Die gute alte Zeit

Wir wollen an dieser Stelle eigentlich nicht in das Klagelied einstimmen, dass früher alles besser war – müssen es aber ausnahmsweise doch tun. Der Grund: das Aussterben der guten, alten Urkunde. Da immer mehr Veranstalter auf Chip-Zeitmessung umsteigen und der Beleg der läuferischen Qualität vollelektronisch und vollautomatisch zum Ausdrucken im Internet angeboten wird, ist das Ritual, am Ende des Wettkampfes eine Urkunde in die Hand gedrückt zu bekommen, fast schon in Vergessenheit geraten. Was wirklich schade ist, wie ein aktueller Fall zeigt.

So wurde uns eine Urkunde zugespielt, die beim betreffenden Läufer (*) auch in vielen Jahren noch einen ordentlich Lacher hervorrufen dürfte. Der Athlet hatte das leicht antiquierte Stück Papier bei einer noch antiquierteren Laufdisziplin (deren Aussterben wir ebenfalls ausdrücklich bedauern) gewonnen – einem Stundenlauf. Bei diesem Laufwettbewerb müssen die Läufer (der Name verrät’s) innerhalb einer Stunde so schnell laufen, wie die eigenen Beine sie tragen. Sieger ist, wer am Ende die meisten Runden (sprich Meter) absolviert hat.

In Borsum scheinen die Uhren etwas anders zu laufen. Bei der Borsumer Stunde wird der Sieger scheinbar nicht anhand der gelaufenen Meter ermittelt, sondern nach der Zeit. Und als besonders erfolgreich erwies sich dabei der Einsender der Urkunde, der – zumindest laut des vorliegenden Schriftstücks – die Stunde in exakt 58:45,2 Minuten absolviert hat. Wie ihm das gelungen ist? Wir wissen es nicht. Wir wissen nur, dass wir den Stundenlauf, die Urkunde und die Borsumer ausgesprochen sympathisch finden.

Macht weiter so!

* dem Einsender der Urkunde haben wir Anonymität zugesichert, da es ihm doch zu unangenehm war, die Stunde angeblich nicht ganz geschafft zu haben …

2 Gedanken zu „Die gute alte Zeit

  1. Hautlappen

    Die Urkunde – bzw. die dort verbriefte Leistung – muss dem Einsender doch nicht peinlich sein!

    Ich erinnere mich an den Volkslauf Isernhagen 2010, wo ein Läufer mit seiner 10 km-Zeit als Altersklassengewinner über 5 km geehrt wurde 🙂

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    1. Nobby

      Musst Du denn in dieser Wunde rühren? 🙂 Das hatte ich schon fast wieder vergessen – und außerdem wurde der Irrtum ja noch an Ort und Stelle korrigiert. Andersherum: Fünf Kilomter in rund 43 Minuten, den Kilometer also in 8:30, das muss ein Läufer erst mal hinkriegen.

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