HAZ-Laufgruppe: Höhenmeter für den Marathon

Die HAZ-Laufgruppe am Lindener Berg. Foto: Philipp von Ditfurth

Die HAZ-Laufgruppe am Lindener Berg. Foto: Philipp von Ditfurth

Es ist nass, kalt und grau – nur die knallbunten Laufjacken setzen ein paar Farbpunkte in den trüben Herbsttag. Und dann sind da noch diese Steigungen. Um kurz nach halb zehn wird an diesem Vormittag so manchem Läufer klar, dass die kommenden Monate wohl doch kein Spaziergang werden. Für bremsende Gedanken ist aber kein Platz. „Los geht’s“, ruft Markus Pingpank und schickt seine Schützlinge auf die Runde.

96 Läuferinnen und Läufer hat der Barsinghäuser Trainer auf der Kuppe des Lindener Berges um sich versammelt. Für sie startet das erste Training der HAZ-Vorbereitungsgruppe gleich mit einem echten Kraftakt. Anders als in den Vorjahren beginnt die achte Auflage der HAZ-Leseraktion nicht im flachen Terrain um den Maschsee, sondern im steileren Gelände an Lindens Hausberg. Und so schlängeln sich die Läufer wie ein farbiger Lindwurm die Steigungen entlang. Alle mit einem Ziel vor Augen: am 10. April 2016 erfolgreich den Hannover-Marathon zu absolvieren.

Einer von ihnen ist Stefan Wedderkopp. Der 47-Jährige ist in den vergangen beiden Jahren schon erfolgreich den Halbmarathon in Hannover gelaufen und dabei stets unter zwei Stunden geblieben. In sechs Monaten will er den Marathon in Angriff nehmen. „3:50 Stunden sind mein Ziel“, verrät er.

Dass dies realistisch ist, hat ihm Pingpank schon vor zwei Wochen bescheinigt: Bei einem Leistungstest mussten alle Teilnehmer binnen zehn Minuten so viele Meter wie möglich zurücklegen. Aus den Ergebnissen hat Pingpank mögliche Endzeiten für den Marathon oder Halbmarathon errechnet – und die Trainingspläne für jeden Teilnehmer entsprechend angepasst. Der wettkampferfahrene Wedderkopp gehört zu den Schnelleren der Gruppe. „Wir haben Teilnehmer dabei, die zwischen 3:30 und 5 Stunden laufen können“, sagt Pingpank mit Blick auf die prognostizierten Marathonzeiten.

Viele der HAZ-Läufer haben dennoch ein vorsichtigeres Ziel formuliert: Sie wollen ankommen. Wie der Lehrter Eric Hess. „Ich bin schon mal 15 oder 16 Kilometer am Stück gelaufen“, erzählt er. Einen ganzen Halbmarathon aber noch nie. Am 10. April soll sich das ändern. Bis dahin muss Hess sein Trainingspensum allerdings noch ordentlich steigern. „Ich setze dabei auf die Motivation der Gruppe “, sagt er.

Über fehlende Motivation kann sich Pingpank an diesem Vormittag nicht beklagen. Schon nach dem ersten Kilometer muss er die Läufer bremsen. „Gas geben könnt ihr in der letzten Runde“, sagt er. Obwohl das Tempo flott ist, wird munter gefachsimpelt – zumindest auf den langen Bergab-Passagen. „Bergauf darf ich dann wieder alleine reden“, scherzt Pingpank.

Nach gut 40 Minuten ist die Einheit am Berg vorbei. Das lockere Auslaufen endet vor einem riesigen Bottich dampfenden Tees. „Die Berge sind ganz schön anstrengend“, sagt Wedderkopp und lacht dabei. „Ohne die Gruppe hätte ich das heute nicht geschafft“, ist er sich sicher. Auch Hess ist vom ersten Training begeistert. „Ich fühle mich richtig gut“, sagt er. „Aber was war das für eine Quälerei.“

In drei Wochen steht der nächste von insgesamt zehn gemeinsamen Läufen an, dann wieder in gewohnt flachem Gelände am Maschsee. Ganz auf den Berg verzichten wollen einige Teilnehmer der HAZ-Gruppe allerdings nicht: Noch am Abend des ersten Trainings wurden fleißig Mails und Kontaktdaten für einen zusätzlichen Lauf ausgetauscht. Treffpunkt: oben am Lindener Berg.

In den kommenden Monaten begleitet die HAZ vier Läufer auf ihrem Weg zum Hannover-Marathon

Tanja Niehoff (v.li.), Ralf Berneburg, Kristina Hannemann und Eric Hess. Foto: Philipp von Ditfurth

Tanja Niehoff (v.li.), Ralf Berneburg, Kristina Hannemann und Eric Hess. Foto: Philipp von Ditfurth

Tanja Niehoff (42)
Strecke: Marathon
Ziel: 4:10 Stunden
Der Auftakt war alles andere als optimal: Beim Leistungstest lief Tanja Niehoff noch ziemlich flott, am Lindener Berg lief hingegen nur noch ihre Nase. „Den Start der HAZ-Gruppe völlig verpassen, das kommt für mich trotzdem nicht in Frage“, sagt die 42-Jährige. Und so quälte sie sich mit dem Fahrrad zum Gruppenfoto den Berg hoch. Dabei hat sie Ausdauerqualitäten unlängst bewiesen: Im vergangenen Jahr ist sie in New York ihren ersten Marathon gelaufen – in 4:25:54 Stunden. Wenn alles klappt, soll es in Hannover noch etwas schneller werden.

Eric Hess (44)
Strecke: Halbmarathon
Ziel: ankommen
Der lebenslustige Läufer aus Lehrte kennt seine Schwächen nur zu gut: „Ich muss dringend mehr trainieren.“ Zur Zeit läuft Hess 10 bis 20 Kilometer die Woche – „das reicht natürlich nicht“, sagt Hess selbstkritisch. Schließlich will er in sechs Monaten seinen Namen in der Ergebnisliste des Halbmarathons lesen. Neben dem Spaßfaktor treibt ihn auch der Rat seines Hausarztes an: „Der hat mir gesagt, dass ich was machen soll.“ Er hofft, dass die Gruppe ihn zusätzlich motiviert. Und dass er gesund durch den Winter kommt. „Dann schaff ich das schon.“

Ralf Berneburg (47)
Strecke: Marathon
Ziel: unter 4 Stunden
Berge ist der Gehrdener gewohnt, trainiert er doch dreimal die Woche am Hausberg seiner Heimatstadt. „Gut 500 Höhenmeter kommen da jedes Mal zusammen.“ Auf seine Runden nimmt er auh gerne seinen Hund mit. Berneburg hat sich als letzter für die HAZ-Laufgruppe angemeldet. Die Gruppe gebe ihm Motivation, morgens früh aufzustehen. „Und es ist ein Ansporn, schneller zu laufen.“ Der 47-Jährige hat bereits in diesem Jahr den Hannover-Marathon in 4:04:04 Stunden absolviert – inklusive eines kleinen Umweges. Ohne sich zu verlaufen soll es diesmal mit einer Zeit unter 4 Stunden klappen.

Kristina Hannemann (33)
Strecke: Marathon
Ziel: ankommen
Sie ist schon zum zweiten Mal bei der HAZ-Laufgruppe dabei und hat in diesem Jahr den Halbmarathon in 2:16 Stunden hinter sich gebracht. Jetzt will sie den Marathon in Angriff nehmen. Derzeit läuft sie drei Mal die Woche, ein viertes Mal müsse aber wohl sein. „Ich muss vor allem das Tempo anziehen“, sagt sie. Motivation holt sie sich durch das Training in der Gruppe: „Das hat mich begeistert.“ Ihr Ziel: ankommen. Auf dem Weg dahin wird sie auch von ihrer sechs Jahre alten Tochter unterstützt, die sie auf dem Fahrrad begleitet. „Sechs Kilometer schafft sie schon.“

Hier gibt es weitere Bilder vom ersten Trainingslauf

6 Gedanken zu „HAZ-Laufgruppe: Höhenmeter für den Marathon

  1. Anja

    „Wir haben Teilnehmer dabei, die zwischen 3:30 und 5 Stunden laufen können“, sagt Pingpank.

    Das ist eine tolle Leistung.
    Bestimmt sind auch Teilnehmer dabei, die zwischen 3:30 und 5:00 min/km laufen können 😉 -> auch eine super tolle Leistung!

    (Sollte hier der Fehlerteufel sein Unwesen treiben…)

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  2. Frerk Schenker

    Hallo Anja,

    die Aussage „3:30 bis 5 Stunden“ bezieht sich auf die prognostizierte Marathon-Endzeit (in der aktualisierten Version des Satzes müsste das jetzt auch klarer werden). Ein 3:30er-Schnitt pro Kilometer dürfte für alle Teilnehmer wohl etwas zu fix sein, denn das wäre eine Endzeit von 2:27 Stunden. Wobei wir uns natürlich gern überraschen lassen 😉

    Gruß,
    Frerk

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  3. Anja

    Hallo Frerk,

    jetzt ist es klarer und selbst ich verstehe es 😉 Danke
    Ich hatte die Km-Zeiten auf die Auftaktrunden ums Erika-Fritsch-Station bezogen.

    Gruß
    Anja

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  4. Astrid Lenhard

    Vielen Dank für den tollen Bericht!
    Habe ihn am Montag schon online gelesen und heute morgen am Frühstückstisch dann in der „echten“ Zeitung. Das motiviert gleich doppelt!

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