Neue Laufbücher: Mit Grüßen von der Strecke – und aus Hannover

Allzu häufig kommt es nicht vor, dass man im Buchgeschäft vor den Regalen mit Sportlektüre steht und dort einen hannoverschen Autoren entdeckt. Klar, es gibt den Sportarzt Matthias Marquardt, der sich vor allem mit seiner „Laufbibel“ einen Namen gemacht hat. Aber sonst? Auf der Liste der Sachbuchautoren im weiten Feld der Bewegungsdisziplinen kann man einen Neuzugang entdecken. Den Namen kennen viele in Hannover, für die Sport nicht nur im Fernsehen stattfindet.

Bei Ralf Lindschulten, einem promovierten Sportwissenschaftler, hat sich schon so mancher Rat geholt zur Trainingsplanung oder aber von seinen Erfahrungen als Leistungsdiagnostiker profitiert.
Sein Wissen vermittelt der 40-Jährige jetzt in kompakter Form zum Nachschlagen. Unter dem Titel „Lauftrainer für 10 Kilometer und Halbmarathon“ hat er Grundlegendes in einem Buch zusammengefasst, was vor allem für ambitionierte Läufer wichtig sein könnte. Das ist nicht immer leichte Lese-Kost. Vor allem in den ersten beiden Kapiteln, in denen Lindschulten auf wissenschaftliche Grundlagen des Laufsports und die Trainingsgestaltung eingeht. Zwischen den Zeilen schimmern da fünf intensive Jahre an der Sporthochschule Köln durch. Man merkt aber auch immer wieder: Lindschulten selbst ist passionierter Läufer, und das tut dem Buch ebenso gut wie die fachliche Kompetenz, mit der es geschrieben ist. Trainingspläne, wie man zehn Kilometer unter 60 Minuten oder den Halbmarathon unter 1:35 Stunden laufen kann, fehlen nicht.
Dass zudem mit Heinz Birmesser ein erfahrener Sportmediziner zwei Buchkapitel beigesteuert hat, ist ein weiterer Pluspunkt. Da ist unter anderem nachzulesen, warum der Halbmarathon im Vergleich zu den 42,195 Kilometern die viel bessere Wahl sei – jedenfalls aus dem Blickwinkel eines Orthopäden. Wer sich darauf nicht einlassen möchte: Es fehlt nicht an Ratschlägen zur Prophylaxe und zur Behandlung von Verletzungen.
Ralf Lindschulten, „Lauftrainer für 10 Kilometer und Halbmarathon“, Spitta Verlag Balingen, 136 Seiten, 29,80 Euro

512pRvBecWLHalbmarathon ist auch das große Thema von Sonja von Opel und des Fotografen Michael Reusse. Von Opel und Reusse, da war doch schon mal was? Stimmt: Das Autoren-Duo ist schon zweimal gemeinsam auf die Strecke gegangen: mit Zielrichtung Marathon und mit der Absicht, Hintergründiges zum allgemeinen Training zu vermitteln. Nun also die 21,1 Kilometer – halbe Sachen sind dabei nicht herausgekommen. Schon optisch ist das Buch, das sich in der Aufmachung stark an die beiden Vorgänger anlehnt, gelungen. Es macht Spaß, darin zu blättern und zu lesen. Inhaltlich macht es sich bezahlt, dass von Opel selbst eine begeisterte Langstrecklerin ist. In zehn Kapiteln führt sie den Leser zielsicher über jene 21,1 Kilometer, die immer mehr Freizeitsportler für sich entdecken.
Es gibt prominente Begleiter: Als Experten geben unter anderem Dieter Baumann, Carsten Eich oder Susanne Hahn ihre Sicht der Dinge zum jeweiligen Thema preis. Ein Abschnitt hat den schönen Titel „Nach dem Lauf ist vor dem Lauf“. Es geht um Alternativtraining – eine wichtige Ergänzung für die Zeit, in der die Rennschuhe in der Ecke stehen. Da das Kapitel auch sehr gut bebildert ist, läuft man nicht Gefahr, beim Ausführen der Übungen viel falsch zu machen.
Ansonsten ist Hannover im Buch auch vertreten: Von Opel hat die Landeshauptstadt auf ihre Liste der schönsten Stadtläufe in Deutschland gesetzt. Da freut sich der Lokalpatriot!
Sonja von Opel, Michael Reusse: „Das neue Halbmarathon-Training“, Bruckmann Verlag, 192 Seiten, 19,99 Euro

nbvAls Buch kann man es nicht bezeichnen. Die 27 Doppelseiten – oder sagen wir besser Übungskarten mitsamt Erklärungen – sind in einem handlichen Schuber unterbracht. Das hat den Vorteil, dass man sie einzeln zur Hand nehmen kann, wenn sie beim Üben gebraucht werden. Und dass sie keinen Schaden nehmen, wenn man ins Schwitzen kommt beim „Halben Hampelmann“, dem „Himmelläufer“ oder dem „Schwimmer-Liegestütz“. Das Ganze nennt sich „Athletic to go“. Die Idee von Manuela Dierkes, Triathletin mit Hawaii-Erfahrung, das Thema Athletiktraining auf diese Weise praktisch aufzubereiten, ist nicht ohne. Die Übungen für Arme und Schultern, Rücken, Bauch sowie Beine und Gesäß bringen Abwechselung ins regelmäßige Programm, das die wenigsten Freizeitsportler wirklich mögen, das aber nötig ist, um bessere Leistungen erzielen zu können und um Verletzungsrisiken vorzubeugen. Zur Ausführung braucht man lediglich eine Matte und eine Uhr – und schon kann es losgehen. In 15 Minuten soll man fertig sein. Könnte, je nach Schwierigkeit der Ausführung, so oder so stimmen.
Manuela Dierkes: „Athletic to go“, spomedis, 54 Seiten, 17,95 Euro

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Über Norbert Fettback

Norbert Fettback hat als Sportredakteur der HAZ die Fußballer von Hannover 96 rund 25 Jahre lang durch dick und dünn begleitet. Erst mit 50 entdeckte er für sich selbst das Laufen - auch um mehr als 40 überflüssige Pfunde loszuwerden. Nach der Premiere in New York (2005) absolvierte er Marathons unter anderem in Berlin, Chicago, Wien und Boston. Aufgrund diverser Verletzungen hat er sich bei der Wahl der Streckenlänge inzwischen mit dem Motto angefreundet: je kürzer desto besser.

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