Geduld und neue Freunde

Foto: Fettback

Foto: Fettback

Nach zwei olympischen Nonstop-Wochen könnte man sich eigentlich wieder verstärkt den schönen Seiten des eigenen Sportlerlebens zuwenden. Mehr Zeit dafür wäre ja wieder da, und das Wetter stimmt derzeit auch. Doch es ist nicht immer der innere Schweinehund, der einen daran hindert, so richtig loszulegen. Derzeit bin ich schon stolz darauf, es in der Woche auf 20 Laufkilometer zu bringen – normalerweise sind es 50 bis 60. Besser als nichts sage ich mir trotzdem, wenn ich nach der Runde durch die Döhrener Masch das Tagebuch aus der Schublade holen kann, um das soeben Geschaffte zu notieren. Und das schon drei Wochen am Stück!

Nach endlosen Monaten, in denen es die Füße ganz stillzuhalten galt, weil Wade und Achillessehne einen unheilvollen Anti-Bewegungs-Pakt geschlossen hatten, ist das mehr als ein Lichtblick. Irgendwie bin ich sie auch leid, die ständigen Termine beim Arzt und beim Physiotherapeuten, weil es seit März unten rechts am Bein mitunter so wehtat, dass schon normales Gehen zur Qual wurde. Ab und an fühlte ich mich in dieser Zeit an ein bekanntes Märchen der Brüder Grimm erinnert, wenn ich im Flur am Schrank mit den Laufschuhen vorbeiging und ich leise Stimmen zu vernehmen glaubte: „Hol uns hier raus, bitte! Wir kriegen keine Luft.“ Ich bin hart geblieben, ihnen und mir gegenüber, und das war vielleicht auch gut so: Achillessehne und Wade ist es fühlbar gut bekommen, dass sie ein paar Monate ihre Ruhe hatten und auf Asphalt und Schotterwegen nicht getriezt wurden. Alles auch eine Frage der Geduld. Das aber fällt so unheimlich schwer, wie jeder weiß, für den Laufen mehr ist als eine bloße Form des Ortswechsels.

Ein paar neue Freunde haben mir in  der schweren Zeit, als die Laufschuhe im Schrank einstaubten, gute Hilfe erwiesen. Und damit meine ich nicht allein die aus Fleisch und Blut, die einem mit  Worten den Rücken stärken, wenn man gefühlt ganz weit unten ist. Mein Dank gilt auch der Treppe in unserem Haus. Seit Monaten ist sie unverzichtbar, um mit einem speziellen Auf und Ab der Beinbewegung der Achillessehne zu helfen, wieder gesund zu werden. Gedankt sei auch dieser kleinen schwarzen Rolle aus Kunststoff, die – immer in Griffweite – der Wade ausgesprochen guttut, wenn man mit ihr darüber hin und her gleitet. Nicht zu vergessen die jüngste Errungenschaft: ein Rennrad, das früher meinem Kumpel Olaf gehört hat und jetzt mehr Abwechslung in meine sportliche Rekonvaleszenz bringt. Ein schöner Nebeneffekt: So lernt man die Umgebung von Hannover erst so richtig kennen.

Und dann gibt es noch etwas, was meinen Kollegen Jörg nach dem Urlaub unlängst zu der Frage veranlasst hat: Hast Du Dir schon wieder neue Treter zum Laufen gekauft? Beim ersten Blick könnte man ihm ja zustimmen. Aber woher sollte er auch wissen, dass es sich um einen Schuh von Mizuno handelt, der nicht zum Rennen taugt, sondern die Fußmuskulatur trainieren soll? Gerade dann, wenn man – wie in meinem Fall – zu Laufpausen gezwungen ist? Die extrem flachen Dinger aus Japan sind nicht nur federleicht, man meint wirklich, barfuss unterwegs zu sein und mit den Zehen richtig Griff zu haben. Ich fühle mich jedenfalls sauwohl in den Schuhen mit dem mysteriös anmutenden Namenszusatz „BE“.

Dass ich jetzt wieder besser unterwegs bin, habe ich vielleicht auch ihnen zu verdanken. Manchmal, und das schließe ich daraus, scheint es zumindest eine Überlegung wert, auf das elfte Paar Laufschuhe zu verzichten und stattdessen zu etwas anderem zu greifen, was einen voranbringen könnte.

Dieser Beitrag wurde am von in Laufen in Hannover veröffentlicht. Schlagworte: , , .

Über Norbert Fettback

Norbert Fettback hat als Sportredakteur der HAZ die Fußballer von Hannover 96 rund 25 Jahre lang durch dick und dünn begleitet. Erst mit 50 entdeckte er für sich selbst das Laufen - auch um mehr als 40 überflüssige Pfunde loszuwerden. Nach der Premiere in New York (2005) absolvierte er Marathons unter anderem in Berlin, Chicago, Wien und Boston. Aufgrund diverser Verletzungen hat er sich bei der Wahl der Streckenlänge inzwischen mit dem Motto angefreundet: je kürzer desto besser.

Ein Gedanke zu „Geduld und neue Freunde

  1. Reinhard

    Es freut mich, dass es langsam wieder bei Dir aufwärts geht. Weiterhin gute Genesung! Freue mich schon, Dich mal wieder beim Wettkampf zu sehen!

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.