Aus Eritrea in den Lönspark

Haftom Weldaj mit seinem Mentor Thomas Ruminski vom SVE Hiddestorf. Foto: Behrens

Haftom Weldaj mit seinem Mentor Thomas Ruminski vom SVE Hiddestorf. Foto: Behrens

An einem Tag wie diesem war Corinna Haberkorn-Schütte schnell bei der Sache. „Als ich am Morgen aus dem Fenster schaute und mir der Herbst sein schönstes Gesicht zeigte, habe ich mir gesagt: Jetzt fährst du zum Laufen zum Lönspark.“ Drei Stunden später stand die Hannoveranerin am Start zum 10-Kilometer-Lauf, neben manch anderem Kurzentschlossenen, was die Zahl der Läufer allein in diesem Rennen über Stock, Steine und Pfützen noch über die 400er-Marke katapultierte.

Wenn die Blätter fallen, ist die Laufveranstaltung des TK Hannover längst kein Geheimtipp mehr, sondern ein jung gebliebener Klassiker. Die 39. Auflage bescherte den Organisatoren gar einen neuen Teilnehmerrekord. Nimmt man den Lauf für die Jüngsten hinzu, die eine Runde um den Sportplatz drehten und danach stolz ihre Medaille entgegennahmen, waren am Sonntag weit mehr als 900 große und kleine Läufer auf den Beinen.

(Zu den Bildern vom Hermann-Löns-Park-Lauf)

Den Annateich und die alte Mühle, für Haberkorn-Schütte nichts Neues, haben jetzt auch zwei Läufer aus Eritrea kennengelernt. Es kann gut sein, dass man die Namen der beiden im Zusammenhang mit Laufwettbewerben noch häufiger hören wird. Haftom Weldaj (25) und Beniam Meheretab (31) sind zwar sportliche Spätstarter, doch gut genug für einen Platz im Vorderfeld. Weldaj liefen im Lönspark nur Karsten Meier und Philip Champignon davon, die landesweit bekanntlich allererste Klasse sind. Bei der Siegerehrung präsentierte der Afrikaner, der aus seiner Heimat aufgrund der Bürgerkriegswirren floh, stolz seine Urkunde für den 3. Platz. Mit einem Lächeln, das zeigt, dass er sich in Deutschland angekommen fühlt. „Zu laufen, das ist für Haftom auch ein Weg, sich hier zu integrieren“, sagt Thomas Ruminski. Der Hiddestorfer ist den beiden Eritreern eine Art Mentor, seitdem diese in diesem Jahr in Pattensen ein Zuhause auf Zeit gefunden haben. Ihr Anerkennungsverfahren auf Asyl läuft. Ruminski holt sie einmal die Woche zum Training ab – die Fahrt geht nach Hannover, wo sie sich der 96-Läufersparte angeschlossen und neue Freunde gefunden haben.

Das könnte demnächst auch an der Vereinszugehörigkeit zu erkennen sein. Beide Seiten könnten voneinander profitieren. „Ich traue Haftom zu, dass er die 10 Kilometer mal in 30 Minuten läuft“, sagt Ruminski, der selbst 96-Mitglied ist und als Mittfünfziger zu den besten Langstrecklern hierzulande zählt. Das wäre eine Hausnummer, nicht nur in Hannover. Der junge Mann aus Eritrea hat, wie sein Freund Beniam , erst vor ein paar Monaten mit regelmäßigem Sporttreiben begonnen. Spät, aber offenbar nicht zu spät, um ein richtig Guter werden zu können.

Im Lönspark ist die Uhr für Weldaj bei 33:40 Minuten stehen geblieben. Es war nach Hiddestorf und Ricklingen der dritte Wettkampf, seit er in Deutschland ist. Noch sind es Volksläufe. Da könnte eines Tages mehr kommen.

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Über Norbert Fettback

Norbert Fettback hat als Sportredakteur der HAZ die Fußballer von Hannover 96 rund 25 Jahre lang durch dick und dünn begleitet. Erst mit 50 entdeckte er für sich selbst das Laufen – auch um mehr als 40 überflüssige Pfunde loszuwerden. Nach der Premiere in New York (2005) absolvierte er Marathons unter anderem in Berlin, Chicago, Wien und Boston. Aufgrund diverser Verletzungen hat er sich bei der Wahl der Streckenlänge inzwischen mit dem Motto angefreundet: je kürzer desto besser.

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