Der Ballermann muss warten

Foto: Fettback

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An Tagen wie diesen, da es unaufhörlich schüttet und die Thermometerskala  merklich in den Keller rauscht, da wünscht man sich in Hannover diesen Sonntag zurück: einen blauen Himmel ohne ein einziges Wölkchen, dazu Werte um die 30 Grad Celsius. Mittelmeer-Strandwetter in Reinkultur – so wie am 19. Oktober.

Mit der kleinen, aber feinen Einschränkung, dass an die 11.000 davon nicht viel wissen wollten: Statt Badehose oder Bikini anzuziehen, setzten sie auf Dinge, die man zum Laufen bei praller Sonne braucht. Der „Ballermann“ war nur weit entfernte Kulisse beim Marathon in Palma de Mallorca.

Seit 2004 gibt es diesen Lauf, der damals noch in einem hässlichen Industrieviertel gestartet worden war. Jetzt haben die Sportler, die diesmal aus 64 Ländern angereist waren, die malerische Kathedrale La Seu im Blick, wenn sie sich zum Lauf durch die Inselhauptstadt aufstellen. Auch daran sieht man: Die Veranstaltung, organisiert von der hannoverschen Agentur eichels: Event, ist längst erwachsen geworden. Viele reisen extra deshalb an, um Spaß auf der Strecke zu haben. Spitzenzeiten sind nicht das, was in Palma zählt.

Doch nun sind ein paar dunkle Wolken aufgezogen: 2014 war es das letzte Mal, dass der Reisekonzern TUI, ebenfalls mit Sitz in Hannover, seinen Namen für diese Veranstaltung hergab. Es war nach elf Jahren ein Rückzug mit Ansage, begründet in einem auf den Kopf gestellten Sportsponsoring. Was im Klartext bedeutet: Einen TUI Marathon in Palma de Mallorca wird es künftig nicht mehr geben. Ist damit auch der größte Lauf auf den Balearen Geschichte?

Auf Mallorca fixierte Läufer müssen sich allem Anschein nach nicht nach neuen Zielen umschauen. Denn es gibt einen Lichtstrahl: Es soll weitergehen, hat der bisherige Veranstalter bereits angekündigt. Gesucht wird in erster Linie ein neuer Namensgeber, der vermutlich nicht auf Mallorca zu Hause sein wird. Es gebe bereits „gute Gespräche“. Auch auf der Insel steht eine Reihe interessierter Partner parat, die zur Stange halten wollen.

Alles andere wäre auch gelacht: Da gibt es bei der elften Auflage einen Teilnehmerrekord – und dann ist Schluss? Gut, im Flieger, diesmal proppenvoll, wären dann wohl ein paar Plätze frei. Der friseurreife Schlagersänger Mickie Krause („Zehn nackte Friseusen“) müsste sich anderswo verdingen, um seine neue Halbmarathonbestzeit von 1:29 Stunden zu unterbieten. Und in S’Arenal fiele am Abend im Megapark die Sportlerparty aus, was zumindest gut wäre für die allgemeine Lärmkulisse.

Aber sonst? Dass der dritte Sonntag im Oktober auf Mallorca zum lauffreien Tag erklärt wird, ist so wahrscheinlich wie ein Sieg von Hannover 96 gegen Bayern München.

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Über Norbert Fettback

Norbert Fettback hat als Sportredakteur der HAZ die Fußballer von Hannover 96 rund 25 Jahre lang durch dick und dünn begleitet. Erst mit 50 entdeckte er für sich selbst das Laufen - auch um mehr als 40 überflüssige Pfunde loszuwerden. Nach der Premiere in New York (2005) absolvierte er Marathons unter anderem in Berlin, Chicago, Wien und Boston. Aufgrund diverser Verletzungen hat er sich bei der Wahl der Streckenlänge inzwischen mit dem Motto angefreundet: je kürzer desto besser.

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