So kommen Läufer durch die Hitze

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Der Sommer dreht in dieser Woche richtig auf. Was die meisten freuen dürfte, macht Läufern das Training schwer. Im HAZ-Laufblog-Interview gibt der MHH-Sportmedizinier Prof. Uwe Tegtbur Tipps, wie man gesund und munter durch die Hitze kommt. Und wie man der Pollenallergie ein Schnippchen schlägt.

Herr Prof. Tegtbur, was muss ich beachten, wenn ich bei steigenden Temperaturen weiter laufen will?
Wer Sport treibt, setzt 80 Prozent der Energie in Wärme um – und die muss vom Körper abgegeben werden. Je wärmer es wird, desto schwieriger wird das aber. Der Körper reagiert darauf, in dem der Puls ansteigt. Das können bei richtiger Hitze leicht bis zu 30 Schläge pro Minute mehr sein. Wenn Sie sonst mit Puls 130 durch die Eilenriede laufen, haben Sie bei gleichem Tempo plötzlich Puls 160.

Und was sollte ich darauf reagieren?
Ganz einfach: die Geschwindigkeit reduzieren – und zwar von Beginn an. Also nicht erst, wenn ich auf den letzten Metern schön völlig ausgelaugt bin.

Wenn ich also sehe, dass es warm wird, muss ich auf die Bremse drücken?
Auf jeden Fall. Man muss seine Ziele von Beginn an dem Wetter anpassen.

Prof. Uwe Tegtbur ist ehemaliger Mittelstreckenläufer und leitete die Sportmedizin an der Medizinischen Hochschule Hannover. Foto: HAZ

Prof. Uwe Tegtbur ist ehemaliger Mittelstreckenläufer und leitet die Sportmedizin an der Medizinischen Hochschule Hannover. Foto: HAZ

Das heißt, ich muss das leistungsorientierte Training im Sommer ganz aufgeben?
Nein, das nicht. Aber wenn es draußen 30 Grad sind und die Luft stickig ist, sollte man reagieren. Verkürzen Sie die Trainingsstrecke und streuen Sie stattdessen kurze Intervalle ein. Das gilt übrigens auch für Läufer, die das ganze hobbymäßig betreiben. Eine halbe Stunde durch den Wald laufen und dabei im Wechsel mal schnell und langsam laufen, das geht auch bei hohen Temperaturen. Allerdings muss man immer bedenken, dass der Körper Zeit braucht, um sich an die Wärme zu gewöhnen – das kann bis zu zwei Wochen dauern.

Wenn man sich im Sommer die Läufer in der Eilenriede oder am Maschsee ansieht, hat man immer das Gefühl, die seien auf dem Weg zu einer Wüstenexpedition. Muss man wirklich immer eine Trinkflasche mit sich rumschleppen?
Normalerweise brauchen Sie das nicht – es sei denn, Sie wollen noch Krafttraining für die Arme machen. Wer nicht in der prallen Sonne unterwegs ist, kann aber problemlos eine Stunde trainieren, ohne zwischendurch zu trinken. Allerdings müssen Sie sicherstellen, dass Sie nicht mit einem Flüssigkeitsdefizit ins Training starten. Will ich um sechs Uhr abends laufen, muss ich den Tag über ausreichend trinken – und eine halbe Stunde vorher nochmals einen halben Liter. Dann dürften Sie keine Probleme bekommen.

Die Wärme ist im Sommer nicht das einzige Problem. Auch Pollen setzen den Allergikern unter uns Läufern zu. Kann man sich dagegen schützen – zum Beispiel in dem nur morgens läuft?
Im Sommer ist es natürlich generell ratsam, morgens zu laufen. Allein schon wegen der Ozonkonzentration, die abends deutlich höher ist. Wer Heuschnupfen hat, der sollte aber auch morgens überlegen, ob das Training wirklich sein muss. Zwar schwankt die Pollenkonzentration je nach Tageszeit – ein Allergiker reagiert aber bereits auf wenige Allergene. Und die sind auch in den Morgenstunden in der Luft. Allergiker sollten deshalb den Pollenflugkalender im Blick haben und auf die Warnsignale des Körpers hören: Haben Sie das subjektive Gefühl habe, sich nicht fit zu fühlen, dann lassen Sie das Training lieber bleiben.

Ein Rat, den ein Läufer aber nicht sehr gern hört.
Man muss beim Training langfristig denken. Was bringt es, völlig kaputt ins Training zu gehen? Viele vergessen, dass eine Pollenallergie eine allergische bedingte Entzündung ist – und ständig mit einer Entzündung im Körper zu laufen, ist auf lange Sicht nicht gesund. Da benötigt der Läufer die Unterstützung des Allergie- oder Lungenarztes.

Ein Gedanke zu „So kommen Läufer durch die Hitze

  1. Maxim

    Ich mache es immer so, dass ich entweder ganz früh morgens, also sehr früh so gegen 06:00 Uhr morgens laufen gehe oder sehr spät ab 22:00 Uhr abends. Abends zu laufen klappt allerdings nur am Wochenende ansonsten bin ich viel zu erledigt von der Arbeit unter der Woche. Bei zu starker Sonne schaffe ich meine Tour auch gar nicht und wie der Herr Schenker auch schreibt; was bringt es mir schon vor dem Training kaputt zu sein? Wir sind ja keine Hochleistungs Läufer sonder Hobby Läufer – ich zumindest.

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