„Laufpass“: Alle der Rübe nach

Immer vorne weg: Frank Schumann mit der Rübe auf dem Kopf. Foto: Norbert Fettback

Immer vorne weg: Frank Schumann mit der Rübe auf dem Kopf. Foto: Norbert Fettback

Gefühlt ist an diesem Sonntagvormittag ganz Hiddestorf auf den Beinen. Und nicht nur einer wie Frank Schumann. Der, der an der Möhre an seiner Kopfbedeckung leicht auszumachen ist. Und der auf dem Fahrrad sitzt und mächtig strampeln muss, um den Sportlern beim Rübenlauf den Weg zu weisen. Mitglieder des SV Eintracht, Feuerwehrleute, Sanitäter, die Nachbarn gleich um die Ecke: Hiddestorf macht mobil, wenn die Läufer anrücken, um das Dorf und die Nachbargemeinden schnellen Schrittes zu erobern.

761 große und kleine Teilnehmer waren es beim 18. Mal; viele von ihnen wissen längst, wie es hier läuft, weil sie von Jahr zu Jahr wiederkommen. Sie schätzen die Atmosphäre, die etwas Familiäres hat, auch wenn man einander nicht unbedingt persönlich und vom Namen kennt. Dazu gehört, dass einem nach dem Lauf die Erfrischungsgetränke von einem deutschen Meister serviert werden: Thomas Ruminski, selbst Mitglied des SV Eintracht Hiddestorf und frischgebackener nationaler Titelträger der über 55-Jährigen im Zehn-Kilometer-Straßenlauf, hat an so einem Tag seinen Auftritt abseits der eigentlichen Laufstrecke. Er verteilt auf dem Sportplatz gleich hinterm Zieleinlauf Tee und Wasser. An Käse, Weißbrot und einem Schluck Rotwein, gereicht von freundlichen Helferinnen, fehlt es auch nicht. Äpfel vom Biohof oder Bananen: Bitte zugreifen!

Diesmal hat der Rübenlauf auch eine besondere internationale Note. Haf-Tom Weldaj und Beniam Meheretab stehen beim Rennen über zehn Kilometer vorn an der Startlinie. Beide stammen aus Eritrea, sie sind aufgrund der unsicheren Verhältnisse aus ihrer afrikanischen Heimat geflohen und haben in Pattensen vorerst eine Bleibe gefunden. Am Sportplatz in Hiddestorf sind sie herzlich willkommen, Mitorganisator Gerd Metje hat ihnen einen Freistart spendiert. Das Duo zahlt es mit vollem Einsatz zurück, Weldaj – der lange Zeit in Führung lag – landet schließlich auf dem 2. Platz und freut sich sichtlich über den Pokal, den er später in seinen Händen hält.

Der Sieger auf dieser Distanz heißt Fabian Kuklinski. Bei den Frauen macht über zehn Kilometer Mandy Krause, zwei Tage vorher noch Vierte beim Nachtlauf in Hannover, das Rennen. Im Halbmarathon setzen Agata Krafczyk und Jan Kaschura die besonderen Akzente. Diese Namen kennt man in der „Laufpass“-Serie mehr oder weniger. Pokal und Ranking-Punkte sind ihnen sicher. Doch Hiddestorf hat eben noch mehr zu bieten.

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Über Norbert Fettback

Norbert Fettback hat als Sportredakteur der HAZ die Fußballer von Hannover 96 rund 25 Jahre lang durch dick und dünn begleitet. Erst mit 50 entdeckte er für sich selbst das Laufen - auch um mehr als 40 überflüssige Pfunde loszuwerden. Nach der Premiere in New York (2005) absolvierte er Marathons unter anderem in Berlin, Chicago, Wien und Boston. Aufgrund diverser Verletzungen hat er sich bei der Wahl der Streckenlänge inzwischen mit dem Motto angefreundet: je kürzer desto besser.

5 Gedanken zu „„Laufpass“: Alle der Rübe nach

  1. Frank Schumann

    Vielen Dank für den schönen Artikel und das gelungene Bild von mir. Da ist nur ein kleiner Schreibfehler: Mein Name ist Frank Schumann und nicht Horst Menze. Ist aber nicht schlimm, wir sind eh alle im gleichen Verein.

    Antworten
    1. Norbert

      Hallo Frank,
      bei so vielen Helfern wie in Hiddestorf kann man sich schon mal vertun! Der falsche Name ist inzwischen korrigiert, sorry noch mal!
      Viele Grüße, Norbert

      Antworten
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