Was Bewegungsanalyse bewirken kann – ein Selbsttest

Laufdingen gegenüber aufgeschlossen: Norbert Fettback macht eine Leistungsdiagnostik. Foto: Körner

Laufdingen gegenüber aufgeschlossen: Norbert Fettback macht eine Leistungsdiagnostik. Foto: Körner

Zugegeben: Ich mag keine Laufbänder! Diese roboterähnlichen Dinger, von denen mancher gar meint, sie seien ein Nonplusultra des Sports. Zum Glück macht auch die HAZ-Laufgruppe einen großen Bogen darum. Und nun stehe ich auf so einem Gerät, das mir das Tempo diktiert, ohne dass ich mich dagegen wehren kann. Es ist kein Angstschweiß, der da fließt. Ingo Geisler hat elf Kilometer pro Stunde vorgegeben, mir wird warm vor laufenden Kameras, und ohne Schuhe und Strümpfe sorge ich mit meinem Mittelfuß-Laufstil auch noch für ordentlich Krach. Minutenlang macht es platsch, platsch, platsch. Aber das gehört dazu, wenn die zwei Stunden etwas bringen sollen. Auch dass ich später endlich die Laufschuhe anziehen darf und mir so trotz der zuvor angebrachten vielen farbigen Punkte an Beinen, Hüfte und Rücken nicht mehr ganz so nackt vorkomme.

Schuld daran, dass ich ein paar Monate vor dem Hannover-Marathon in so eine Situation gekommen bin, sind meine abgelaufenen Laufschuhe. Dabei ist dieses eine Paar relativ neu. Doch nach 150 Kilometern sind die Außenkanten an manchen Stellen wie wegradiert. Da zuckt auch der Laufschuhverkäufer meines Vertrauens mit den Schultern, am Material allein könne es wohl nicht liegen. Vielleicht mal von einem Experten eine Bewegungsanalyse machen lassen? Der gute Mann muss nicht groß argumentieren. Laufdingen gegenüber bin ich generell aufgeschlossen, da sitzt auch der Euro lockerer als bei anderen Ausgaben. Nach viel Verletzungspech, woran mich noch gelegentlicher Achillessehnenschmerz erinnert, ist Ursachenforschung angesagt. Also Laufhose, -shirt und -schuhe eingepackt und ab ins Labor!

Es ist nicht das erste Mal. Vor knapp drei Jahren hat mich schon Matthias Marquardt bei einer solchen Bewegungsanalyse vom Fuß bis zum Kopf in Augenschein genommen. Wer sich ein wenig auskennt in Lauffragen: Marquardt gilt deutschlandweit als Koryphäe auf diesem Gebiet. Geisler, ein Sportwissenschaftler, der als Leistungsdiagnostiker vier Jahre für den Fußball-Bundesligisten Hannover 96 gearbeitet hat, nimmt in der Hinsicht gerade Anlauf. Das Rad hat er deshalb nicht neu erfunden: Manches, was er mit mir exerziert, kommt mir bekannt vor. Etwa die Tests, die Aufschluss über die Beweglichkeit der Gelenke geben. Um dabei unter anderem festzustellen, dass ich tiefe Kniebeugen nicht richtig hinbekomme. Immer noch nicht, muss ich eingestehen. Schöne Grüße an den Schreibtischstuhl, der mich viel zu häufig in Beschlag nimmt!

So richtig spannend wird es auf dem Laufband. Die Videoaufnahmen, die mir Geisler später präsentiert, und seine Erläuterungen fallen ermutigend aus. Meine Lauftechnik sei sehr gut, heißt es. Doch es gibt weiterhin noch einiges zu tun. Das Becken rotiert nicht ausreichend, die Streckung der Hüfte ist eingeschränkt und die Beweglichkeit der Sprunggelenke nicht optimal, beim Laufen drücke ich mich mit den kleinen Zehen statt mit dem „großen Onkel“ ab. Könnte alles besser sein.

Entsprechend fallen die Hausaufgaben aus, die ich in Form von zig Übungen von Geisler erhalte. Ein Päckchen aus Ibbenbüren mit neuen Hightech-Einlagen werde ich in den nächsten Tagen auch noch bekommen.

Bewegungsanalyse, das erfahre ich aufs Neue, ist mehr, als aufs Laufband zu steigen, Tempo aufzunehmen und sich filmen zu lassen. Wenn dabei etwas herauskommen soll: So richtig spannend und zum Teil auch anstrengend wird es erst in den Wochen und Monaten danach.

Auch das gehört dazu: Genauer Blick auf Schuhe und Einlage. Foto: Körner

Auch das gehört dazu: Genauer Blick auf Schuhe und Einlage. Foto: Körner

 

Gute Adressen in der Region

Wer sich als Läufer einer Bewegungsanalyse (nicht zu verwechseln mit Videoaufnahmen, die im Fachhandel häufig beim Kauf von Laufschuhen vorgenommen werden) unterziehen möchte, der hat dazu in der Region mehrere Möglichkeiten, die sich in der Durchführung und damit auch preislich mehr oder minder stark unterscheiden. Ingo Geisler bietet seine Hilfe unter dem Firmennamen SDX im Gesundheitszentrum Kestnerstraße 42 an.

Bereits deutlich länger im Geschäft ist der Laufmediziner Matthias Marquardt, der sich auch als Buchautor (unter anderem „Die Laufbibel“) einen Namen gemacht hat, er hat seine Privatpraxis in der Ferdinand-Wallbrecht-Straße 23.

Weitere Anbieter, wobei der Leistungsumfang sich grundsätzlich nicht eins zu eins vergleichen lässt, in Hannover sind das Zentrum für Sportmedizin, Leistungsdiagnostik und Gesundheitsförderung (MSG) in der Peiner Straße 2, hier gibt es unter anderem eine Lauftechnikanalyse mit eindimensionaler Videoaufnahme.

Das Sanitätshaus Misburg, Waldstraße 10, hat ebenfalls eine Laufanalyse im Programm, eingeschlossen sind unter anderem Therapietipps, Fußdruckmessung und eine Laufschuhberatung. Auch der Weg zu Brandes & Diesing, Königstraße 44, könnte sich lohnen. Ralf Lindsch ulten in der Leisewitzstraße 43 bietet in Kooperation mit Physiotherapeuten eine Labor-Ganganalyse auf dem Laufband an.

Ein Anbieter außerhalb Hannovers ist Oliver Fiene in Springe (Tel. 0 50 41/97 09 20), bei dem eine Videoanalyse in drei Varianten möglich ist.

Die Preise der einzelnen Anbieter differieren stark, sie liegen zwischen 69 und 329 Euro.

 

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Über Norbert Fettback

Norbert Fettback hat als Sportredakteur der HAZ die Fußballer von Hannover 96 rund 25 Jahre lang durch dick und dünn begleitet. Erst mit 50 entdeckte er für sich selbst das Laufen - auch um mehr als 40 überflüssige Pfunde loszuwerden. Nach der Premiere in New York (2005) absolvierte er Marathons unter anderem in Berlin, Chicago, Wien und Boston. Aufgrund diverser Verletzungen hat er sich bei der Wahl der Streckenlänge inzwischen mit dem Motto angefreundet: je kürzer desto besser.

6 Gedanken zu „Was Bewegungsanalyse bewirken kann – ein Selbsttest

  1. Timo

    War klar, Nobbi,

    dass du auf diesen Scharlatan reinfällst und ihn anhimmelst.
    Der hat dir einen Zuchtlachs verkauft, aber behauptet, es wäre ein besonderer Alaska-Lachs, der seine 390 Euro Wert ist. Lächerlich

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    1. Norbert

      Timo,
      Du hast meinen Text nicht nur überflogen, sondern vielleicht auch gelesen? Du ziehst schon recht eigenartige Schlüsse. Von der Wortwahl im Einzelfall ganz zu schweigen.
      Norbert

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  2. Reinhard

    Problem könnte es m. E. geben, wenn die Laufbandanalyse und anschl. Einlagenherstellung in „einem Haus“ stattfindet. Da ist dann die Aussage „Einlage erforderlich“ vorprogrammiert!

    Antworten
    1. Roland B.

      Sorry, aber das sollte man so nicht pauschalisieren. Ich rate den wenigsten Läufern zu Einlagen, es gibt meist bessere Lösungen, die weniger bis garnichts kosten. Auch wenn die Einlagenfertigung und unser Bewegungsanalyse-Labor in „einem Haus“ sind.

      Mit freundlichen Füßen
      Roland B.

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  3. Pingback: Anonymous

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