Läufer haben’s schwer – auch auf Malle

Nun ist es ja nicht so, dass es in der Regel nur Fußballspieler sind, die sich ins Trainingslager zurückziehen, wenn irgendetwas auf die Reihe gebracht werden soll. Man kennt das von Hannover 96 ja zur Genüge: Jedes Jahr geht es im Sommer und im Winter dorthin, wo es schön warm ist und andere gerade Urlaub machen. Und wenn die sportlichen Erwartungen dann nicht aufgehen und es ordentlich Haue in Braunschweig gibt, dann wird eben noch ein Trainingslager dazugebucht wie jetzt in Ostwestfalen. Erfolgsaussichten? Mal sehen. Kost und Logis: vom Feinsten trotz Punkte-Diät und garantiert ohne Selbstbeteiligung.

Läufer haben es nicht so gut, sie müssen in der Regel für ein Trainingslager zum Beispiel selbst ins Portemonnaie greifen. In einer Hinsicht werden sie aber auch von Fußballmillionären beneidet: Absteigen können Läufer nicht. Niemals! Und wenn sie den anderen noch so weit hinterherrennen. Ein einwöchiger Aufenthalt in der Frühlingssonne des Südens schlägt im Regelfall auch auf die Leistung durch; bei Fußballern weiß man das ja nicht so genau. April und Mai sind die ersten Hoch-Zeiten für diejenigen, die sich – im Unterschied zu manch balltretendem Profi aus der 1. Liga – gern und ganz freiwillig die Lunge aus dem Hals rennen und sich irgendwo in der großen weiten Welt für einen Marathon angemeldet haben.

Die Laufgruppe macht Kraft- und Stabilisationsübungen.

Die Laufgruppe macht Kraft- und Stabilisationsübungen.

Ein Felix Magath, bekanntermaßen ein Verfechter der bewegungsintensiven und schweißtreibenden Körperertüchtigung, hätte seine Freude an den 50 Läufern, die seit Anfang April die Straßen rund um Colonia de Sant Jordi auf Mallorca unsicher machen. Kein Tag ohne Training, und weil einigen auch das straffe Programm von Vorturner Markus zu wenig ist, wird eben noch eine weitere Einheit rangehängt. Beliebt dafür ist die sogenannte Promenadenrunde direkt am Meer. Hier werden Siege über den inneren Schweinehund gefeiert. Linker Hand reiht sich Cafe an Cafe – welch ein Triumph, die Stätten der lukullischen Versuchungen beim Vorbeilaufen achtlos links liegen zu lassen.

Heute Vormittag war von Cafes nichts zu sehen. Es ging ja auch ins Hinterland, 20 Kilometer und immer schön die Hügel hoch und runter. Und das bei gefühlten 25 Grad im Schatten und einer irren Luftfeuchtigkeit. Puh! Aber wie heißt es doch so schön: Von nichts kommt nichts.

Da kann auch ich nur das Beste hoffen für den zweiten Versuch, den Start beim Boston-Marathon. Ostermontag ist’s so weit. Die Form könnte zugegebenermaßen besser sein, auch wenn es heute mit der Generalprobe auf Mallorca klappte und Mitläuferin Moni vorab schon mal ein Lob verteilte. Beschwerden an Knie und Wade und eine Erkältung, fiese Feinde des ambitionierten Läufers, haben in den vergangenen Wochen und Monaten einiges durcheinandergebracht im Trainingsprogramm. Und der kleine Mann im Ohr hat auch schon wieder gefeixt: Na, wird wohl auch 2014 nicht klappen mit Boston?

Ich hoffe, ich kann es dem Kerl diesmal zeigen.

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Über Norbert Fettback

Norbert Fettback hat als Sportredakteur der HAZ die Fußballer von Hannover 96 rund 25 Jahre lang durch dick und dünn begleitet. Erst mit 50 entdeckte er für sich selbst das Laufen - auch um mehr als 40 überflüssige Pfunde loszuwerden. Nach der Premiere in New York (2005) absolvierte er Marathons unter anderem in Berlin, Chicago, Wien und Boston. Aufgrund diverser Verletzungen hat er sich bei der Wahl der Streckenlänge inzwischen mit dem Motto angefreundet: je kürzer desto besser.

5 Gedanken zu „Läufer haben’s schwer – auch auf Malle

  1. Ingo

    Das wird auf jeden Fall klappen, mit dem Boston Marathon! Ich drücke die Daumen! Und selbst wenn nicht, die Quälerei der vergangene Woche hat doch wieder viel Spaß gemacht!

    Ich wünsche viel Erfolg in Boston!

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  2. Oppermann

    Laß mal stecken Norbert, das packst Du dieses mal mit Sicherheit. Verdient hast Du es Dir allemal. Und ich wünsche Dir einen richtigen satten Erfolg, möglichst mit neuer Bestzeit, denn dann hast Du es dem kleinen Mann mal so richtig gezeigt 🙂
    Vielleicht sehen wir uns bei einem Volkslauf wieder und rennen um des Läufers Ehren 🙂 Bis dann! Detlef

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  3. Holgii

    Lieber Nobby,

    sagen wir mal so: Ohne irgendwelche Malessen bist du meines Wissens doch noch NIE zu irgendeinem Wettkampf gefahren und mit so genannter eigendiagnostisch formulierter Formschwäche angetreten. Ohne wie oft hast du dann die Bestzeiten rausgeknallt! Das ist doch in Wahrheit die Wettkampfvorbereitung, die du brauchst! 🙂

    Auch good old America wird dir diesmal wohlgesonnen sein, und der zweite Versuch in Boston dabei zu sein, nicht auch ein zweites Chicago sein.

    Ich denke an dich, wer weiß, bei welchem fetten Mittagsmahl oder feistem Kuchenstück ich dann gerade sitze … 🙂

    Good luck, Holgii

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  4. Nobby

    Hallo Ingo, Detlef und Holgii,
    danke für eure guten Wünsche! Sie scheinen zu helfen, jedenfalls in Bezug auf die Erkältung: Es wird von Tag zun Tag besser! So werde ich mich bald ans Sachenpacken machen, mich in den Flieger setzen und dann am Montag um 17 Uhr hiesiger Zeit hoffentlich an der Startlinie in Hopkinton stehen. Der Rest wird (und muss) sich finden!
    Bis bald, Nobby

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  5. Christian

    Hallo „Nobby“!!!
    Ich drücke dir die Daumen für Boston! Schnür die Schuhe und hab Spaß!!! Toi, toi, toi…
    Chris

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