Döhrener Abendlauf: Traditionen ganz in Familie

Startschuss zum Döhrener Abendlauf. Foto: Fettback

Startschuss zum Döhrener Abendlauf. Foto: Fettback

Nun ist es ja nicht so, dass sich Tradition bei einem Volkslauf allein auf die Zahl reduziert, die vor so einem Rennen auftaucht. Beim Döhrener Abendlauf war es jetzt die 28, darauf müssen andere die Jahre über erst mal kommen. Allein dies zeigt, dass das Rennen im Süden von Hannover einen langen Atem hat und es sich lohnt, sich den ersten Freitag im Juni beizeiten im Kalender vorzumerken, um nichts zu verpassen. Dieses Mal waren es mehr als 850 Freizeitsportler, die beim Abendlauf ins Schwitzen gerieten und ihren Spaß hatten (was auch für die ein, zwei Stunden hinterher auf dem Platz am Klubheim galt), und das trotz sommerlicher Temperaturen, bei denen es eine gute Alternative gewesen wäre, kopfüber in den nahegelegenen Maschsee oder die Ricklinger Kiesteiche zu springen.

Tradition in Döhren zeigt sich auch in einen anderem Punkt: beim Blick auf die Ergebnislisten. Was in dem Fall nicht unbedingt für ein Ass wie Thomas Bartholome gilt, dem über die zehn Kilometer mal wieder keiner so richtig folgen konnte und der wie schon 2011 nach 32:56 Minuten mit großem Vorsprung als Erster in die Zielzone an der Bezirkssportanlage einbog.

Da haben andere, die beim Abendlauf diesmal auch weit vorne waren, noch einiges mehr zu bieten, auch wenn eine von denen Bartholome in respektvollem Abstand folgte. Bianca Stanienda, über zehn Kilometer in einer Zeit von knapp unter 40 Minuten schnellste Frau in der Masch, hat es in Döhren jetzt auf die stolze Zahl von zehn Einzelsiegen gebracht, wie der bis 1995 zurückdatierten Übersicht des Laufveranstalters zu entnehmen ist. Denn zu Staniendas acht Erfolgen über die zehn Kilometer seit 2001 muss man noch zwei Siege aus den Jahren 1996 und 1997 hinzuzählen, als sie unter ihrem Mädchennamen Köhler antrat. Vermutlich wäre Staniendas Döhrener Erfolgsliste noch länger, gäbe es die Kinder Kim-Sophie und Caroline nicht, wegen der das Laufen zeitweise in den Hintergrund rückte. Inzwischen sind beide so weit, dass sie sich anschicken, sportlich in die Fußstapfen der Mutter zu treten. Beim „Schnupperlauf“ in Döhren zeigten die Töchter, dass sie einiges von deren Talent geerbt haben und der Name Stanienda nicht nur dank der schnellen Mama weit oben auf den Ergebnislisten stehen wird.

Dass der sprichwörtliche Apfel nicht weit vom Stamm fällt, dafür lieferte der Abendlauf noch weitere gute Beispiele. Bei den „Bambinis“ waren Adrian und Daniel Nothdurft dabei; nachdem Mutter Annette, selbst Jahrgang 1967, die Zwillinge angefeuert hatte, rannte sie auf den 2. Platz über 6,6 Kilometer. Um eine Sekunde verpasste sie dabei ihren elften Sieg in Döhren, wo sie in 23:51 Minuten über die 6,6 Kilometer immer noch den Streckenrekord (2001) hält. Zum Vergleich: Mit dieser Zeit hätte sie diesmal bei den Männern Platz 4 belegt; da darf es jenseits der 40 schon mal drei Minuten langsamer sein. Respekt, Frau Nothdurft, für dieses Comeback! Beim Bambininlauf machte auch Lukas Czupryniak aus Langenhagen mit; man muss nicht lange wegen des verwandtschaftlichen Zusammenhangs rätseln, dass im Zehn-Kilometer-Rennen der Frauen der 7. Platz an eine gewissse Justyna Czupryniak ging.

Woran man auch sieht: Den Freitagabend in Döhren macht so mancher zu einem sportlichen Familienausflug. Die Stendels aus Arnum , die zu viert am Start waren, gehören seit Neuestem dazu. Vater Daniel, der über zehn Kilometer 107. in 46:05 Minuten wurde, kennt man noch gut aus seiner Zeit als 96-Profi. Zumindest das Laufen hat er nicht verlernt, und Ehrgeiz besitzt er auch noch immer, wie bei seinem Schlussspurt in Döhren zu sehen war. Auch seine Frau Manja und die Kinder Jule und Ben haben inzwischen Spaß am Laufen gefunden. Man muss ja nicht gleich Erster werden.

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Über Norbert Fettback

Norbert Fettback hat als Sportredakteur der HAZ die Fußballer von Hannover 96 rund 25 Jahre lang durch dick und dünn begleitet. Erst mit 50 entdeckte er für sich selbst das Laufen – auch um mehr als 40 überflüssige Pfunde loszuwerden. Nach der Premiere in New York (2005) absolvierte er Marathons unter anderem in Berlin, Chicago, Wien und Boston. Aufgrund diverser Verletzungen hat er sich bei der Wahl der Streckenlänge inzwischen mit dem Motto angefreundet: je kürzer desto besser.

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