Nicht nur was für Einsteiger – in neuen Laufbüchern geblättert

Thomas Wessinghage muss man übers Laufen nichts erzählen. Das Gegenteil ist der Fall: Der 61-Jährige, der 1982 in Athen Europameister über 5000 Meter wurde und dessen 3:31,58 Minuten über 1500 Meter wohl auch im 33. Jahr in Folge deutscher Rekord bleiben werden, hat in seiner Karriere so viel erlebt, dass er Bücher schreiben kann. Und das hat er jetzt getan. Wieder einmal. „Mein Laufbuch für die ersten 10 Kilometer“ lautet der aktuelle Titel, herausgebracht in Zusammenarbeit mit der Journalistin Martina Steinbach, deren Vorliebe für diesen Sport auf den 224 Seiten immer wieder durchschimmert.

Wie der Buchtitel erahnen lässt, richtet sich Wessinghage, der auch Kolumnist einer bekannten Laufzeitschrift ist, in erster Linie an diejenigen, die mit diesem Sport noch keine oder aber nur wenig Erfahrung haben. Insofern gibt es eigentlich nicht grundsätzlich nicht viel Neues zu vermitteln, weil es schon x-mal aufgeschrieben worden ist. Trotzdem lohnt der Griff zu diesem Buch, das als gut bebildertes und fachlich fundiertes Kompendium auch erfahreneren Läufern in diesem und jenem Punkt auf die Sprünge helfen kann. Auch deshalb, weil Wessinghage nicht nur ein überaus erfolgreicher Sportler war, der dank seines reichen Erfahrungsschatzes locker aus dem Nähkästchen plaudern kann, sondern auch als Arzt viel von den Dingen versteht, die wichtig sind für all das, was mit dem Laufen zu tun hat. Wie etwa das von vielen häufig vernachlässigte Dehnen. Wessinghage liefert dazu sogar eine „Gebrauchsanleitung“ samt einer „Top 10 des Läuferstretchings“. Gut beraten ist derjenige, der es nicht beim Lesen und Anschauen belässt.

 Thomas Wessinghage „Mein Laufbuch für die ersten 10 Kilometer“, Südwest Verlag, ISBN 978-3-517-08847-1, 14,99 Euro. 

 

Um einiges gewichtiger – zumindest in Bezug darauf, wenn man das Buch in die Hand nimmt – kommt das Resultat aus dem Doppelpassspiel von Martin Grüning, mit einer Bestzeit von 2:13 Stunden einst ein sehr guter Marathonläufer, und Urs Weber daher. Beide kennt man seit Jahren durch die „Runner’s World“; dieses Magazin setzen viele Läufer mit dem gleich, was Fußballfans am „kicker“ mögen: informative Unterhaltung plus Wissensvermittlung. Das Duo hat viel von dem zusammengetragen, was man im Laufe der Jahre als fleißiger Konsument dieser Zeitschrift irgendwann schon mal gelesen hat – und es hat thematisch hier und da noch mal nachgebessert. Die 344 Seiten, die für manchen vielleicht zu opulent bebildert sein dürften, sind ein nahezu komplettes Handtuch für Läufer und solche, die es werden wollen.

Trainingspläne für Distanzen von fünf Kilometern bis zum Marathon fehlen ebenso wenig wie profunde Tipps für Wettkämpfe, Ausrüstung, Ernährung oder zur Regeneration. Die insgesamt 13 Kapitel sind thematisch gut untergliedert, das macht es einem leichter, rasch Antworten auf bewegende Fragen zu finden. Auf diesen und jenen Firlefanz hätten die beiden Autoren aber auch verzichten können. Gibt es schwitzfestes Make-up? Braucht man Laufsocken? Das sind nicht gerade Aspekte, die die Sportler ins Grübeln bringen, sondern die eher in die bunten Postillen gehört, die man in Wartezimmern vorfindet. Trotzdem: Insgesamt lohnt die Lektüre.

Martin Grüning, Urs Weber „Das neue große Runner’s World Buch vom Laufen“, Meyer & Meyer Verlag, ISBN 978-3-89899-718-8, 24,95 Euro.   

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Über Norbert Fettback

Norbert Fettback hat als Sportredakteur der HAZ die Fußballer von Hannover 96 rund 25 Jahre lang durch dick und dünn begleitet. Erst mit 50 entdeckte er für sich selbst das Laufen - auch um mehr als 40 überflüssige Pfunde loszuwerden. Nach der Premiere in New York (2005) absolvierte er Marathons unter anderem in Berlin, Chicago, Wien und Boston. Aufgrund diverser Verletzungen hat er sich bei der Wahl der Streckenlänge inzwischen mit dem Motto angefreundet: je kürzer desto besser.

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