HAZ-„Laufpass“: Pokale für die Besten

Die Gewinner: Christian Wiese, Hannelore Lyda, Robin Dörrie, Bianca Stanienda, Dirk König, Detlef Oppermann (Sieger der Alterklasse 50+) und Iris Jeep. Foto: Emine Akbaba

Die Gewinner: Christian Wiese, Hannelore Lyda, Robin Dörrie, Bianca Stanienda, Dirk König, Detlef Oppermann (Sieger der Alterklasse 50+) und Iris Jeep. Foto: Emine Akbaba

Was haben Fußballspieler normalerweise gemeinsam? Wer jetzt antwortet, sie würden nicht gerne laufen, der liegt in vielen Fällen nicht falsch. Doch es gibt Ausnahmen, und die sprechen dafür, dass Kicker auch passable Dauerrenner sein können. Mit Robin Dörrie, Christian Wiese und Dirk König haben drei ehemalige Fußballer erfolgreich die Kurve gekriegt. Und das als Spätstarter. Dieses Trio hat in der Reihenfolge das „Laufpass“-Ranking 2012 dominiert, jetzt ernteten sie die Meriten dafür.

Bei einem kurzweiligen Abend, zu dem die Region Hannover gemeinsam mit der Sparkasse Hannover und der Veranstaltungsagentur eichels: Event eingeladen hatte und in dessen Rahmen auch 35 „Goldläufer“ (mehr als 25 Starts innerhalb der Serie) geehrt wurden, gab es Pokale und Sportgutscheine von Karstadt – auch für Bianca Stanienda, Iris Jeep und Hannelore Lyda, die bei den Frauen vorn lagen. Kann es da Zufall sein, dass auch Stanienda und Jeep einst gegen den Ball getreten haben und dabei eine durchaus gute Figur machten?

Wie man in der zweiten Sportkarriere durchstarten kann, dass zeigt das Beispiel von Christian Wiese (31), der einst im Trikot von Vereinen wie dem SV Ramlingen/Ehlershausen und dem Heeßeler SV dem Ball nachjagte. Ein Teil des Outfits, in dem er sich vor einem Jahr bei seinem ersten Start in der „Laufpass“-Serie am Altwarmbüchener See präsentierte, stammte noch aus dieser Zeit. Das hinderte ihn nicht daran, auf dem Weg zu seinem ersten Marathon im Mai 2012 in Hannover schnell zu sein. So ganz perfekt verlief der Einstieg trotzdem nicht: Der Neuling hatte nicht an Wechselklamotten für die Zeit nach dem Lauf gedacht, den er als Dritter beendete, was ihm eine Dreiviertelstunde später im durchschwitzten Shirt den Aufruf zur Siegerehrung bescherte.

Wie Wiese, der Sportlehrer am Kurt-Schwitters- Gymnasium in Hannover ist, hat auch Dirk König (37) Fußball bis zur Oberliga gespielt, so in Lehrte und Heeßel. Beide erinnern sich gern an so manchen Strauß, den sie miteinander ausgefochten haben. Das Laufen hat sie jetzt gemeinsam an die Startlinie gebracht, auch für Versicherungskaufmann König ist das der Sport, nachdem er voriges Jahr die Fußballschuhe an den Nagel gehängt hat. Inzwischen schafft er die zehn Kilometer in weniger als 35 Minuten, und mit dem Garbsener SC hat er sich mittlerweile auch einem ambitionierten Verein angeschlossen. Das Fachsimpeln dort gilt nicht ausschließlich dem Laufen: Auch Robin Dörrie (43) tritt für diesen Klub an, und auch er hat eine fußballerische Vergangenheit beim Duinger SC und beim SV Alfeld. Doch auch das ist Geschichte: Punkte und Urkunden sammelt Dörrie jetzt mittels schneller Zeiten auf der Langstrecke. Er ist so gut dabei, dass er die Ranking-Gesamtwertung zum zweiten Mal in Folge gewonnen hat.

Für Bianca Stanienda (43) war es der erste große Streich, den sie im Rahmen dieser Serie gelandet hat. Eine Wiederholung im Jahr 2013 scheint nicht in Sicht: Da will sie kürzer treten und sich mehr dem Triathlon widmen. Immerhin hat sich Stanienda den 5. Mai fest vorgemerkt: Dann möchte sie im Rahmen des Hannover-Marathons über zehn Kilometer antreten. Davon kann Iris Jeep, seit Monaten von Verletzungen geplagt, derzeit nur träumen. Bandscheibenvorfall, Wirbelsäulenbeschwerden, Schambeinentzündung: Für die 45-Jährige ist es Ende 2012 knüppeldick gekommen. Die „Laufpass“-Serie hat sie, auch dank viel Selbstüberwindung, als Zweite der HAZ-Bestenliste trotzdem gut zu Ende gebracht. „Und ich bin über zehn Kilometer unter 40 Minuten geblieben“, sagt Jeep. „Jetzt kann ich eigentlich in Rente gehen.“

Da wäre Hannelore Lyda (54) altersbedingt eher an der Reihe. Aber denkste! Die Mittfünfzigerin aus Hannover ist offenbar nicht zu bremsen und ein klassisches Vorbild für jene, die sich damit schwertun, die Sofa-Perspektive m it der eines Freizeitsportlers zu tauschen. Auch der März ist bei ihr schon wieder so gut wie verplant: erst die Landesmeisterschaften in Greene im Zehn-Kilometer-Straßenlauf, die Woche drauf ein Halbmarathon in der Nähe von Breslau. Und so geht es weiter. Man muss kein Prophet sein, um zu ahnen, dass Hannelore Lyda auch in der „Laufpass“-Serie 2013 vorne mitmischen wird.

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Über Norbert Fettback

Norbert Fettback hat als Sportredakteur der HAZ die Fußballer von Hannover 96 rund 25 Jahre lang durch dick und dünn begleitet. Erst mit 50 entdeckte er für sich selbst das Laufen - auch um mehr als 40 überflüssige Pfunde loszuwerden. Nach der Premiere in New York (2005) absolvierte er Marathons unter anderem in Berlin, Chicago, Wien und Boston. Aufgrund diverser Verletzungen hat er sich bei der Wahl der Streckenlänge inzwischen mit dem Motto angefreundet: je kürzer desto besser.

2 Gedanken zu „HAZ-„Laufpass“: Pokale für die Besten

  1. Sabine

    Hallo Norbert,

    Lob und Anerkennung für diesen/Deinen Artikel, Glückwunsch!

    Leider war in der HAZ lediglich ein sehr verkürzter Bericht nur über die erfolgreichen Männer zu lesen. Die Leistungen der Frauen spielen – wie schon so oft zuvor – kaum eine Rolle. Warum so frauenfeindlich?

    Auffällig ist die umfassende Berichterstattung über Robin Dörrie. Es sei ihm gegönnt. Wer an vielen Läufen teilnimmt und sich einigermaßen platzieren kann, hat am Ende des Gesamtrankings auch eine gute Platzierung.

    Glückwunsch an alle Sieger und Teilnehmer des HAZ-Laufpasses 2012.

    Herzliche Grüße
    Sabine

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  2. Birgit

    Glückwünsche an die Sieger, vor allem an Bianca, Iris (gute Besserung und nicht aufgeben – du gehst noch lange nicht in Rente!) und Hannelore (du bist mein Vorbild für „je älter umso besser“), und an alle Platzierten! Liebe Grüße aus den USA und ab dem Mühlenberger Nikolauslauf bin ich wieder dabei!

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