Leichtgewicht für schwache Momente

Foto: Fettback

Foto: Fettback

Manchmal muss man stark sein, um wieder stark zu werden. Die Frau des Hauses hat nach dem ersten Augenschein nur kurz den Kopf geschüttelt und gesagt: „Was für eine Farbe“! Aber da muss man durch und darf mit den Füßen vor Scham nicht gleich im Boden versinken. Wichtig ist doch, dass das etwas bringt, mit dem unsereins seit Kurzem bei passender Gelegenheit durch die Welt stiefelt. BE 2, so lautet die Bezeichnung der neuen sportlichen Treter, die – anders als es zu vermuten wäre  – einem Zweck allerdings gar nicht gerecht werden: Sie taugen nicht zum Laufen oder Joggen.

Darauf weist Mizuno, der japanische Hersteller, ausdrücklich hin. Die Schuhe (das Männer-Modell ist gerade einmal 180 Gramm schwer) sollen stattdessen die Muskeln an Füßen und den Unterschenkeln aktivieren, wie es so schön heißt. Und zwar dann, wenn man nicht läuft. Man kennt den Trend: zurück zum natürlichen Bewegungsablauf, ein bisschen Barfußgefühl vermitteln. Eben weg davon, die Füße so gut einzupacken, dass sie sich wie einbetoniert anfühlen. Wenn es um Laufschuhe geht, dann beackert nahezu jeder Hersteller – von Asics über New Balance bis Zoot – dieses Marktsegment seit einiger Zeit mit besonderem Wohlwollen.

Mizuno gehört zu den Vorreitern, auch am Rande des Trends. 2012 hatten die Japaner die erste Version ihres „BE“ präsentiert. Dem Verfasser dieser Zeilen leistete dieses Modell durchaus gute Dienste, um  Beschwerden an der Achillessehne in der wochenlangen Trainingspause beizukommen. Der Nachfolger muss noch zeigen, was in der Hinsicht in ihm steckt – die Gelegenheit ist günstig: Derzeit macht die linke Wade Sperenzchen. Wieder mal nichts mit Laufen! Und eine neue Chance für die augenfälligen Leichtgewichte an den Füßen.

Versprochen hat der Hersteller in der Hinsicht ja einiges: bessere Passform, mehr Komfort, ein Plus bei der natürlichen Dämpfung. Wenn ich die flachen blauen Dinger anziehe, dann kommt in der Tat das Gefühl auf, die Zehen hätten direkten Kontakt zum Boden. Das ist durchaus angenehm und wohl noch mehr ausgeprägt als beim Vorgängermodell. Bei dem war es allerdings um die Passform auf dem Spann besser bestellt, da könnte in der zweiten Generation nachgebessert werden. Und bei den Schnürsenkeln ließen sich gewiss auch ein paar Zentimeter einsparen.

Im Übrigen: Den „BE2“ gibt es in der Männer-Version auch in Schwarz. Mit gelber Sohle. Auch ein Hingucker. Der Designer muss ein Fan von Borussia Dortmund sein.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Gesundheit abgelegt am von .

Über Norbert Fettback

Norbert Fettback hat als Sportredakteur der HAZ die Fußballer von Hannover 96 rund 25 Jahre lang durch dick und dünn begleitet. Erst mit 50 entdeckte er für sich selbst das Laufen - auch um mehr als 40 überflüssige Pfunde loszuwerden. Nach der Premiere in New York (2005) absolvierte er Marathons unter anderem in Berlin, Chicago, Wien und Boston. Aufgrund diverser Verletzungen hat er sich bei der Wahl der Streckenlänge inzwischen mit dem Motto angefreundet: je kürzer desto besser.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.