Ein Hannoveraner entdeckt die Berge

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Da hat jemand eine neue Herausforderung gesucht und gefunden – und die Art und Weise ist bemerkenswert. Ebenso die Offenheit, mit der Christof Jankowski darüber spricht, warum er sich jetzt dem Berglauf zugewendet hat. „Ich war ausgelaugt und hatte keinen Bock mehr auf Trainingspläne und die ewigen Runden auf der Bahn“, sagt der 33-Jährige, der sich in den vergangenen Jahren auch über die Region hinaus einen Namen über 10 000 Meter (Bestzeit: 32:45 Minuten) und im Halbmarathon (1:12:22 Stunden) gemacht hatte. Jetzt ist er zum ersten Mal einen Marathon gelaufen. Nicht irgendeinen, sondern den in Bad Pyrmont, wo es die Berge im steten Wechsel hoch und runter geht, meist auf unbefestigten Wegen. Landschaftslauf sagt man dazu, und Jankowski scheint das neue Metier mit viel Natur und manch schönem Ausblick bestens zu gefallen. „Das macht jede Menge Spaß“, sagt er lapidar.

Und Erfolg hat er auch: In Bad Pyrmont war bei drückender Hitze niemand schneller als er. Und kein anderer hat diesmal die Drei-Stunden-Marke geknackt. 2:57 war die Siegerzeit des Hannoveraners, der zwar für 96 startet, sein Ding jetzt aber selbst durchzieht: beim Training im Georgengarten, am Lindener Stichkanal, vor allem aber am Benther Berg oder im Deister. Da sind dann irgendwann die fast 700 Höhenmeter, die beim Marathon in Bad Pyrmont zu bewältigen sind, eine willkommene Herausforderung.

Jankowski hat ziemlich lange Anlauf genommen. Im Oktober 2012 hatte er in Wettbergen seinen letzten Wettkampf absolviert, dann war die Luft bei ihm raus. Er steckte tief im Motivationsloch, wie er zugibt. Im Frühjahr, als es wieder losgehen sollte, dann noch ein dickes Knie: Wieder war alles für die Katz. Bis er eines Tages auf Bergläufe aufmerksam wurde, woran auch Oma Ursula aus Vienenburg im Harz schuld war. Einen Besuch nutzte Jankowski zu einem vierstündigen Abstecher in die bergige Gegend – und wusste: Das soll es künftig sein.

Der Einstand hat ihn darin bestätigt, alles richtig gemacht zu haben. In drei Wochen will er sich im Allgäu versuchen, es dürfen dann auch mal um die 2000 Höhenmeter sein. Ein „richtiger“ Bergmarathon eben, wie er sagt. Im Herbst könnte er sich einen Start in den österreichischen Alpen gut vorstellen. Für das Flachland hat er sich zumindest eine Hintertür offen gelassen. Für irgendwann später jedenfalls. „Da musst Du bei einem Marathon ja dauernd auf die Uhr schauen“, sagt er. „So aber kann ich das Laufen richtig genießen.“

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Über Norbert Fettback

Norbert Fettback, Jahrgang 1953, begleitet die "Roten" journalistisch seit 1991 und hat damit (fast) alles miterlebt an Höhen und Tiefen: den DFB-Pokalsieg ebenso wie den Abstieg in die damalige Regionalliga und in jüngerer Zeit die Europa League. Das Fußballspielen hat er selbst vor langer Zeit aus Verletzungsgründen beendet. Vor zehn Jahren stellte er fest, dass Laufen als Freizeitsport auch nach zwei Kreuzbandrissen durchaus Spaß machen kann.

Ein Gedanke zu „Ein Hannoveraner entdeckt die Berge

  1. Nobby

    Ein Nachtrag aus aktuellem Anlass: Der Christof kann es auch noch flach: Beim Zehn-Kilomter-Lauf des HSC Hannover ist er heute Zweiter in 33:38 Minuten geworden. Nur eine Sekunden hinter dem starken Karsten Meier aus Braunschweig. Woraus man ableiten könnte, dass Bergläufe durchaus gewisse Effekte bewirken.

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