Marathonpremiere im Steinhuder Meer

Screenshot: youtuube.de

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Sachen gibt’s, die muten so verrückt an, dass man meint, dies könne doch gar nicht sein im auch läuferisch so zivilisierten Niedersachsen. Werfen wir also den Blick forsch voraus auf den 21. April 2012, denn an diesem Tag wird sich wahrhaft Historisches ereignen. Es ist 11 Uhr, die Sonne schickt die ersten warmen Grüße übers Steinhuder Meer, und inmitten des Binnensees, auf der nur gut einen Hektar (also nur mehr als zwei Fußballfelder) großen Insel Wilhelmstein, haben sich 50 Frauen und Männer in knapp bemessener Kleidung, aber reichlich Unternehmungslust versammelt. Zum Baden ist es angesichts der Jahreszeit noch zu früh, aber nicht zum Laufen.

Auch eine künstlich angelegte Insel, und ist so noch so klein, taugt allemal für einen Marathon! Aus der geographischen Not wird so eine Tugend: Statt einer oder zwei Runden geht es dann eben mal 140-mal im Kreis herum.

Der Hildesheimer Michael Neumann hatte die Idee zum Inselmarathon. Mit ein paar anderen Laufverrückten, die normalerweise nur Strecken unter die Füße nehmen, die länger als 42 Kilometer sind und deshalb zur sogenannten Ultra-Fraktion (nicht zu verwechseln mit den gleichnamigen Hardcore-Fußballfans) gezählt werden, hat er sie jetzt in die Tat umgesetzt. Selbst findet er das Vorhaben auch ein wenig „skurril“, wie er sagt. „Aber wir sind nun mal Freunde ausgefallener Laufveranstaltungen.“ Wie dem von ihm ebenfalls selbst mitorganisierten „Kill 50“, einem Landschaftslauf über rund 80 Kilometer durch den Hildesheimer Wald am 20. November. Das Besondere: Von der Landschaft und den 2000 zu bewältigenden Höhenmetern bekommt man als Teilnehmer nicht allzu mit, denn gelaufen wird erst, wenn es stockdunkel geworden ist.

Dann doch lieber ein knappes halbes Jahr später im Hellen auf der Insel Wilhelmstein im April. Pech für diejenigen, die sich dafür noch anmelden wollen: Der Premieren-Marathon ist seit zwei Wochen ausgebucht, es gibt bereits eine Warteliste für interessierte Nachzügler. Das Echo hat auch Neumann ein wenig überrascht, ihn aber zugleich darin bestärkt, dass es sich lohnt, ausgefallene Läuferpfade mal zu verlassen. Der Inselvogt vom Wilhelmstein sei regelrecht begeistert gewesen, als er ihm den Vorschlag mit dem Inselmarathon unterbreitet habe. „Wenn sie dann drei, vier Leute finden, die mitmachen wollen …“

Ruck, zuck sind es 50 geworden, das selbst gesetzte Limit war schnell erreicht. Das Programm steht längst fest: Für 40 Euro Startgeld geht es rund auf der Insel – vorbei an alten Festungsmauern, die 1787 eine Belagerung durch hessische Truppen schadlos überstanden haben und nun wohl auch den paar Verrückten in Laufschuhen trotzen werden, einem spätestens nach 50 Runden verführerisch anmutenden Cafe und zwei frisch renovierten Toilettenhäuschen (die können, wenn nicht verschlossen, gerade bei einem Marathon von unschätzbarem Vorteil sein). Um immer das Meer vor Augen: Läuferherz, was willst du mehr! Und nicht nur das: Nach dem Lauf – Zielschluss ist nach sechs Stunden – steigt noch eine große Party. Übernachtung? Auch das ist kein Problem, dann ist noch keine Touristensaison auf der beliebten Ausflugsinsel.

Ein paar Dinge muss Neumann, der 2007 im Hamburger alten Elbtunnel  seinen ersten Marathon lief, allerdings noch organisieren. Zum Beispiel das mit der Überfahrt von Steinhude zum Wilhelmstein, denn Mitte April verkehren noch keine Ausflugsschiffe zu Insel. Wenn ein angemeldeter Läufer dann das Übersetzen verpasst? Neumann schmunzelt: „Es gibt nur Not ja auch Tretboote.“

Wobei er schon die nächste Idee hat: einen Triathlon auf dem Wilhelmstein. Die Laufstrecke wäre dann schon mal getestet, das Schwimmrevier zum Reinspringen nahe, und das Radrennen könne ja durch Tretbootfahren ersetzt werden, wie er meint. Ideen muss man haben. Und wenn sie noch so verrückt sind …

Und wem das Ganze nicht verrückt genug ist – wir hätten hier noch eine kleine Marathon-Auswahl:

Zum Beispiel der Elbtunnel-Marathon in Hamburg, oder der Untertage-Marathon in Sondershausen. Auch der Knastmarathon in Darmstadt hat seinen besonderen Reiz. Wem das alles zu langweilig ist, der kann sich beim North Pole Marathon oder dem Antarctis Ice Marathon anmelden. Und wer es ganz heiß mag, dem empfehlen wir an dieser Stelle den Marathon des Sables

0 Gedanken zu „Marathonpremiere im Steinhuder Meer

  1. Norbert

    Hallo Reini,
    ich bin am 21. April leider verhindert. Da geht mein Flieger nach London, wo es auch einen besonderen Marathon geben soll. 140 Runden wie auf dem Wilhelmstein kann ich an der Themse aber nicht bieten!

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    1. Reini1

      In London wollten sie mich nicht haben – da bleibe ich halt in heimischen Gefilden 😉 Wünsche Dir aber jetzt schon, dass es diesmal alles nach Plan läuft!!!

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      1. Norbert

        Nö Stephan, leider noch nicht! Denn Boston musste ich dieses Jahr drei Wochen vor dem Start krankheitsbedingt sausen lassen. Ich hoffe inständig, dass mir ähnliches nun vor London nicht auch passiert.

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  2. Dietmar Junghans

    Nicht nur die historische Inselfestung wird man mit einem
    genüßlichen Ausblick auf die Meeridylle incl. der Ufervarriationen nach 140 Runden aufgenommen haben, sondern
    auch die gerade zu diesem Zeitpunkt installierte KUNSTAUSSTELLUNG in den sog. 5 Minigalerien (Glashäuser)
    von dem international bekannten Künstler TIMM ULRICHS,
    organisert seit 8 Jahren vom Kunstverein MEERKUNSTRAUM e.V.,
    Steinhude.

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