Alles wird gut

Mit den Vorsätzen für das neue Jahr ist es mitunter so eine Sache. Ist nicht einiges davon ohnehin nur Alibi fürs schlechte Gewissen, weil bei der nächstbesten Gelegenheit doch wieder der Weg des geringsten Widerstands eingeschlagen wird, wie man es aus schwachen Momenten zur Genüge kennt?

Läufer sind da auch nicht aus anderem Holz geschnitzt; zwei Beispiele mögen genügen. Das ungeliebte Schwimmen als Ausgleichssport entdecken: Wer kriegt das wirklich dauerhaft hin, obwohl es doch gute Gründe dafür gibt? Oder genauer darauf achten, was täglich auf den Teller kommt, um beim nächsten Marathon mit zwei, drei Kilogramm weniger auf die Strecke zu gehen: Die leckere Portion Eis, die gerade den 2. Weihnachtstag geadelt hat, ist es doch hin und wieder wert, eine Ausnahme von der selbst auferlegten Regel zu machen. Oder?

Sich etwas auf die Fahne zu schreiben und es dann eisern zu befolgen wird auch dadurch nicht leichter, wenn man als Freizeitsportler gerade ein Jahr hinter sich gebracht hat, in dem ein Tiefschlag auf den anderen folgte, was eine extrem demotivierende Wirkung hat. Mit 58 erstmals am eigenen Leib erfahren zu müssen, dass ein anscheinend simpler Muskelfaserriss eine ganze Saisonplanung über den Haufen werfen kann, tut in so einem Fall richtig weh. Vor allem dann, wenn das drei Wochen vor dem Boston-Marathon passiert, für den man schon beim Kofferpacken war. Sich vier Monate später dann noch mal die gleiche Verletzung einzuhandeln, weil der sportliche Ehrgeiz wohl doch größer war als das aktuelle körperliche Leistungsvermögen, wirkt erst recht wie ein Schlag mit der Keule.

Der Jammer aufgrund dieser Verletzungen und weiterer Wehwehchen dokumentiert sich in einer nahezu jämmerlichen persönlichen Bilanz für 2011. Marathonstarts? Fehlanzeige! Wettkämpfe? Weniger als zehn. Neue Bestzeiten? Wie denn nur! Jahreskilometer? Nicht mal 1800, so wenig wie noch nie, seit das Laufen vor neun Jahren zum Hobby wurde. Man traut sich kaum noch unter seinesgleichen, ohne bei der Frage „Na, wie läuft’s?“ einen roten Kopf zu bekommen …

Immerhin hat dieses Dilemma auch sein Gutes, und das im wahrsten Sinne des Wortes: Es kann eigentlich nur besser werden. Zumal ein Termin für 2012 schon seit Monaten fix ist: der 22. April, der Tag des London-Marathons. Dass es damit geklappt hat, sich einen Startplatz zu sichern – von den mehr als 40.000, die  an der Themse unterwegs sein werden, kommen nur etwa 300 aus Deutschland -, war einer der wenigen läuferischen Lichtblicke in 2011.

Von Januar an wird etwas für die nötige Form getan. Auf dass mir nur nichts in die Quere kommt und das Wort Verletzung aus dem Sprachgebrauch verschwindet. Ein Seuchenjahr wie 2011 ist genug!

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Über Norbert Fettback

Norbert Fettback hat als Sportredakteur der HAZ die Fußballer von Hannover 96 rund 25 Jahre lang durch dick und dünn begleitet. Erst mit 50 entdeckte er für sich selbst das Laufen - auch um mehr als 40 überflüssige Pfunde loszuwerden. Nach der Premiere in New York (2005) absolvierte er Marathons unter anderem in Berlin, Chicago, Wien und Boston. Aufgrund diverser Verletzungen hat er sich bei der Wahl der Streckenlänge inzwischen mit dem Motto angefreundet: je kürzer desto besser.

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