Berg-Erfahrungen

Steffen Lang macht sich auf den Weg zum Gipfel der Zugspitze. Foto: Frank Richter

Steffen Lang macht sich auf den Weg zum Gipfel der Zugspitze.
Foto: Frank Richter

Nun sind ja Berge nicht nur dazu da, um im Winter auf Skiern in wilder Fahrt die Piste hinab ins Tal zu rasen oder im Sommer eher gemächlich über Stock und Stein luftige Höhen zu erklimmen. Immer mehr Läufer entdecken die Reize und die Herausforderungen, die Gipfelstarts zur Folge haben. Geradezu inflationär mutet die Zahl solcher Veranstaltungen vor allem in der Alpenregion an, und trotzdem kommen die Sportler in Scharen. Beim 13. Zugspitz-Extremberglauf machten sich jetzt 967 Läufer und Nordic Walker auf den Weg hinauf zu Deutschlands höchster Erhebung – Teilnehmerrekord. Weit mehr als 1000 waren es, die sich beim 12. Zermatt-Marathon in der Schweiz versuchten und es dabei auf der klassischen Distanz auf summa summarum 2340 Höhenmeter brachten. Bei den 3. Salomon-4-Trails, die in Garmisch-Partenkirchen ihren Anfang hatten und an vier Tagen über insgesamt 150 Kilometer bei 10 000 Höhenmetern (die Abstiege nicht eingerechnet) durch Tirol bis ins schweizerische Samnaun führten, quälten sich 550 Hartgesottene ins Ziel. Da werden auch Langstreckler blass, die sonst nur wenig Konkurrenz zu fürchten haben.

Steffen Lang vom TSV Kirchdorf hat gerade so eine Erfahrung gemacht. Vor Kurzem ist der Hannoveraner niedersächsischer Vizemeister über 5000 Meter geworden, er ist auch ein sehr guter Halbmarathonläufer. Das scheint ihn beflügelt zu haben, sich in bislang unbekannte Höhen zu begeben. Als Debütant beim Zugspitzlauf hatte Lang einen Platz unter den besten zehn anvisiert, machte die Rechnung aber ohne die 1836 Höhenmeter, die auf ihn warteten. Er musste sich mit Rang 89 zufrieden geben, was man in dem Fall aber keinesfalls als Niederlage ansehen muss, und war hinterher um eine Erkenntnis reicher: „Auf einen Berglauf muss man sich speziell vorbereiten. Sonst wird das nichts.“

Oder mal eben den Vereinskollegen Dirk Schwarzbach fragen: Der ging unterhalb der schneebedeckten Zugspitze auf den knapp 17 Kilometern steil und wurde mit einer Zeit von knapp unter zwei Stunden Zehnter. Dass er beim Rennsteig-Marathon 2013 nur einem Läufer den Vortritt gelassen hatte, war so gesehen gewiss kein Zufall. Schwarzbach, der sich auch schon beim Swissalpine vor drei Jahren als Fünfter wacker geschlagen hat, ist längst auf den Geschmack gekommen, und Lang als Einsteiger offenbar auch: Am 31. August wird er wieder an der Startlinie eines anspruchsvollen Berglaufes stehen – beim Transalpine-Run, der über acht Etappen und insgesamt 250 Kilometer von Oberstdorf nach Latsch in Südtirol führt. Laut Streckenplan sind dabei 15 000 Höhenmeter zu bewältigen, allein im Aufstieg. Der dieses Mal aufgrund der der Schneesituation etwas verkürzte Zugspitzlauf, der national als härteste Prüfung dieser Art gilt und bei dem so mancher Teilnehmer mehr geht als läuft, um überhaupt voranzukommen, führt normalerweise „nur“ 2200 Meter bergauf.

Die Sache mit dem Transalpine-Run hat für Steffen Lang allerdings einen klitzekleinen Haken: Er wird wohl auf den nördlichsten Berglauf Deutschlands verzichten – den im heimatlichen Deister. Der startet am 15. September in Barsinghausen, und dem Kirchdorfer dürften die Alpen-Etappen da noch in den Knochen stecken.

Andererseits:  Eigentlich müsste das für ihn doch ein Kinderspiel sein. Der Halbmarathon beim 10. Deisterberglauf, von Langs Verein ehrenamtlich organisiert, hat 488 Höhenmeter inklusive. Auf der Zehn-Kilometer-Distanz sind 231 Höhenmeter zu nehmen. Von den 118 auf der Fünf-Kilometer-Strecke reden wir erst gar nicht. Anderen Flachländern macht dieses Profil sicher mehr zu schaffen; für so manchen ist das zugleich neues Terrain mit interessanten Ausblicken und Entdeckungen am Streckenrand. Deshalb kann man den TSV Kirchdorf nur zu dieser Idee beglückwünschen, diesen Lauf nicht weiter in den Winter zu verbannen, ihm ein neues, anspruchsvolleres Gesicht zu geben und ihn vom Staub der Jahre zu befreien. „Jedes Rennen ist anders. Hier werden nicht mehrere Runden auf derselben Strecke gelaufen“, sagt Frank Richter, einer der Organisatoren.

Ach so: Dirk Schwarzbach wird wohl am 15. September auch dabei sein. Als Helfer, vom Verein eingeteilt, so der heutige Stand der Dinge. Wer also Fragen hat, wie man am besten den Berg hinauf kommt …

PS: Falls jemand noch eine Woche Resturlaub hat, gern läuft und die Alpen mag: Das Aostatal in Italien wäre vom 8. bis 15. September eine gute Adresse.

Bei diesem Ultra-Trail über 330 Kilometer sind 24 000 Höhenmeter zu bewältigen, wofür man allerdings nicht länger als 150 Stunden brauchen sollte. Sonst ist nämlich vorzeitig Schluss beim „Tor des Geants“, der für sich in Anspruch nimmt, der „härteste Ausdauer-Trail der Welt zu sein“. Vorher ein bisschen zu üben wäre als schon ratsam.

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