Neue Laufbücher: Von Marquardt bis Jurek

Schau an: Matthias Marquardt hat wieder einen rausgehauen! Vom umtriebigen Sportmediziner aus Hannover (Spezialstrecke: Laufen) ist ein weiteres Buch in den Handel gekommen; allmählich verliert man den Überblick, das wievielte es seit dem Erscheinen des Klassikers „Die Laufbibel“ inzwischen ist. Diesmal handelt es sich um ein durchaus mutiges Unterfangen, worauf schon der Titel „Das große Laufschuhbuch – Alle Klassiker und wichtigsten Neuheiten im Test“ schließen lässt.

Cover_Das_grosse_LaufschuhbuchDa alle großen Hersteller vorzugsweise im Frühjahr und Herbst jeweils neue Modelle auf den Markt bringen, läuft eine solche Publikation in Buchform Gefahr, relativ schnell Staub anzusetzen und binnen weniger Monate nicht mehr ganz aktuell zu sein. Andererseits: Was hindert einen Verlag an einer aktualisierten Neuauflage? Sei`s drum: Marquardt hat in Zusammenarbeit mit Carola Felchner (Spezialstrecke: Triathlon) nicht nur Wert darauf gelegt, Vorzüge und Schwächen von 44 verschiedenen Laufschuhen aufzuzeigen, wie vielleicht zu vermuten wäre. Das erledigen ja auch diverse Fachzeitschriften. Rund die Hälfte des Buches ist hintergründigen Fragen gewidmet, die Läufer beim Gang in den Laden häufig ausblenden und die beim Verkaufspersonal mitunter auch zu kurz kommen. Die aber wichtig sind, um überhaupt die richtige Wahl treffen zu können.
Zu empfehlen ist in diesem Zusammenhang speziell in Kapitel 3 das Thema „Der Weg zum Schuh“. Marquardt präsentiert hier sogar einen „Sprengungsrechner“ (unter Sprengung ist die Höhendifferenz zwischen Ferse und Vorfuß zu verstehen). Dass der „Laufdoktor“ über den eigenen Schatten springen kann, wird im Buch auch deutlich: Einlagen, einst von ihm mehr oder minder verpönt, können Läufern durchaus gute Dienste erweisen, wie jetzt aus seiner Feder nachzulesen ist.

Matthias Marquardt/Carola Felchner, „Das große Laufschuhbuch – Alle Klassiker und wichtigsten Neuheiten im Test“, spomedis GmbH Hamburg, 196 Seiten, 19,95 Euro

8266_01_bro.inddDie richtigen Laufschuhe sind es nicht allein, die einem Läufer schnelle Beine machen und ihn gut ans Ziel kommen lassen. Auch der Körper muss mitspielen; Schwachstellen werden oft böse bestraft, je länger die Strecke ist. Ohne Fleiß ist auch in diesem Fall kein Preis zu gewinnen. Und hier setzt Uschi Moriabadi mit ihrem Buch „fit at home – Die besten Übungen für Zuhause“ an. Darin sind unterschiedlichste Übungen beschrieben – vom Mobilisieren übers Dehnen bis hin zur Kräftigung von Schulter, Rücken, Oberkörper, Bauch, Gesäß und Beinen. Weil damit in erster Linie Sportanfänger angesprochen werden sollen, ist es durchaus eine gute Idee, dass die Beschreibungen mit Erklär-Bildern ergänzt worden sind. Das hilft bei der richtigen Ausführung – alles andere könnte kontraproduktiv sein. Und wer Fortschritte feststellt und sein Pensum intensivieren möchte, für den hält „Uschi“ auf jeder Seite auch noch einen „Coaching-Tipp“ parat.

 Uschi Moriabadi, „fit at home – Die besten Übungen für Zuhause“, Bruckmann Verlag München, 142 Seiten, 14,99 Euro

cwJa, dann kann es ja losgehen! Es muss ja nicht gleich der erste Wettkampf sein, der an große Ziel führt. New York, Amsterdam, Tokio, Sydney, Rennsteig: Urs Weber stellt im Bildband „Traumziel Marathon“ 42 Laufstrecken vor, die er für die schönsten auf der Welt hält. In dieser Geballtheit wird das für die meisten wirklich ein Traum bleiben. Doch die Lektüre macht Lust auf Entdeckungen, und wer schon mal in Big Apple, Wien, Chicago, Hamburg oder Boston gelaufen ist, für den werden schlagartig einzigartige Erinnerungen wieder wach. Ach, was ist das in New York doch für ein Erlebnis gewesen, die für an diesem Tag die Öffentlichkeit gesperrte öde Queensboro-Bridge hinter sich gelassen zu haben und dann in Manhattan einzubiegen auf die First Avenue, wo am Streckenrand kein Platz frei ist und sich die Wogen der Begeisterung überschlagen. Und wo genau ist denn nun der Heartbreak Hill, der gefürchtetste Punkt beim Boston-Marathon? Nach 32 Kilometern merken nur noch die Beine, das man ihn irgendwie erreicht haben muss. Der Kopf ist da schon ganz woanders …

Urs Weber, „Traumziel Marathon Die 42 schönsten Strecken der Welt“, Bruckmann Verlag München, 164 Seiten, 250 Abbildungen, 29,99 Euro

cqIn einer anderen (Lauf)-Welt ist Scott Jurek zu Hause. Der Amerikaner macht es nicht unter 100 Kilometern. Bei einem 24-Stunden-Rennen hat er schon mal eine Strecke bewältigt, die sechseinhalb Marathons entspricht. Doch der 40-Jährige ist nicht nur Ultramarathonläufer der Extraklasse, sondern auch ein Sportler, der sich vegan ernährt und bewusst das saftige Rindersteak verschmäht, das für andere Läufer unverzichtbar ist, wenn es um Spitzenleistungen geht. Der Buchtitel „Eat & Run“ verrät, dass dieses Thema im Buch eine wichtige Rolle spielt; sogar Lieblingsrezepte von Scott hat Steve Friedman als Ghostwriter eingestreut. Lust auf Achtkorn-Pancakes mit Erdbeeren? Schmeckt wahrscheinlich lecker, ist aber keine Garantie, um Marathondistanzen am Stück herunterzuspulen. Bleibt die Frage: Wie schafft es einer wie Scott, solche normalerweise unmenschlichen Torturen durchzustehen? Und das mit solchen Ergebnissen? Das Buch gibt so manche Antwort. Diese und jene Frage, die sich einem stellt, bleibt aber offen.

Scott Jurek, „Eat & Run Mein ungewöhnlicher Weg als veganer Ultramarathon-Läufer an die Weltspitze“, südwest-verlag, 334 Seiten, 19,99 Euro

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Über Norbert Fettback

Norbert Fettback hat als Sportredakteur der HAZ die Fußballer von Hannover 96 rund 25 Jahre lang durch dick und dünn begleitet. Erst mit 50 entdeckte er für sich selbst das Laufen - auch um mehr als 40 überflüssige Pfunde loszuwerden. Nach der Premiere in New York (2005) absolvierte er Marathons unter anderem in Berlin, Chicago, Wien und Boston. Aufgrund diverser Verletzungen hat er sich bei der Wahl der Streckenlänge inzwischen mit dem Motto angefreundet: je kürzer desto besser.

2 Gedanken zu „Neue Laufbücher: Von Marquardt bis Jurek

  1. Pingback: Lesens- und Sehenswertes für Läufer › Laufen in Hannover » Laufblog der HAZ

  2. HauckAutoren

    Die Sparte der Laufbücher boomt wirklich gerade.
    Wirklich gute und für einen selbst passende sind aber gar nicht so leicht zu finden. Laufen ist nicht gleich laufen. Der eine will schneller, der andere länger laufen können. Manche die innere Ruhe finden, bei wieder anderen ist es besonders wichtig auf gute Vor- und Nach-arbeit zu achten um die Gesundheit gesamt zu erhalten.
    Gut zu lesen muss so ein Buch aber auch sein, denn auch hier ist es schon wichtig die Leser und Läufer zu motivieren. Ein Lauf-Buch lebt also nicht nur vom Läufer – seinen Erfahrungen und seinen Tipps – sondern auch davon, dass ein Ghostwriter diese motivierend und ansprechend rüberbringt.

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