Macht Musik den besseren Läufer?

Foto: Bodo Marks

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Wenn es um Sport und Gesundheit geht, wird fast täglich eine neue Studie zitiert, die dieses oder jenes verbietet, empfiehlt oder als neues Allheilmittel für was auch immer anpreist. Deshalb ist die Meldung „Mit Musik wirkt Joggen weniger anstrengend“, die von der Deutschen Presse-Agentur veröffentlicht wurde, in der Redaktion auch relativ schnell in der Ablage gelandet. Bis heute Morgen so ein unverschämt schneller und gut gelaunter Jogger den Weg in der Eilenriede kreuzte – mit Musik auf den Ohren. Und so kam die Meldung über diese Studie aus der Ablage wieder auf den Schreibtisch. Zusammen mit der Frage: War der heute Morgen vielleicht wegen der Musik so schnell?

Glaubt man Yves Cloos, dann könnte dies nämlich der Grund sein. Der Doktorand der Institut für Musik und Musikwissenschaft an der TU Dortmund untersucht die Verbindung von Musik und Sport. Und er hat mit eben diesen Untersuchungen festgestellt, dass Musik das Anstrengungsempfinden beeinflusst, das Durchhaltevermögen verbessert und das Wohlempfinden des Läufer stärkt. Hören Jogger Musik, so Cloos, schätzen sie die Belastung geringer ein. Also das neue Allheilmittel für das nächste Training?

Für seine Untersuchungen hat Cloos  mehr als 500 Menschen befragt und Experimente mit Läufern und Radfahrern gemacht. Die Ergebnisse (ein wenig verkürzt dargestellt): Wer mit Musik läuft, hat das Gefühl, weniger lange Sport zu treiben. Wahrscheinlich, so wird Cloos zitiert, hänge das damit zusammen, dass die Aufmerksamkeit des Läufers hin zur Musik gehe, er also gar nicht merkt, wie die Zeit vergeht.  Klingt schön und gut – aber lässt sich Musik hier nicht auch mit „Trainingspartner“ ersetzen. Sprich: Wenn ich nicht allein laufe, achte ich nicht die ganze Zeit auf meine Uhr und die Strecke, sondern plaudere ein wenig mit meinem Begleiter?

Ein weiteres Ergebnis: Musik steigere das Durchhaltevermögen – jedoch (Achtung, Einschränkung!) nur im mittleren Belastungsbereich, nicht aber bei Höchstleistung. Aha! Und auch hier könnte man, ein wenig plakativ gesprochen, Musik mit Laufpartner ersetzen. Denn der zieht einen genauso (oder sogar noch besser?). Eine Gefahr der Überlastung besteht übrigens laut Cloos nicht. Denn: Sobald der Jogger hohe Leistungen bringt und nah an die Grenze der Verausgabung kommt, überwiegt das Schmerzempfinden. Ach so! Das gilt übrigens für jedes Training: Wenn ich nicht mehr kann, bin ich platt und kann eben nicht mehr weiterlaufen. Punkt!

Nun soll an dieser Stelle nicht in Abrede gestellt werden, dass sich Musik positiv auf das Training auswirken kann (dafür ist Herr Cloos der Fachmann, nicht ein laufender Redakteur). Wer ein Lied hört, das einen emotional berührt, kann dadurch sicherlich gepusht werden. Aber: Lässt sich deshalb gleich die steile These aufstellen, dass Joggen dadurch weniger anstrengend wird? Und Läufer sich generell wohler fühlen, wenn sie mit Musik joggen, wie sich Cloos zitieren lässt (wobei unklar ist, ob ihm das Zitat von der Agentur in den Mund gelegt wurde oder er es selbst so gesagt hat)? Wer einmal bei einem Wettkampf von Musik beschallt wurde, die NICHT exakt zum Lauftempo passt, kann davon ein Liedchen singen, wie leicht man aus dem Rhythmus kommt.

Was lernen wir also aus der Meldung über diese Studie? Nicht viel, außer dass Musik sich irgendwie positiv auf uns Läufer auswirken soll (wenn man sich nicht daran stört, dass einem die Lautsprecher ständig aus den Ohren plumpsen). Und wer nichts auf die Ohren haben will, der sucht sich einfach einen Trainingspartner.

Die Frage, ob der Jogger heute Morgen in der Eilenriede wegen seiner Musik so schnell war, bleibt allerdings weiter ungelöst.

 

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