,

    nachdem Du im vergangenen Jahr in Wien schon der zweitschnellste Hannoveraner warst, hast Du Dir den Titel in diesem Jahr in jedem Fall verdient!

    Olli

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