Serie „Lauf-Familien“ – Teil 4: Die Senkrechtstarter

René und Anja Menzel beim Silvesterlauf 2012 am Maschsee. Foto: Petrow.

René und Anja Menzel beim Silvesterlauf 2012 am Maschsee. Foto: Petrow.

Da hat es sich doch gelohnt, sich von der Mutter was abzugucken. Jedenfalls für René Menzel, den schnellen jungen Mann vom Deister. 20 Jahre alt ist er, und wer einen Blick in die gerade veröffentlichten niedersächsischen Jahresbestenlisten von 2013 wirft, der entdeckt seinen Namen gleich auf vier Strecken auf Position 1 oder 2. Über 5000 Meter war keiner schneller als der Egestorfer, der eine 14:45 zu Buche stehen hat. Auch über 800 sowie 1500 und 3000 Meter mischt René Menzel vorne mit. Das Erstaunliche daran: Mit dem Laufen hat er so richtig erst vor zwei Jahren begonnen. Und „schuld“ war seine Mutter.

Wir haben den Wald vor der Haustür“, sagt Anja Menzel (48). „Da habe ich mir gesagt: Los, dann mach was draus.“ Also schnappte sie sich die Laufschuhe, die von ihrem kurzen Intermezzo bei den Egestorfer Frauenfußballerinnen noch im Schrank standen, und lief los. 2010 war das. „Irgendwann hat sich René angeschlossen. Das war dann wie ein kleiner Familienausflug.“ Dass die gemeinsamen Läufe inzwischen eher rar sind, hat seinen Grund: Der Sohnemann ist einfach zu schnell. Dabei ist Anja Menzel auch eine gute Läuferin, in ihrer Altersklasse hat sie sich Anfang Mai in Bremen auf der Bahn über 10 000 Meter den deutschen Vizemeistertitel der Seniorinnen geholt.

Mit dem Stolz der Mutter verfolgt sie den sportlichen Weg von René , der wie sie für den TSV Kirchdorf startet. Dass er seinerzeit nicht bei null anfing, war von Vorteil für seine noch kurze Laufbahn: Er hatte jahrelang Fußball bei Germania Egestorf/Langreder gespielt, eine Zeit lang versuchte er sich in beiden Sportarten gleichzeitig. Die Entscheidung fürs Laufen war durchaus schmerzhaft. „Ich hatte mir beim Fußball die Rippen geprellt“, berichtet René. „Da sagte mir mein Trainer Markus Pingpank, ich müsse mich jetzt entscheiden: Fußball oder Laufen.“ Bereut habe er es nicht, die Töppen in die Ecke zu stellen, „auch wenn es mir sehr schwergefallen ist“. Es passt ins Bild, dass er Noppenschuhe trug, die er vom Fußball hatte, als sein Talent im August 2010 beim Abendsportfest in Kirchdorf augenscheinlich wurde. 2:52 Stunden zeigte die Uhr für ihn über 1000 Meter an, und das sozusagen aus dem Stand und mit nicht gerade idealer Sportausrüstung.

Danach wurde der Spaß zum ernsthaften Hobby. Mit Training an bis zu sieben Tagen in der Woche. Mit dem Landesmeistertitel 2012 über 1500 Meter als vorläufigen Höhepunkt. Mitte Juni startet René Menzel bei der deutschen „U 23“-Meisterschaft in Göttingen, und da soll ein Platz unter den besten acht herausspringen. Auch das wird dann ein Familienausflug werden. Anja Menzel wird ihn ebenso anfeuern wie Vater Thomas, der inzwischen auch Gefallen am Laufen gefunden hat. Auch wenn es bei ihm etwas länger dauerte, es den anderen aus der Familie nachzumachen: Diesen und jenen Volkslauf hat Thomas Menzel inzwischen mitgemacht, 2014 soll der erste Halbmarathon folgen.

Anja Menzel weiß, dass ihr Sohn nicht nur großes Talent, sondern auch viel Ehrgeiz besitzt. „Und er ist mit viel Spaß bei der Sache“, sagt sie. Aber will er möglicherweise zu viel erreichen in zu kurzer Zeit? Drei seiner Bestzeiten von 2013 hat René Menzel binnen zwei Tagen aufgestellt: Mitte Mai bei Sportfesten in Koblenz und Zeven. Und zehn Tage zuvor war er in Hildesheim über 3000 Meter nicht zu schlagen, auch da siegte er in einer Zeit, die landesweit 2013 noch nicht übertroffen wurde. Ein ungemein strammes und erfolgreiches Wettkampfprogramm! Läuft er möglicherweise Gefahr, übers Ziel hinausschießen und seine Körner zu verpulvern, ehe es richtig zur Sache gehen soll? Man darf gespannt sein, was René Menzel am 15. und 16. Juni in Göttingen folgen lässt.

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Über Norbert Fettback

Norbert Fettback hat als Sportredakteur der HAZ die Fußballer von Hannover 96 rund 25 Jahre lang durch dick und dünn begleitet. Erst mit 50 entdeckte er für sich selbst das Laufen - auch um mehr als 40 überflüssige Pfunde loszuwerden. Nach der Premiere in New York (2005) absolvierte er Marathons unter anderem in Berlin, Chicago, Wien und Boston. Aufgrund diverser Verletzungen hat er sich bei der Wahl der Streckenlänge inzwischen mit dem Motto angefreundet: je kürzer desto besser.

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