Fortuna läuft mit

Beim Hannover-Marathon ist es vergleichsweise einfach, einen Startplatz zu ergattern. Foto: von Ditfurth

Beim Hannover-Marathon ist es vergleichsweise einfach, einen Startplatz zu ergattern. Foto: von Ditfurth

Nun ist es ja nicht so, dass zum Marathonlaufen allein ein Paar Laufschuhe, eine Hose und ein Hemd vonnöten sind. Dazu gehört schon weitaus mehr. Training zum Beispiel. Oder erst einmal die Gewissheit, beim gewünschten Rennen, wo in der großen weiten Welt auch immer, einen Startplatz zu bekommen.

Was in Hannover in Kinderspiel bedeutet, weil speziell der Marathon auch im 24. Jahr nach der Premiere an der Leine noch viel Entwicklungspotenzial besitzt, ist anderswo mitunter ein Ding der Unmöglichkeit. Und man muss schnell sein; in manchen Fällen gar schneller als beim Marathon selbst. Siehe Berlin: Dort hieß es 2012 bereits dreieinhalb Stunden nach Öffnung des Anmeldefensters im Internet: Nichts geht mehr, Klappe wieder zu! 40 000 Plätze waren ruck, zuck weg, der Frust und der Ärger bei den Zuspätgekommenen entsprechend groß.

Deshalb haben sich die Berliner Organisatoren für 2014 etwas einfallen lassen: eine sogenannte Vor-Registrierungsphase. Zwei Wochen lang, und zwar noch bis zum 14. Oktober, kann jeder, der darauf aus ist, sein Interesse an einem Start in der Hauptstadt bekunden. Anschließend gibt es Post aus Berlin; danach wird die Lostrommel angeworfen, und die Glücklichen können sich Anfang November verbindlich anmelden. Wer ausschert und verzichtet, der macht einen Platz frei für Nachrücker, die wiederum ausgelost werden. Das Prozedere hat einiges für sich, weil es letztlich jedem eine Chance bietet – und nicht jene bevorteilt, die weit vorn in der Schlange stehen, um es mal so zu formulieren.

Mit dem Problem, weit mehr Anfragen als Startmöglichkeiten zu haben, stehen die Veranstalter in Berlin nicht allein. Ähnlich geht es ihren Kollegen in Boston, Chicago, London und New York – jenen Marathonläufen, die wie Berlin ebenfalls zu den „Großen“ in der Welt gehören. Hier einen Platz zu ergattern ist wie ein Lottogewinn. Selbst Reisebüros, die sich ihre Dienste in der Regel teuer bezahlen lassen, können nicht unbedingt helfen. In einem Fall geht es aber auch nicht ohne sie: Wer in Deutschland wohnt, dem bietet sich keine andere reelle Möglichkeit, um im April durch London zu laufen. Gerade mal 300 Startplätze sind für „Germany“ reserviert, ein Tropfen auf den heißen Stein, was in den wenigen Reiseagenturen, die über ein Kontingent an Startnummern verfügen, lange Wartelisten zur Folge hat. Wer sich auf die Lotterie „Ballot Entry“ der Londoner verlässt, um bei der Suche nach einem Startplatz fündig zu werden, der hat von vornherein verloren.

Da ist es um einiges gerechter, zumindest aus Sicht ambitionierter Läufer, was sich die Boston Athletic Association hat einfallen lassen. Sie hatte 2010 einen ähnlichen Ansturm erlebt wie 2012 die Veranstalter des Berlin-Marathons – jetzt werden die Startplätze hier nicht mehr nach dem Motto „Wer zuerst kommt mahlt zuerst“ vergeben, sondern nach Qualifikationszeiten. Da aber auch in Boston die Nachfrage deutlich größer ist als das Angebot, verheißt der Nachweis einer Norm noch keinen sicheren Startplatz. Gegebenenfalls wird aussortiert: Die Langsamsten fliegen raus, wenn das Kontingent ausgeschöpft ist. Inzwischen heißt es auch hier: Nichts geht mehr für den 21. April 2014. Es sei denn, ein Reisebüro kann noch helfen.

In Chicago starten am 13. Oktober wieder 45.000 Läufer. Foto: dpa

In Chicago starten am 13. Oktober wieder 45.000 Läufer. Foto: dpa

Und Chicago, wo am 13. Oktober der Startschuss fällt? Das Feld mit 45 000 Startern war auch beizeiten voll; und bei Tausenden war der Ärger groß, weil es bei der Anmeldung per Internet schwerwiegende technische Pannen gab. So kamen 15 000 Plätze in eine Verlosung. Wieder ein Fall für Fortuna …

Auch New York – Traum der meisten Langstreckenläufer -, wo der Startschuss diesmal am 3. November fällt, kann man in der Hinsicht nicht unbedingt mit Lob überschütten. Aber wenn Jahr für Jahr mehr als 90 000 Sportler bereitstehen, um einen der nicht mal 40 000 Plätze für den Start auf Staten Island zu ergattern, ist das auch kein Wunder. Immerhin gibt es auch hier die Chance, dies mithilfe von Qualifikationszeiten zu schaffen. Was dabei verlangt wird, ist aber nicht ohne: Ein 49-Jähriger etwa muss den Marathon in 2:58 Stunden geschafft haben – oder aber den Halbmarathon in 1:25. Daran scheitert die breite Masse – und Reiseagenturen dürfen sich auch mit Blick auf 2014 wieder mal die Hände reiben.

Heiß begehrt: der New-York-Marathon. Foto: dpa

Heiß begehrt: der New-York-Marathon. Foto: dpa

Ach so: Nach dem 3. November beginnt die Anmeldung für New York 2014. Good luck!

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