Jan Raphael – einer von uns

Jan Raphael am Sonntag in Frankfurt. Foto: dpa

Jan Raphael am Sonntag in Frankfurt. Foto: dpa

Bei den Triathleten hat dieser Tage ein Sportler aus Hannover für Furore gesorgt. Jan Raphael ist beim Ironman Germany in Frankfurt Zweiter geworden, er darf sich jetzt Vizeeuropameister nennen und sich im Oktober so richtig auf Hawaii freuen – nicht, um auf der Pazifikinsel Urlaub zu machen, sondern um noch einmal zu zeigen, was er in den Armen und den Beinen hat. Bei der WM der Männer und Frauen, die die Stärke von Eisen besitzen müssen, um bei 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen gegen die Besten der Welt mithalten zu können.

Womit jetzt auch klar sein dürfte, warum wir in einem „Laufblog“ mal über den Tellerrand blicken und über Triathlon schreiben. Denn eigentlich ist Jan Raphael ja einer von uns. Es ist keine vier Wochen her, da stand er mit an der Startlinie, als der SV Eintracht in der Eilenriede seinen alljährlichen Zehn-Kilometer-Straßenlauf veranstaltete. Allerdings lief es für den 31-Jährigen nicht ganz so gut wie in Frankfurt: Er musste sich mit dem 4. Platz bescheiden. Woran zugleich zu sehen ist, wie bei einem Volkslauf in Hannover die Post abgeht und wie hoch hier die Trauben hängen. Da hechelt sogar ein außergewöhnlich erfolgreicher Profisportler den Amateuren hinterher.

Spaß beiseite: Wenn einer wie Raphael in schöner Regelmäßigkeit bei Wettkämpfen für jedermann mitmacht, dann zeigt das auch, dass er trotz beachtenswerter Erfolge in einer Ausdauerdisziplin die Bodenhaftung nicht verloren hat. Und umgekehrt können ein paar Hundert Volksläufer jetzt sagen,  Raphael zu einer so passablen Form angetrieben zu haben, dass er im Triathlon auf der Langdistanz jetzt zu den Besten in Europa gehört. In Frankfurt ist er den abschließenden Marathon in 2:49:47 Stunden auf einer bestenlistentauglichen Strecke gelaufen, und dies bei ausgesprochenem Sauwetter. Nur einmal war er zuvor schneller gewesen. Wie viele „normale“ Läufer träumen von solch einer Zeit, die sie nie im Leben erreichen werden!  Und wenn man dann noch bedenkt, was Raphael in den fünfeinhalb Stunden zuvor seinem Körper im Wasser und auf dem Sattel angetan hat …

Nein, ich werde die Dreikämpfer auch künftig respektvoll aus der Distanz begleiten. Vermutlich würde es bei mir nicht mal für einen Volkstriathlon reichen. Schwimmen war schon der Schrecken meiner Jugend, und die liegt Lichtjahre zurück. Strandbäder und Hallenbecken meide ich immer noch wie der Teufel das Weihwasser. Da hole ich weiterhin lieber das Fahrrad aus dem Keller, um Brötchen einzukaufen. Oder ziehe die Laufschuhe an, um die Masch  unsicher zu machen. Insofern mich mal kein Muskelfaserriss heimsucht, wie es gerade wieder mal der Fall ist.

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Über Norbert Fettback

Norbert Fettback hat als Sportredakteur der HAZ die Fußballer von Hannover 96 rund 25 Jahre lang durch dick und dünn begleitet. Erst mit 50 entdeckte er für sich selbst das Laufen – auch um mehr als 40 überflüssige Pfunde loszuwerden. Nach der Premiere in New York (2005) absolvierte er Marathons unter anderem in Berlin, Chicago, Wien und Boston. Aufgrund diverser Verletzungen hat er sich bei der Wahl der Streckenlänge inzwischen mit dem Motto angefreundet: je kürzer desto besser.

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