Serie „Lauf-Familien“ – Teil 2: Das Kramer-Gen

Erfolgreiches Duo: Manfred und Andreas Kramer.

Erfolgreiches Duo: Manfred und Andreas Kramer.

Manchmal, wenn Manfred und Andreas Kramer abends zu Hause in Barsinghausen zusammensitzen, eine Laufzeitschrift in der Hand und so manche Erinnerung an sportliche Ereignisse im Hinterkopf,  blüht auch der Flachs, wie es sich zwischen Vater und Sohn gehört. Gelegentlich ist dann von einer Zahlenreihe die Rede. 2:29:00. Mehr muss nicht gesagt werden. Das reicht, um die familiären Verhältnisse geradezurücken, wenn es ums Laufen und persönliche Bestzeiten geht.

2:29:00. Das ist die Marathon-Bestmarke von Manfred Kramer (71) von 1986, noch immer Bezirksrekord für die Klasse der über 45-Jährigen. Sohn Andreas (43), einen Kopf größer, macht sich dann unwillkürlich klein: Da kann er nicht wirklich dagegenhalten, obwohl er mit 2:41:41 Stunden kein Schlechter ist  auf jener Distanz, die für ihn und viele andere das sportliche Nonplusultra bedeutet. „So eine Zeit ist für mich außer Reichweite“, sagt der Junior voller Respekt vor der Leistung des Vaters.

Kramer und Kramer – das sind nicht nur zwei laufbesessene Sportler vom TSV Barsinghausen. Das Duo ist auch ein Beispiel dafür, dass es manchmal mehr Zeit als gedacht braucht, bis in der Familie vorgelebte sportliche Leidenschaft   Nachahmung findet. „Das erbt man nicht“, sagt Andreas Kramer, der erst vor rund zehn Jahren sein Faible für den Langstreckenlauf entdeckte. Sein Vater, eine Art Multitalent als Mehrkämpfer und Läufer auf unterschiedlichsten Distanzen zwischen 100 Metern und Marathon, hatte da seine erfolgreichste Zeit schon hinter sich. Sohnemann Andreas verlor nach der Schulzeit irgendwie die Lust auf Laufen, da konnten auch alle noch so gut gemeinten Ermunterungen des Vaters lange Zeit nichts bewirken.

Vorbei und vergessen. Jetzt verbringen die Kramers sogar ihren Urlaub gemeinsam in Dänemark – um laufen zu gehen. Auch wenn das dann, wie bei Trainingsläufen daheim im Deister oder in der Feldmark, mit dem Tempohalten so eine Sache ist. Andreas ist nun mal gut 28 Jahre jünger und um einiges schneller. Beim Marathon in Hannover will er am 6. Mai erstmals unter 2:40 Stunden bleiben, dafür absolviert der Elektriker derzeit ein Trainingspensum von 140 Kilometer pro Woche. Alles nach selbst ausgetüfteltem Plan.

Seinem Vater hat er vor einem Start über die 42,2 Kilometer in Hannover abgeraten. Nicht wegen der familiären Konkurrenz, sondern auch einem medizinischen Grund: Manfred Kramer hat seit neun Jahren ein künstliches Hüftgelenk. Über Nordic Walking hat er seinerzeit zum Laufen zurückgefunden, allen Befürchtungen zum Trotz. Inzwischen hält er wieder mit den Besten seiner Altersgruppe (und vielen Jüngeren) locker mit. 2011 wurde Manfred Kramer bei den deutschen Seniorenmeisterschaften Vierter über 5000 Meter, beim Halbmarathon in Bremen holte er sich den norddeutschen Titel in der Klasse „M 70“. „Laufen, das ist für mich Lebensfreude“, sagt Kramer senior. Bis zu 90 Kilometer kommen auch bei ihm in der Woche zusammen, dazu dreimal Training im Fitnessstudio, um Verletzungen vorzubeugen. Seine Begeisterung hat längst abgefärbt auf den Filius. „Mir macht es unheimlich viel Spaß“, sagt Andreas Kramer. „Und es ist schön, es sich selbst und anderen zu beweisen, was man kann.“

Wie am 6. Mai in Hannover. Andreas wird schon lange im Ziel sein, wenn Vater Manfred zum Lauf über zehn Kilometer antritt. Der eine wird sich vielleicht über seinen neuen Marathonrekord freuen, der andere über einen schönen Lauf ohne Leistungsdruck. Die Zeiten haben sich nun mal geändert.

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Über Norbert Fettback

Norbert Fettback hat als Sportredakteur der HAZ die Fußballer von Hannover 96 rund 25 Jahre lang durch dick und dünn begleitet. Erst mit 50 entdeckte er für sich selbst das Laufen - auch um mehr als 40 überflüssige Pfunde loszuwerden. Nach der Premiere in New York (2005) absolvierte er Marathons unter anderem in Berlin, Chicago, Wien und Boston. Aufgrund diverser Verletzungen hat er sich bei der Wahl der Streckenlänge inzwischen mit dem Motto angefreundet: je kürzer desto besser.

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