DLV macht Seniorensportler wieder älter

Foto: Ralf Hirschberger/dpa

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Der Deutsche Leichtathletikverband (DLV) veröffentlichte Ende Februar auf seiner Homepage eine Nachricht, die im Trubel der nationalen Hallen-Titelkämpfe unterging. Dabei birgt das, was unter der Überschrift „Seniorensport künftig ab M/W 40“ ausgeführt wird, erheblichen Sprengstoff: Der DLV-Verbandsrat hat mehrheitlich beschlossen, ab dem Jahr 2012 den Seniorensport bei den Alterklassen M/W40 beginnen zu lassen. Seniorenvertreter des Leichtathletikverbandes sprechen von einer „Katastrophe“, und im Verbandsforum entlädt sich die Wut vieler Seniorensportler.

Für Sportler zwischen 30 und 39 bedeutet die Entscheidung, dass sie ab dem kommenden Jahr wieder in der mit Abstand leistungsstärksten Klasse der Aktiven starten müssen. Da die Alterklasseneinteilung des DLV für alle vom Verband genehmigten Veranstaltungen verbindlich ist, gilt diese Regelung nicht nur bei Meisterschaften, sondern auch bei Vereinssportfesten und Volksläufen.

Das Brisante: Auch innerhalb des DLV ist die Entscheidung höchst umstritten. So hatte laut DLV-Vizepräsident Matthias Reick der Bundesausschuss Senioren zuvor empfohlen, sich an den internationalen Regelen zu orientieren. So dürfen bei Welt- und Europameisterschaften der Senioren erst Athleten der M/W 35 starten. Obwohl sich diesem Vorschlag das DLV-Präsidium angeschlossen haben soll, stimmte der DLV-Verbandsrat (in ihm sind neben den Präsidiumsmitgliedern und Athletensprechern auch die 20 Landesverbände vertreten) gegen den Vorschlag und setzte stattdessen die M/W-40-Grenze durch.  Begründet wurde dies unter anderem mit der zu geringen Resonanz in den Altersklassen bei Meisterschaften.

„Mit der Streichung der beiden Altersklassen 30 und 35 geht uns der ‚Seniorenunterbau‘ verloren“, sagte Reick im Interview auf der Verbandshomepage und fügte hinzu: „Wir verlieren Leichtathleten, die in der Aktivenklasse nicht mehr starten können oder wollen, aber keine zehn Jahre pausieren werden, um dann als 40-Jährige wieder einzusteigen.“ Ein Standpunkt, den die Präsidentin des Niedersächsischen Leichtathletikverbandes (NLV), Rita Girschikofsky, nicht teilt. Sie hatte für die Abschaffung der Altersklassen M/W 30/35 gestimmt – „und zu dieser Entscheidung stehe ich auch“, sagte sie im Gespräch mit der HAZ. Auch sie verwies auf die zu geringe Beteiligung in den unteren Seniorenklassen: „Viele steigen doch erst ab der Altersklasse 40/45 wieder ein“, sagte sie. Genau dort gebe es auch die größeren Felder. Einen Verlust für den Breitensport sieht die NLV-Präsidentin nicht. Für viele ältere Athleten zähle in erster Linie das persönliche Ergebnis –  „und ich kenne viele, die sich mit 30 Jahren noch gar nicht als Senior fühlen und lieber in der Hauptklasse starten“. Laut Girschikofsky sei von Verbandsseite geplant, die Senioren DM I und II zusammen zu veranstalten.

Ob dies wirklich alles so kommt, ist noch offen. DLV-Vize Reick kündigte an, das Thema im Juli wieder auf die Tagesordnung zu setzen. Auch Girschikofsky glaubt, dass die Entscheidung nicht das letzte Wort gewesen ist. Vermutlich werde der Verband im Sommer lediglich für die Streichung der M/W 30 plädieren – damit befände sich der DLV dann auf einer Linie mit der internationalen Seniorenleichtathletik.

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