Hannover-Marathon: Fast alles ist gut!

Kraftakt bei Hitze: Halbmarathonläufer in Hannover.

Kraftakt bei Hitze: Halbmarathonläufer in Hannover. Foto: Philipp von Ditfurth

Glückliche Läufer, zufriedene Zuschauer und zwei Streckenrekorde – der Hannover-Marathon war zweifelsohne ein Erfolg. Wo man am Sonntag auch nachfragte,es gab es nichts zu auszusetzen. Oder besser: fast nichts. Denn in die positive Stimmen mischten sich auch ein paar kritische. Dass es die gibt, liegt nicht daran, dass die Organisatoren im Vorfeld etwas falsch gemacht hätten. Im Gegenteil: Sie machen ihre Arbeit seit Jahren einfach zu gut.

Kein Wunder, dass Cheforganisatorin Stefanie Eichel an diesem Tag ein Kompliment einheimste, das schöner nicht sein könnte. „Hannover ist ein großartiger Gastgeber, erzählen mir die Teilnehmer“, sagte sie. Auch Sieger Lusapho April stimmte in diesen Lobgesang ein. „Ich liebe Hannover“, sagte der Südafrikaner noch im Ziel und fügte hinzu: „Die Leute sind einfach toll, Hannover ist für mich wie eine zweite Heimat.“ Der mittlerweile zweifache Hannover-Sieger sah dabei nicht so aus, als seien diese Worte reine Schmeichelei. Zumal er in Hannover stets seine besten Leistungen gezeigt hat.

Beim Marathon, so scheint es, ist alles in bester Ordnung. Das Rennen hat sich in den vergangenen Jahren einen Status erarbeitet, den in Deutschland nur wenige Marathonläufe vorweisen können. Die Strecke ist flach, schnell und abwechslungsreich, die Hannoveraner arbeiten zudem erfolgreich an ihrem Ruf, sportgebeisterte Zuschauer zu sein. Am Ende des Jahres könnte deshalb der Ritterschlag folgen: Das „Silver Label“ des IAAF – mehr geht hierzulande kaum. Dass die Teilnehmerzahlen der „Königsstrecke“ in den vergangenen Jahren dennoch keine allzu großen Sprünge nach oben gemacht haben, ist zu verschmerzen. Und vielleicht sogar von Vorteil.

Denn eng ist es schon jetzt auf der Strecke, besonders für die Läufer des Halbmarathons: Der wird gestartet, wenn die Marathonläufer bereits unterwegs sind. Und genau das wird – besonders für die schnelleren Halbmarthonis – zum Problem. Spätestens auf der Hamburger Allee treffen sich beide Felder, und für die schnelleren Läufer über 21,1 Kilometer beginnt ein kleiner Slalomlauf. Der Umstand ist nicht neu, schließlich besteht die gemeinsame Streckenführung von Beginn an. Wer sich in der hiesigen Laufszene umhört, der bekommt diesmal aber ein paar mehr kritische Stimmen zu hören als in den Jahren zuvor.

Kritisch sei es vor allem bei den vier Stellen, an denen sich die beiden Felder zwischendurch wieder trennen. Dort, so der Hinweis mehrerer Spitzenläufer, werde es zunehmend unübersichtlich. So fehlten an den neuralgischen Punkten beispielsweise Einweiser, die frühzeitig auf die Streckentrennung hinwiesen (ein Umstand, den übrigens auch Skater geäußert haben, der sich allerdings vor allem fehlende Einweiser an scharfen Kurven bezog). „Wenn man konzentriert ist und am Limit läuft und auch noch zahlreiche Marathonläufer überholt, dann übersieht man die Hinweisschilder am Streckenrand schnell“, sagt Arne Westphal vom Garbsener SC, der Sechster wurde. In der Oststadt sei er sich zwischenzeitig gar nicht mehr sicher gewesen, ob er überhaupt richtig abgebogen sei. „Und das, obwohl ich aus Hannover komme und die Strecke kenne.“

Dass sich die Strecken von Marathon und Halbmarathon überlappen, birgt noch ein Problem – nämlich dann, wenn auf den letzten zwölf Kilometern vor dem Ziel die Zeit nicht mehr elektronisch erfasst wird, wie es in Hannover der Fall war. So können Marathonläufer nämlich im Osten des Georgengartens dorthin abbiegen, wohin es nur die „Halben“ führen soll, und so rund vier Kilometer abkürzen. Das ist nicht nur ein theoretisches Problem, sondern auch in den aktuellen Ergebnislisten auszumachen!

Update: Nach Angaben der Veranstalter werden die Ergebnislisten derzeit einer sogenannten Plausibilitätsroutine unterzogen. Wer mehrere Kilometer abgekürzt haben sollte, der wird von der Ergbnis-Software rausgefischt.  Zwar könne es durchaus Läufer geben, die stark abweichende erste und zweite Hälften laufen. „Ab einem gewissen Punkt fällt das aber auf“, sagt Mitorganisator Carsten Krebs. Dass nach Kilometer 30 keine Matten für die Zeitmessung auslagen, sei auch einem Engpass geschuldet gewesen. Die verantwortliche Firma Mika-Timing habe schlicht keine Matten mehr zur Verfügung gehabt. Eine habe man noch organisieren können, „die haben wir aber bei Kilometer 25 ausgelegt, um den Tempomachern eine Orientierung zu ermöglichen“, sagt Krebs. Bei der Mannöverkritik zum diesjährigen Marathon werde dieser Punkt aber auf jeden Fall angesprochen.

Einen weiteren Punkt kritisieren nicht nur die Spitzenläufer im Halbmarathonfeld: die späte Startzeit. Als am Sonntag um 10.45 Uhr das Feld auf die Strecke ging, herrschten in der City bereits alles andere als angenehme Temperaturen. Nicht ohne Grund rät der Niedersächsische Leichtathletikverband (NLV), Langstreckenwettbewerbe wie 10 Kilometer und Halbmarathon ab dem Monat Mai nicht später als zehn Uhr zu starten. 96-Läufer Peer Röhner hatte schon vor dem Start mit Blick auf die Temperaturen angemerkt: „Eigentlich ist 10.45 Uhr viel zu spät“, und dabei auch auf das NLV-Reglement verwiesen – das allerdings für Veranstalter nicht verbindlich ist, weil es nur eine Soll-Regel umfasst. Und im kommenden Jahr, wenn der Hannover-Marathon bereits Ende April stattfindet, erfüllen die Veranstalter auch diese Soll-Regel.

Nun kann man einwenden, dass jeder genau weiß, worauf er sich beim Halbmarathon einlässt. Das stimmt, aber der „Halbe“ steht mit seinen rund 6000 Teilnehmern seit jeher in der Läufergunst ganz oben und ist in puncto Zuspruch der wahre Hauptlauf. Was also tun? An der Startzeit vom Marathon ist nicht zu rütteln. Neun Uhr ist bei fast allen großen Marathonläufen gesetzt, daran zu schrauben würden viele Läufer nicht mitmachen. Zumal Hannover an einem Sonntag morgens um acht Uhr noch ziemlich verschlafen ist. Die alleinige Verlegung des Halbmarathons weiter nach vorn wäre ebenalls keine Lösung, da sich die Felder dann noch früher treffen würden.

Bliebe eine erneute Änderung der Streckenführung, um Halbmarathonis und Marathonläufer weniger Kilometer zusammenlaufen zu lassen. Vielleicht fänden die Streckenplaner im Bereich List/Oststadt sogar eine Lösung für eben dieses Problem. Ob eine erneute Streckenänderung zum Wohle der Gesamtveranstaltung wäre, ist indes fraglich. Nach der dritten Änderung in drei Jahren haben die Organisatoren eine – zumindest für die Marathonläufer – nahezu perfekte Strecke gefunden. Vor allem der Schlenker durch die Eilenriede war lang ersehnt und überfällig. Also schon wieder neue Sreckenpläne drucken? Besser nicht. Ein wenig Feinjustierung beim Halbmarathon ist dennoch wünschenswert. Und sei es in Form der von Läufern angeregten besseren Beschilderung bei zeitgleicher Postierung von Einweisern an den kritischen Stellen.

Und auch das war immer wieder als Kritik zu hören: An den Verpflegungs- und Erfrischungsstellen wurde Leistungswasser ausgegeben. Andernorts ist bei solchen großen Läufen Mineralwasser zu haben, oder es gibt sogar Elektrolytgetränke – wichtig vor allem für jene, die auf Gel verzichten möchten, aber an ihren Mineralstoffhaushalt denken, um gut über die Runden zu kommen.

Abgesehen davon gilt: Ein Blick in die zufriedenen Gesichter von Tausenden von Startern, die sich nach getaner Arbeit rund um das Neue Rathaus in der Sonne erholten (und abends in Hannovers Biergärten beim Frischgezapften wieder Kohlenhydrate tankten) zeigt, dass die zwei Tage Hannover-Marathon ein großer Erfolg waren.

Die schönsten Bilder vom Hannover-Marathon

3 Gedanken zu „Hannover-Marathon: Fast alles ist gut!

  1. reiner zufall

    Bitte nicht noch eine Streckenänderung in der List, wenn man in ein paar Straßen in eben diesem Stadtteil wohnt, hatte man dieses Jahr keine guten Chancen mit einem motorisiertem Gefährt den Wohnort zu verlassen. Einn netter Strackenposten erlaubte uns immerhin rüber zu schieben. Doch ist es keine Lösung über Umwege auf die Vahrenwalder Richtung Norden zu kommen, wenn man eigentlich in den Süden will.

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  2. Läufer

    Tolle Veranstaltung und Organisation! Jammern, wenn dann nur auf ganz hohem Niveau 😉

    Super:
    – super Stimmung an der Strecke (noch nicht ganz „Hamburg“, aber ganz weit vorne!)
    – Streckenposten und Helfer super freundlich
    – kurze Wege rund um Start und Ziel
    – tolle Organisation an Startunterlagenausgabe, Kleiderbeutelabgabe und Medalliengarvur, …
    – GVH-Fahrschein inbegriffen
    – Fernsehübertragung

    Kleinigkeiten, die noch ausbaufähig sind (zum Teil schon angesprochen):
    – zusätzliche Zeitnahme im Georgengarten
    – Staffelläufer mit zusätzlicher Startnummer auf dem Rücken
    – isotonische Getränke statt Gels
    – an einigen Stellen (Waterlooplatz, …) zusätzliche Absperrbänder (zahlreiche Läufer kürzen „traditionell“ stark quer über Bürgersteige ab).
    – Marathon-Medaille für kompletten Marathon sollte sich schon vom 10km, 21km, Staffel und Kinderlauf mehr als nur anhand der Bandfarbe unterscheiden.
    – Verpflegungsbeutel im Ziel (gibt leider auch viele Läufer die gerne mal 5 und mehr Schokoriegel abgreifen ;-)).

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  3. Pingback: Laufpass: Punkteregen nach dem Hannover-Marathon › Laufen in Hannover » Laufblog der HAZ

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