Hartmut Pelikan: Letzter – na und?!

Harmut Pelikan: „Wer länger braucht, um ins Ziel zu kommen, der ist auch länger an der frischen Luft.“ Foto: Stephan Fabig

Hartmut Pelikan: „Wer länger braucht, um ins Ziel zu kommen, der ist auch länger an der frischen Luft.“ Foto: Stephan Fabig

Es liegt wohl auch am früheren Beruf, dass Hartmut Pelikan gewissenhaft Buch führt über sein liebstes Hobby. So viel Zeit muss sein, und die Zeit hat er ja auch. Die Antwort auf die Frage, bei wie vielen Läufen er im Jahr 2013 angetreten ist, bleibt er so nicht lange schuldig. „53“, sagt der ehemalige Verwaltungsangestellte. „22 davon in der Laufpass-Serie.“ Respekt kann man da nur sagen, und das gilt nicht nur mit Blick auf die zahlreichen Starts, die der Garbsener in den zurückliegenden Monaten absolviert hat. Pelikan ist bereits 77 Jahre alt, dennoch mischt er sich Woche für Woche unters Läufervolk. Und das trotz eines künstlichen Kniegelenks.

Dass oft schon die Siegerehrung vorbei ist, wenn er ins Ziel kommt, so wie vor Kurzem beim Bothfelder Waldlauf, spielt für ihn keine Rolle. „Zu den Letzten zu gehören, damit werde ich gut fertig“, sagt der rüstige Pensionär. „Ich will mitmachen, durchkommen und meinen Spaß haben.“ Wird sein Name dann doch mal aufgerufen, wenn der Erste geehrt wird wie unlängst beim Lönsparklauf in Hannover, dann hat das nicht selten den einen Grund: Hartmut Pelikan ist mitunter der Einzige, dessen Name in der Altersklasse der über 75-Jährigen in der Wertung auftaucht. Immerhin: Für seine 37:25 Minuten, die er für seine fünf Kilometer lange Runde im Tiergarten brauchte, musste er sich nicht schämen. Das sehen auch andere Läufer so. Beim Wettkampf selbst ist er am Ende des Feldes für Gespräche aber nicht zu haben: „Das macht mir das Atmen unnötig schwer“, lautet seine Erklärung.

Andere schielen auf Urkunden oder gar Pokale, für den Garbsener zählt das nicht. „Wer länger braucht, um ins Ziel zu kommen, der ist auch länger an der frischen Luft“, sagt Pelikan über den Grund, warum er immer wieder zu den Laufschuhen greift. Jeden Schritt genießen, gesund bleiben, das ist sein Motto, um regelmäßig auf Tour zu gehen. Dienstags und donnerstags dreht er in Marienwerder seine Runden. Ehefrau Renate ist immer dabei – sie walkt. Bei Volksläufen ist sie häufig am Streckenrand auszumachen – als Zuschauerin, die ihrem Mann mentale Unterstützung gibt. Oder ihm die Trinkflasche reicht.

Einmal muss sie dieses Jahr noch mal los: am 8. Dezember, beim 36. Mühlenberger Nikolauslauf. Hartmut Pelikan hat für die fünf Kilometer gemeldet, er kennt sich auch hier bestens aus. Früher war er mal als Schiedsrichter für den Mühlenberger SV, der den Lauf ausrichtet, unterwegs. „Aus alter Verbundenheit“, so sagt er, starte er immer noch unter diesem Vereinsnamen. So kennt man den fitten Rentner auch von diesem und jenem Triathlonwettkampf.

Die Lust am Laufen packte Hartmut Pelikan 1968 – und hat ihn nicht mehr losgelassen. Wenn er in Sportsachen das Haus verlässt, schaut ihm so mancher in Garbsen anerkennend hinterher. Um gut über den Winter zu kommen, ist Pelikan alle 14 Tage Gast bei der Bredenbecker Laufserie. 2014 will er sich ja nicht auf die faule Haut legen. „Ich mache weiter“, sagt er. „Auch als Letzter.“

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Über Norbert Fettback

Norbert Fettback hat als Sportredakteur der HAZ die Fußballer von Hannover 96 rund 25 Jahre lang durch dick und dünn begleitet. Erst mit 50 entdeckte er für sich selbst das Laufen - auch um mehr als 40 überflüssige Pfunde loszuwerden. Nach der Premiere in New York (2005) absolvierte er Marathons unter anderem in Berlin, Chicago, Wien und Boston. Aufgrund diverser Verletzungen hat er sich bei der Wahl der Streckenlänge inzwischen mit dem Motto angefreundet: je kürzer desto besser.

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