Hannover-Marathon 2015: Eine kleine Nachlese

Foto: Nigel Trebelin

Foto: Nigel Trebelin

Die Zahlen sind beeindruckend: Tausende Läufer auf der Strecke, Zehntausende Zuschauer an der Strecke – und drei Stunden live und in Farbe im Fernsehen von der Strecke. Der 25. Hannover-Marathon war Werbung, die sich die Landeshauptstadt besser kaum zu wünschen vermag. Man könnte auch sagen: Die rund 40.000 Laufschuhe, die sich am Sonntag über den Asphalt bewegten, sind zu echten Sympathieträgern geworden – in Hannover und weit darüber hinaus.

Sicher, es gibt größere Marathonläufe in Deutschland. Aber kaum einer der Stadtmarathons kann so sehr mit dem punkten, wofür die Veranstalter von Eichels Event seit Jahren stehen und werben: Familiäre Atmosphäre gepaart mit einer schnellen Strecke und einer professionellen Organisation (und obendrein spielt in Hannover fast immer das Wetter mit!). Der Lohn der Mühen war in diesem Jahr die Marke von 20.000 Teilnehmern, die erstmals geknackt wurde.

Besonders auffällig ist die immer größer werdende Beliebtheit der Marathonstaffel. Vor allem dieser Wettbewerb hat (neben dem 10-Kilometer-Rennen) wesentlich zum neuen Teilnehmerrekord beigetragen. Das zeigt auch ein Blick in die Statistik der vergangenen Jahre: Waren es 2010 gerade mal 32 Staffeln, kamen diesmal sage und schreibe 433 Staffeln ins Ziel – allein im Vergleich zum Vorjahr (303 Staffeln) eine Steigerung von mehr als 40 Prozent. Ein Trend, dessen Ende noch nicht abzusehen ist, sind doch gerade Teamwettbewerbe wie Staffeln oder Firmenläufe deutschlandweit seit einigen Jahren zum echten Renner geworden. Kein Wunder, dass am Sonntag vor allem hiesige Unternehmen die meisten Staffeln an den Start brachten.

Es wird voller auf der Strecke …

Was das – neben all der Zahlenspielerei – bedeutet? Die Marathonstrecke ist in Hannover deutlich voller geworden. Für Zuschauer und Veranstalter ist das mehr als erfreulich – für die Läufer allerdings nur bedingt. Denn mit dem Boom der Staffeln hält auch eine gewisse Unruhe Einzug ins Marathonfeld, und die dürfte nicht jedem Teilnehmer gefallen.

Da sind zum einen die zahlreichen Überholmanöver, wenn Staffelläufer gerade auf den kürzeren Abschnitten mit deutlich höherem Kilometerschnitt an den Marathonis vorbeiziehen. Zwar haben die Veranstalter jeden Staffelläufer mit einer „Staffel“-Startnummer für die Rückseite des Trikots ausgestattet. Nicht jeden mag es aber motivieren, wenn schon wieder ein Staffelläufer leichten Schrittes an einem vorbeizieht.

Wirklich problematisch ist die Situation in den Wechselzonen. Dort herrschte am Sonntag mitunter eine Unübersichtlichkeit, die sich nur mit dem Wort Chaos umschreiben lässt. Zwar haben die Veranstalter Wechselboxen eingerichtet, an die sich aber die wenigsten Läufer zu halten schienen. Vor allem im ersten Wechselbereich nach 9,7 Kilometern an der Hildesheimer Straße standen die Staffelläufer so weit und so dicht gedrängt auf (!) der ohnehin in diesem Bereich schmalen Laufstrecke, dass das Marathonfeld teils Probleme beim Durchkommen hatte. Hier müssen die Veranstalter dringend nachsteuern, zumal die Wechselzone direkt neben den Stadtbahngleisen aufgebaut wurde und mehrere Bahnen die Menschentraube nur im Schritttempo passieren konnten.

Die Wechselzonen sollten angesichts der steigenden Teilnehmerzahlen generell entzerrt werden – und die aufstrebende Masse der Staffelläufer sich an die eigene Nase fassen und ein wenig mehr Rücksicht walten lassen.

… und in den Bahnen

Apropos Stadtbahn: Ein Minus für die Leistung beim Marathon-Sonntag bekommt diesmal – zumindest in Teilen – die Üstra. Warum das Verkehrsunternehmen (immerhin offizieller Marathon-Partner) auf einigen stark frequentierten Strecken am Vormittag mitunter Kurzwagen fahren ließ und so chaotische Szenen an einigen Haltestellen provozierte, bleibt ein Rätsel. Nicht ohne Grund ist die Startnummer gleichzeitig das Üstra-Ticket für diesen Tag. Allein zwischen Aegi und Döhren waren am Sonntag zwischen 9 und 10 Uhr Hunderte Staffelläufer und Zuschauer unterwegs, um zu den Wechselzonen zu gelangen. Entweder wusste das Unternehmen davon nichts, oder es wurde geflissentlich ignoriert. So oder so: Im nächsten Jahr ist hier dringend Abhilfe nötig.

Das gilt auch für die Verwahrung der Beutel mit den Läuferutensilien. In der Willy-Brandt-Allee waren dazu zig Lastwagen hintereinander postiert. Es regten sich auch viele fleißige Hände, um die blauen Säcke entsprechend der jeweiligen Startnummer anzunehmen oder wieder herauszugeben. Und trotzdem dauerte das in den meisten Fällen gefühlt endlos, was an die Suche nach der Nadel im Heuhaufen erinnerte. Ein Glück, dass es nicht regnete oder richtig kalt war. Wer es eilig hatte, weil die Familie oder Freunde auf ihn warteten oder gar der Startschuss bevorstand, der geriet mächtig unter Zeitdruck und musste sich was einfallen lassen. Nicht immer zur Freude der anderen im Wartepulk. Das kann und muss besser werden im nächsten Jahr.

Einfacher zu lösen ist dieses Problem: Wo nur war beim Halbmarathon der sogenannte Pacemaker für die Zielzeit von zwei Stunden? Wer sich darauf verlassen hatte, der schaute im Startbereich dumm aus den Laufklamotten und musste sein eigenes Rennen gestalten. (Update: Die Pacemaker waren da und sogar auf die Minute pünktlich im Ziel – allerdings ist noch vor dem Startschuss der Ballon abhanden gekommen. Siehe auch den untenstehenden Kommentar von Michael).

Eine kleine Panne. Die überwiegend guten Eindrücke, die Tausende Freizeitsportler nach der Jubiläumsveranstaltung mit auf den Nachhauseweg nahmen, konnte dies nicht groß trüben. Wer von Jahr zu Jahr wächst, wie der Marathon in Hannover, der bekommt eben auch zu spüren, dass der Schuh an dieser und jener Stelle etwas drückt.

Von Frerk Schenker und Norbert Fettback

12 Gedanken zu „Hannover-Marathon 2015: Eine kleine Nachlese

  1. Anja

    Erst einmal vorneweg:
    Danke an die Organisatoren, danke an die vielen Helfer, an die sichtbaren und die im ´“verborgenen“, danke an alle, die den ganzen Müll wieder weggeräumt haben!
    und ein großes danke an alle Zuschauer, die uns so toll angefeuert haben und für diese gigantische Stimmung gesorgt haben. Ihr alle wart Spitze!!!
    Klar gibt es Kritikpunkte. Schon im letzten Jahr waren die Wartezeiten bei der Beutelaufbewahrung nervig. Bitte ändert das. Wenn das Wetter mal nicht mitspielt wird es für uns Sportler echt unangenehm. Naja und dass in den Startunterlagen wieder mal Aufkleber für den Beutel fehlten sei euch verziehen 😉 Am Ziel hätte ich mir Platz gewünscht. Auch wenn meine Zeit nicht der Rede wert sein mag, der Ehrgeiz noch mal alles zu geben ist bei einigen Läufern durchaus vorhanden. Die Ansage „bitte nicht mehr sprinten“ muss nicht sein. Da sollte Platz genug sein.
    aber: Dickes Lob an alle! So ein Event muss man erst mal hinbekommen *Daumen hoch

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  2. Jo

    Recht herzlichen Dank erstmal an all die helfenden Hände. Meinen 1. Marathon konnte ich dank der Organisation auch bis zum Ziel geniessen und freu mich schon auf nächstes Jahr. Schön wäre es, wenn man nach dem Ziel durch die Verpflegungszone zu der Beutelaufbewährung käme. Jeder der von der Markthalle weggefahren ist, muß sich komisch vorgekommen sein, wenn er erst wieder zum Landesmuseum muß um dann wieder zurückzulaufen. Die Straße zum Aegi und die Osterstr. sind doch eh gesperrt. Auch an den VP-Punkten sollte drauf geachtet werden, daß die Bananen geschält sind. Die Rutschefahr war doch erheblich an der Eilenriede. Aber alles in Allem; Sehr schön gemacht!

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  3. Klaus

    Ich muss Jo da sehr zustimmen! Kleiderbeutel auf der rechten Seite … Ziel-Verpflegung auf der linken Seite (rel. weit weg) geht eigentlich nur bei gutem Wetter, wie jetzt. Bei schlechtem wetter?! – geht garnicht!
    Ein weiterer Schwachpunkt… wie kommt man zu den Sevice-Zelten und Eingang zum Start, wenn man mit Öffis anreist? Man kommt von der Markthalle. Die Unterführung am Rathaus ist jetzt nach dem Umbau zu .. man muss ein ganzes Stück Richtung Waterlooplatz gehen und die nächste nehmen. Hier wäre eine andere Lösung oder zumindest eine deutliche Ausschilderung nötig (gewesen).
    Dann wurde mir am Info-Stand gesagt, JEDER Kilometer sei deutlich sichtbar ausgeschildert. Darauf hatte ich mich eingestellt … und wurde enttäuscht!
    Trotzdem war es ein schönes Event! – Aber es sollte von den Hannoveranern doch besser angenommen werden. Wo waren die Zuschauer auf dem ersten Stück des Marathon?

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  4. michael

    @ Anja, bei dem Druck der Startnummer gab es auch einen Kleiderbeutelaufkleber aus einem Etikettendrucker.
    Es könnte sein, dass dieser Aufkleber nicht in der Tüte gelandet ist sondern dem Personal vor die Füße fiel und dies unbemerkt geblieben ist.
    Es könnte auch sein, dass dieser Aufkleber sich noch in dem Beutel befindet………

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    1. rempfer

      @michael
      Leider nein. Im Beutel war und ist kein Aufkleber. Ich bin damit auch nicht die Einzige und in 2014 gab es das Problemchen auch.

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      1. michael

        @ Anja, sollte nicht so häufig vorgekommen sein, ich stand hinter dem Tresen und habe die Nummern ausgegeben. (Nebst vielen anderen).

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        1. Anja

          @Michael
          Ja, mag sein, dass bei Euch alles bestens geklappt hat. Ich hatte meinen Beutel aber genauso wie im letzten Jahr schon eher bekommen und war also gar nicht bei Euch.
          Das Ganze ist aber dank Klebeband und Edding auch kein Drama 😉

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  5. Michael Schardt

    Lieber Frerk Schenker,
    Ihr Artikel in der HAZ trifft in seinen Kritikpunkten weitgehend zu. Allerdings gab es die beiden Pacemaker für 2 h. Einer davon war ich, der andere war Rainer Wachsmann. Nur der Ballon war nicht zu sehen, da er nur unzureichend vom Orgateam an meinem Startnummernband festgeknotet war und er schon beim Einlaufen hinter in den Himmel entschwand. So konnte man uns nur noch am Pacemakershirt erkennen. In der Ergenisliste ist nachzulesen, dass wir in 1:59:49 ins Ziel kamen und mit uns viele, die sich uns angeschlossen hatten. Siehe auch mein bericht auf http://www.laufreport.de.
    Schönen Gruß
    Michael

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    1. Frerk Schenker

      Hallo Michael,

      besten Dank für Hinweis und die Erläuterung zu den vermeintlich „verschwundenen“ Pacemakern, die ja in der Tat ziemlich pünktlich ins Ziel kamen. Respekt. Dann hoffen wir mal, dass die Ballons im kommenden Jahr nicht wieder in Hannovers Himmel entschwinden 😉

      Beste Grüße,
      Frerk

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  6. M.M.

    Es war insgesamt ein schöner Jubiläumssonntag! Mit deutlich mehr Licht als Schatten. Eure Marathonnachbereitung im HAZ-Laufblog hat mir gut gefallen. Ich denke, ihr habt alles richtig aufgeführt.
    Auf die nicht geschälten Bananen und den weiten Weg zur Verpflegungszone und zurück habe ich schon im letzten Jahr hingewiesen. Und hätte es geregnet, wäre das mit den Kleiderbeuteln ein echtes Verhängnis gewesen. Montag wären sicher so einige Leute krank gewesen.
    Und ein Kleiderbeutelklebchen hatte ich auch nicht im Beutel (aber nicht so schlimm – es gibt ja Eddings).

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  7. Karsten Jesche

    Alles in allem finde ich den Hannover Marathon wirklich exzellent. Inklusive der Organisation, der Strecke und dem Drumherum – und auch die Marathon-Staffeln bereichern das Programm und haben in jedem Fall ihre Berechtigung. Aber…

    …der Beitrag greift einen der Punkte auf, die auch mich im Nachhinein gestört haben. Bereits auf den ersten Kilometern sind mir immer wieder Läufer aufgefallen, die relativ sprunghaft überholten und ungleichmäßiges Tempo liefen. Fast immer waren es Staffel-Läufer. Auch der Wechselpunkt an der Hildesheimer Str. ist mir in Erinnerung geblieben. Auch wenn ich nicht mit der ganz großen Masse der Marathonis dieses Nadelöhr passieren musste, fühlte ich mich doch schon sehr bedrängt.

    Als einen weiteren negativen Aspekt der Staffeln empfand ich die demoralisierende Wirkung, die es hat, wenn man auf den letzten Kilometern von ausgeruhten Staffel-Läufer schnellen Schrittes überholt wird. Beflaggung als Staffel-Läufer hin oder her. Das gleiche gilt aber auch für die Zusammenführung von Marathon- und Halbmarathonstrecke in der Philipsbornstr. nach ca. 32 km. Zeitgleich mit mir kam dort die Gruppe mit Zielzeit 1:30 an. Für die Zuschauer muss das ausgesehen haben, als würden Geparden mit Elefanten um die Wette laufen.

    Weitere Kritikpunkte wären für mich die unselige „Ehrenrunde“ durch die Herrenhäuser Gärten, sowie der gemeinsame Einlauf von Marathon und Halbmarathon. Das ist für beide Seiten nicht optimal, weil es von Jahr zu Jahr enger wird.

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