Neue Laufbücher für den Gabentisch

Es ist die Zeit gekommen, die Läufern gar nicht behagt. Die Tage sind so kurz, dass es kaum noch reicht für eine Runde im Hellen vor oder nach der Arbeit. Dazu das Wetter, das einem die Vorzüge der Couch mit Nachdruck ans Herz legt. Schließlich die fast totale Wettkampfflaute: Wären nicht Silvester oder Neujahr, dann liefe rein gar nichts für diejenigen, die sich auf der Piste gern mit anderen messen. Doch es gibt es einen Lichtblick: Endlich hat man Muße, zu einem Buch über das liebste Hobby zu greifen. Dass Weihnachten vor der Tür steht, passt in der Hinsicht bestens. Noch sind die meisten Wunschzettel nicht geschrieben. Und es gibt ein paar interessante Neuerscheinungen, die beim Beschenkten durchaus für Freude sorgen könnten.

Darunter ist ein „Doppelschlag“ des Bruckmann Verlages – mit einer Autorin, die weiß, worüber sie schreibt. Sonja von Opel (37) ist selbst Langstreckenläuferin, und seit ihrem ersten Marathon vor zehn Jahren hat sie sich um mehr als eine Stunde auf 2:52 Stunden verbessert. Das wird für die meisten, die jetzt zu einem ihrer druckfrischen Bücher greifen, ein Traum bleiben. Am Weg dorthin, in „Das neue Marathon-Training“ beschrieben, kann man sich dennoch orientieren und etwas abgucken. Auch wenn von Opel keine bahnbrechenden Geheimnisse verrät, was bei der Fülle des Gedruckten, das Läufer und andere Experten auf dem Büchermarkt vor ihr hinterlassen haben, nicht überrascht.

38482075zDie Lektüre, das gilt auch für „Das neue Lauf-Training“ aus derselben Feder, lohnt trotzdem. Beide Bücher, mit jeweils zehn Kapiteln thematisch gut konzipiert, kommen frisch und informativ daher. Von Opel nimmt für sich nicht in Anspruch, allwissend zu sein; sie lässt auch deutsche Spitzenläufer, Ärzte und Sportmediziner mit ihren speziellen Erfahrungen zu Wort kommen. Auch das Drumherum, um seine sportlichen Ziele verwirklichen zu können, wie Ernährung oder Regeneration, wird gebührend auf den Punkt gebracht. Dass mit Michael Reusse ein laufbegeisterter Fotograf für den Großteil der sehr guten Bebilderung gesorgt hat, ist ein weiterer Pluspunkt der beiden Bücher.

9783453602885Wer zwischen Trainingsplänen für das mit Aufregung erwartete Debüt auf der Wettkampfstrecke oder die avisierte neue Bestzeit sowie gut beschriebenen Kraft- und Stretchingübungen mal das Laufmetier wechseln möchte, der ist bei Achim Achilles an der richtigen Adresse. „Keine Gnade für die Wade“ heißt der Titel der neuesten Schmunzetten-Sammlung des nimmermüden Hobbysportlers, der immer wieder gnadenlos an seinen eigenen Vorsätzen scheitert und das so wunderbar zu schildern versteht. Wer „Achilles‘ Verse“ und „Achilles‘ Laufberater“ gelesen hat, für den ist die Fortsetzung Pflichtlektüre und ein garantiert kurzweiliges Vergnügen auf der liebgewonnenen Couch.

71dWaVOlvuL._SL1388_In der Zeit aber bitte Finger weg von den Sachen, die auch Läufer in Versuchung führen, ihrer körperlichen Befindlichkeit aber abträglich sind. Es geht auch anders, und folgt man Biju Thomas und Allen Lim, dann lassen sich überflüssige Pfunde nicht nur vermeiden, sondern Bestzeiten sogar kochen. „Essen für Sieger“ heißt ihr Buch mit einer Fülle von Rezepten und ernährungswissenschaftlichen Einblicken in die Welt der Küche, die für Sportler fast so wichtig sind wie ein Paar gute Laufschuhe. Wie wäre es denn zu Weihnachten mit Orangenhähnchen mit Rotkohl? Eine Portion hat 707 Kilokalorien, da darf man anschließend auch noch einen selbst zubereiteten Reispudding (208 kcal) auftischen. Und zwar ohne schlechtes Gewissen und ohne Extrarunde durch den Wald.

  • Sonja von Opel, Michael Reusse: „Das neue Lauf-Training“, Handbuch für gesundes und effektives Laufen; „Das neue Marathon-Training“, Der optimale Begleiter von der Trainingsvorbereitung bis zum Wettkampf. Bruckmann Verlag München, jeweils 192 Seiten, 19,99 Euro.
  • Achim Achilles: „Keine Gnade für die Wade“, Neues vom Wunderläufer. Heyne Verlag München, 208 Seiten, 8,99 Euro.
  • Biju Thomas, Allen Lim: „Essen für Sieger!“, Das Bestzeiten-Kochbuch. Spomedis Hamburg, 320 Seiten, 24,95 Euro.

 

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Über Norbert Fettback

Norbert Fettback hat als Sportredakteur der HAZ die Fußballer von Hannover 96 rund 25 Jahre lang durch dick und dünn begleitet. Erst mit 50 entdeckte er für sich selbst das Laufen – auch um mehr als 40 überflüssige Pfunde loszuwerden. Nach der Premiere in New York (2005) absolvierte er Marathons unter anderem in Berlin, Chicago, Wien und Boston. Aufgrund diverser Verletzungen hat er sich bei der Wahl der Streckenlänge inzwischen mit dem Motto angefreundet: je kürzer desto besser.

2 Gedanken zu „Neue Laufbücher für den Gabentisch

  1. Julian

    Gute Auswahl, allerdings sind in den letzten 2 Jahren noch ein paar gute Ausgaben hinzugekommen. Wollt ihr den Artikel noch einmal aktualisieren?

    Antworten

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