Sport im Winter: Ist Joggen bei Kälte gefährlich?

Mütze und schützendes Tuch sind bei klirrender Kälte für viele Läufer ein Muss. Foto: Nietfeld

Mütze und schützendes Tuch sind bei klirrender Kälte für viele Läufer ein Muss. Foto: Nietfeld

Beim Blick auf das Thermometer, spätestens aber nach den ersten Metern fragt sich in diesen Tag fast jeder Läufer: Ist Joggen im Winter eigentlich noch gesund? Soll ich bei minus zehn Grad noch laufen? Muss ich mich bei Kälte besonders schützen? Wir haben Prof. Oliver Rühmann, Chefarzt für Orthopädie, Unfallchirurgie und  Sportmedizin am KRH Klinikum Agnes Karll in Laatzen, gefragt, wie Jogger trotz der Minusgrade sicher und gesund durchs Training kommen.


Herr Prof. Rühmann, Hannover bibbert, das Thermometer zeigt auch tagsüber minus zehn Grad an – kann ich bei diesen Temperaturen noch mit gutem Gewissen joggen?

Rühmann: Warum nicht? Für einen Gesunden sind – richtig gerüstet – Temperaturen bis minus zehn Grad in der Regel kein Problem.

Hole ich mir bei großer Kälte schneller eine Erkältung?

Rühmann: Die Atemwege werden durch die kalte Luft stark gereizt. Das führt schneller als üblich zu Husten und Bronchitis – und davon sind im Winter vor allem Sportler betroffen.  Sie neigen auch eher dazu, eine Erkältung zu verschleppen, weil sie die Beschwerden unterschätzen. Um Erkältungen vorzubeugen, sollten Sie nach dem Training sofort trockene Kleidung anziehen und  Dehnübungen am besten im Warmen machen.

Wie kann ich mich vor Kälte – und Erkältung – schützen?

Rühmann: Atmen Sie möglichst durch die Nase. Atmet man durch den Mund, trocknen die Schleimhäute noch stärker aus, Schmutz und Bakterien gelangen dann ungefiltert in die Lunge. Auf dem Weg durch die Nase wird die Luft zudem gefiltert, angefeuchtet und gewärmt. Hilfreich ist es, ein Multifunktionstuch oder einfach einen Schal vor Mund und Nase zu binden. Wer bei kalten Temperaturen Probleme mit der Atmung hat, läuft häufig zu schnell.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Prof. Oliver Rühmann. Foto: Heusel

Prof. Oliver Rühmann. Foto: Heusel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Heute Morgen bin ich dick eingepackt durch die Eilenriede gelaufen, während mir ein Jogger ohne Mütze und Handschuhe entgegenkam. Bin ich eine Frostbeule, oder ist der andere einfach nur verrückt?

Rühmann: Jeder reagiert anders. Manchen macht die Kälte überhaupt nichts aus, andere reagieren hingegen sehr empfindlich. In der Regel sollte man aber eine Mütze oder ein Stirnband tragen, da 40 Prozent der Wärme über den Kopf verloren gehen. Für den Körper empfiehlt sich das Zwiebelprinzip: Auf der Haut Funktionsunterwäsche, die den Schweiß nach außen leitet  – keine Baumwolle.  Bei Temperaturen um und unter dem Gefrierpunkt können Sie über dem Funktionsshirt einen Fleecepulli tragen, darüber eine wind- und wasserabweisende Jacke.  Und dazu immer lange Hosen. Ähnlich wie bei Radfahrerern empfiehlt sich auch ein Windstopper im Brustbereich, denn gerade schlanke Jogger haben hier keine isolierende Fettschicht.

Muss ich bei eisigen Temperaturen anders trainieren?

Rühmann: Generell sind im Winter ruhige Ausdauersportarten mit gleichmäßiger Belastung ideal, denn dabei atmet man weniger schnell und nicht so tief ein.  Das heißt: Je intensiver die Belastung, desto mehr kalte Luft atmen Sie ein – und desto größer sind die unerwünschten Effekte. Freizeitsportler sollten Intervall- und Tempotraining deshalb lieber verlegen. In jedem Fall hilfreich ist langsames Einlaufen, das beugt Verletzungen vor. Die Trainingseinheiten sollten nicht zu lang sein, denn der Körper kühlt im Winter auch mit guter Kleidung schneller aus.

Der lange Lauf am Sonntag fällt also aus?

Rühmann: Zwei- bis drei Stunden sollten Sie bei dieser Kälte zumindest nicht unbedingt laufen.

Ist man beim Training in der Kälte eigentlich schneller kaputt?

Rühmann: Der Körper verbraucht bei niedrigen Temperaturen mehr Energie. Für einen trainierten Läufer ist das kein Problem, ein untrainierter wird es aber sicherlich merken. Er sollte dehalb jetzt auch keinen langen Lauf machen.

Hand aufs Herz: Joggen Sie selbst noch bei diesen Temperaturen?

Ja, das mache ich nicht von der Temperatur abhängig. Ich bin es auch nicht anders gewohnt. Früher, beim Fußball, war immer Training – egal wie kalt es draußen war.

7 Gedanken zu „Sport im Winter: Ist Joggen bei Kälte gefährlich?

  1. Laufen im Winter | Joggen Online

    Klasse Artikel mit sehr guten Tipps. Allerdings sind die 40% Wärme, die über den Kopf abgegeben werden eher ein Mythos. Das ist so, weil natürlich der Rest isoliert ist. Kann man bei uns oder bei der Zeit http://www.zeit.de/2010/06/Stimmts-kalter-Kopf noch mal nachlesen.

    Aber das Zwiebelprinzip ist natürlich absolut richtig, wichtig und zu empfehlen. Übrigens würde ich keine Baumwollshirts empfehlen, wenn man zu starkem Schwitzen neigt – ist dann schnell naß und klebt unangenehm auf der Haut.

    Alle die dann ins Wochenende laufen, viel Spaß und wir freuen uns auf den Frühling

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  2. Oliver

    So eine Bronchitis ist am Ende wirklich nicht zu unteschätzen und man kann es leider kaum vemeiden hier und da tief ein zu atmen. Das Risiko kank zu werden ist also doch da und nicht zu unterschätzen.

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  3. Dominic

    Auf Realistendeutsch: „Für einige (einen Gesunden) sind – unter Umständen (richtig gerüstet) – bestimmte Temperaturen (Temperaturen bis…) oftmals (in der Regel) in Ordnung.

    Eigentlich will ich vermeiden zu sagen, dass Außensport zu sehr kalter Temperatur unklug ist.

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  4. Nico

    Ich denke auch, dass eher das verschleppen einer kleineren Erkrankung das große Problem sein kann. Ich habe nun eine Myokarditis hinter mir und werde im Winter wirklich nur noch laufen gehen, wenn ich kein Husten und kein Schnupfen habe. Man geht ja auch nicht krank in die Sauna, sondern belastet den Körper nur, wenn er wirklich gesund ist.

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