Raddatz‘ härtestes Rennen

Anhang 1

Alexandra Raddatz mit Martin Grotrian.

Man kann nicht sagen, Alexandra Raddatz wisse nicht, was es heißt, sich so richtig zu verausgaben. Die 34-Jährige läuft mit Begeisterung und in beachtlicher Leistung Marathon (Bestzeit 2:54 Stunden), sie hat auch schon so manchen Triathlon mit Bravour bewältigt. Nun aber hat sie mit dem Transalpine-Run ein Rennen hinter sich gebracht, das ihr so viel abverlangt hat wie kein Wettkampf zuvor. Die Hannoveranerin spricht „vom forderndsten Lauf, den ich jemals absolviert habe“.

Zu Ende gegangen ist er in Sulden in Südtirol, Start war in Oberstdorf. An acht Tagen hat sie dabei im Zweierteam zusammen mit Martin Grotrian, mit dem sie auch ansonsten durch dick und dünn geht, 268 Kilometer zurückgelegt. 16 310 Meter bergauf, 14 530 Meter bergab. Raddatz spricht von einer „intensiven Schinderei“, nach der sie „um tausend Eindrücke und Erfahrungen reicher“ sei.

Die nackten Zahlen lassen das zumindest ansatzweise erahnen. 41 Stunden und 28 Minuten hat das Paar aus Hannover bei seiner alpinen Premiere für die gesamte Strecke benötigt, über den 7. Platz bei den gemischten Mannschaften durften sich die Extremsportler aus dem Flachland zu Recht freuen. Die Finishershirts haben längst einen Ehrenplatz erhalten.

Über ihre Erlebnisse auf dem Weg durch vier Länder, mal bei brüllender Hitze, dann wieder bei empfindlicher Kühle, über Höhen und Tiefen, und das auch in mentaler Hinsicht, haben die beiden in ihrem Blog berichtet. Acht Tage volle Konzentration, bei fast jedem der zig tausend Schritte. Dabei so häufig den Gedanken im Kopf, sich selbst überwinden zu müssen, um es schaffen zu können.

Beim Lesen bekommt man hin und wieder Gänsehaut. Etwa dann, wenn davon die Rede ist, wie die beiden die alpine Königsetappe mit kaputten Zehennägeln bewältigt haben. Es ist jener Moment, sagt Raddatz, in dem sie sich wieder mal gefragt hätten: Warum tun wir uns das an? Warum machen wir nicht ganz normal Urlaub? Oder wandern wie Touristen durchs Gebirge. Man spürt förmlich den Geschmack der Nusstorte, die sie sich anschließend in einer Bäckerei in Samnaun gönnten.

In den acht Tagen hätten sie „gegessen wie die Scheunendrescher“, berichtet Raddatz. Gelernt hat sie in den Alpen, dass man – anders als bei einem Marathon oder einem Langdistanzrennen im Triathlon – mit ausreichenden Reserven an den Start gehen muss. „Man gerät Tag für Tag immer weiter ins Kalorienminus“, sagt sie nach ihrer Rückkehr. „Der Körper frisst sich selber auf.“ Zurückkehrt sind beide ohne Verletzungen, aber mit einer starken Erkältung. Auch das Immunsystem ist beim Weg über die Alpen auf eine harte Probe gestellt worden. Doch hängen geblieben ist anderes.

 

Dieser Beitrag wurde am von in Laufen veröffentlicht. Schlagworte: , .

Über Norbert Fettback

Norbert Fettback hat als Sportredakteur der HAZ die Fußballer von Hannover 96 rund 25 Jahre lang durch dick und dünn begleitet. Erst mit 50 entdeckte er für sich selbst das Laufen - auch um mehr als 40 überflüssige Pfunde loszuwerden. Nach der Premiere in New York (2005) absolvierte er Marathons unter anderem in Berlin, Chicago, Wien und Boston. Aufgrund diverser Verletzungen hat er sich bei der Wahl der Streckenlänge inzwischen mit dem Motto angefreundet: je kürzer desto besser.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.