Im Test: Was bringt der StressChecker den Läufern?

"Bei der Bedienung läuft quasi alles von selbst, dazu braucht man kein Handbuch": Carsten beim Test. Foto: Engelbracht

„Bei der Bedienung läuft quasi alles von selbst, dazu braucht man kein Handbuch“: Carsten beim Test. Foto: Engelbracht

Nun ist es ja längst nicht mehr so, dass zum Laufen nur ein Paar spezieller Schuhe gehört, um in Shirt und kurzer Hose zur Runde um den See oder durch den Wald zu starten. Wer heutzutage mit einer schlichten Pulsuhr unterwegs ist, der fängt sich schon so manchen mitleidigen Blick der mit GPS ausgerüsteten Fitnessfraktion ein. Und der Kopfhörer im Ohr, damit unterwegs Musik gehört oder telefoniert werden kann, gehört auch längst zum Standard. Der Fundus an technischem Equipment ist unerschöpflich; mitunter stellt sich schon die Frage nach Sinn und Zweck einer solchen Anschaffung, die dann meist auch so ins Geld geht, dass man dafür zehn Paar Laufsocken bekommen könnte. Oder gar ein komplettes Outfit von Kopf bis Fuß.

Jetzt also sitze ich auf dem Sofa – und der kleine Mann sitzt im Ohr. Besser gesagt die Klammer am Ohrläppchen, die Teil des StressCheckers ist, den die holländische Firma Respilex (www. respilex.com) vertreibt; im Internet ist er von 70 Euro an zu haben. Grundsätzlich steckt dahinter ein gute Idee, von der auch Läufer profitieren können. Mithilfe des Clips, der per USB-Kabel mit dem PC oder Laptop verbunden wird, werden Herzschlag und die sogenannte Herzratenvariabilität oder Herzrhythmusvariation (HRV) gemessen. Und daraus wiederum lässt sich nicht nur – in diesem Fall anschaulich – nach drei Minuten ableiten, wie gestresst man ist. Sondern auch, wie es um die Belastbarkeit im Sport bestellt ist und wie man folglich sein Training gestalten sollte. Ein Tag Pause mehr nach dem Halbmarathon? Oder das Pensum durchziehen wie geplant?

Wer bei der Auswertung am Rechner den blauen Ball im grünen Bereich sieht, der darf zufrieden sein. Alles gut, meint der StressChecker. Wer an den Maximalwert 15 beim sogenannten Relax-Index herankommt, der darf sich als Spitzensportler fühlen. Und die 10 bescheinigt einem immer noch eine gute Kondition. Gefühlt ist das nicht immer so. Nach wochenlanger Erkältung mit deutlicher Reduzierung des Laufumfangs hätte ich eigentlich erwartet, in untere (grüne) Gefilde oder aber gar in den gelb-orangen Bereich der PC-Grafik abzudriften. Dieser steht unter anderem für unzureichende körperliche Bewegung. Die roten Felder, die Gefahr im Verzug signalisieren, sind zum Glück weit außen vor; der Hausarzt bekommt meinetwegen nicht unverhofft zu tun.

Und was sagen andere Freizeitsportler über den StressChecker? Im Trainingslager auf Mallorca im April und in den Wochen danach haben gleich mehrere Läufer aus meiner Gruppe, etliche darunter aus der Kategorie „ambitioniert“, das Gerät getestet. Hier ihr Urteil:

Sabine und Thomas: Handhabung und Verständlichkeit sind einfach und selbsterklärend. Es ist allerdings nervig, dass für eine Messung immer erst der PC hochgefahren werden muss. Besser wäre es, wenn der StressChecker am Körper getragen werden könnte, die Messungen gespeichert und dann gebündelt am PC dargestellt werden könnten. Die Messergebnisse sind zwar interessant anzusehen,  aber wir sind offenbar in einem super Entspannungslevel und erreichen bis auf minimale Schwankungen nur „Spitzensportler“-Ergebnisse. Die Messung am Ohr klappte bei Sabine gar nicht, es nur nur über den Finger. Bei Thomas war es umgekehrt. Den StressChecker auszuprobieren war ganz nett. Jenen, die einen „Schubs“ benötigen, um mehr an sich und ihre Gesundheit zu denken, mag er auf die Sprünge helfen. Wir gehören zum Glück nicht dazu.

Ralf: Die Software lässt sich intuitiv bedienen, die Verwendung des Ohrclips ist unproblematisch. Der ermittelte Grenzbereich „Stress – Müdigkeit – Krankheit“ nach dem ersten Trainingstag passte zum Befinden. Spätere Schwankungen bis hin zu „Gute Kondition“ konnte ich nicht immer nachvollziehen. Vermutlich lässt sich der Fitnesszustand in Zahlen („Relax-Index“) abbilden, aber eine gesunde Körperwahrnehmung „sticht“ den Checker.

Christoph: Das Installieren der Software klappte reibungslos, die Bedienung ist einfach. Ich bin eher nicht der Meinung, dass die Schwankungen meiner Fitness von der Messung der HRV richtig wiedergegeben wird. Den Relax-Index habe ich ich auch bei einer Bekannten bestimmt, die nicht trainiert, und einen sehr geringen Wert gemessen. Daher glaube ich, dass solche großen Unterschiede richtig analysiert werden. Zur Bestimmung des allgemeinen Fitness-Zustandes ist der StressChecker geeignet, nicht aber zur Verbesserung meines Training.

Iris und Volker: Ohne installierte Software ist die Nutzung des StressCheckers nicht möglich – auf dem Gerät können keine Daten gespeichert und später auf den PC übertragen werden. Die Handhabung ist einfach, die Funktion nicht immer zuverlässig: Zeitweise wurde der Puls nicht richtig erkannt. Die Bedienungsanleitung sollte vorab gründlich gelesen werden; ist man kein Freund davon, benötigt man etwas Zeit und Experimentierfreude. Bei den Messungen gab es an der Glaubwürdigkeit der ermittelten Werte keine Zweifel, wenn man die entsprechenden Hinweise beherzigt. Für technisch Interessierte ist der StressChecker ein schönes Spielzeug.

Carsten: Selbst bei meinem Uralt-Laptop gab es bei der Installation keine Probleme. Bei der Bedienung läuft quasi alles von selbst, dazu braucht man kein Handbuch. Auch wenn die Sprünge in der Auswertung der Messergebnisse enorm sind: Die Werte sind nachvollziehbar. Zur allgemeinen Beobachtung finde ich den StressChecker nützlich, ich werde ihn mindestens einmal die Woche nutzen. Er erkennt Veränderungen in der Lebensweise. Da mehrere Personen in der Software organisiert werden können, ist die Anschaffung keine egoistische Angelegenheit. Zur Trainingssteuerung wird es wohl nicht reichen, denn das Gerät kann nicht unterscheiden, ob ich übertrainiert, berufsbedingt gestresst oder kränklich bin.

Maike und Tanja: Die Installation der Software, die intuitiv bedienbar und schnell verständlich ist, war problemlos. Einzige Wermutstropfen: Das klappt nicht auf Apple-Betriebssystemen, und es klappte nicht immer mit der Pulsbestimmung am Ohrläppchen. Das Handbuch ist gut aufbereitet, wir haben es aber gar nicht benötigt. Die Messergebnisse sind stimmig und passen zum persönlichen Empfinden. Es ist gut vorstellbar, den StressChecker über einen längeren Zeitraum weiter zu testen – vor allem in Phasen, die aufgrund von Schichtarbeit zuzüglich Training angespannt sind. Interessant ist die Möglichkeit des „freien Experimentierens“: Man erkennt, wie sich eine ruhige Atmung positiv auswirkt. Letztlich liefert die Software aber zu wenig neue Erkenntnisse, die nicht auch mit gesundem Menschenverstand und gutem Körpergefühl zu erreichen sind. Der Informationsgehalt zur HRV ist zu gering, die Vorschläge für Verbesserungen des Leistungsvermögens sind zu allgemein gehalten.

Ingo: Einfaches Installieren, einfache Bedienung! Wobei: Die Installation per CD-ROM ist nicht mehr zeitgemäß; warum legt der Hersteller nicht einen USB-Stick bei oder bietet eine Download-Möglichkeit an? Die Grafik erschließt sich aber erst mit der Zeit. Das Handbuch ist gut gemacht, allerdings verstehe ich nicht, warum die Tipps für die Messungen erst der Punkt 7 sind. Ich würde dem Anwender erst erst alles zum Messen erläutern und dann etwas zur Interpretation aussagen. Die Ergebnisse entsprachen meiner persönlichen Einschätzung. Leider habe ich den Stress-Bereich nie verlassen, was leider wohl zutreffend war.

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Über Norbert Fettback

Norbert Fettback hat als Sportredakteur der HAZ die Fußballer von Hannover 96 rund 25 Jahre lang durch dick und dünn begleitet. Erst mit 50 entdeckte er für sich selbst das Laufen - auch um mehr als 40 überflüssige Pfunde loszuwerden. Nach der Premiere in New York (2005) absolvierte er Marathons unter anderem in Berlin, Chicago, Wien und Boston. Aufgrund diverser Verletzungen hat er sich bei der Wahl der Streckenlänge inzwischen mit dem Motto angefreundet: je kürzer desto besser.

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