Der Bothfelder Wasserlauf

Da werden Cross-Gefühle wach: Die Schuhe können nach dem Rennen eine Frischekur vertragen. Foto: Fettback.

Da werden Cross-Gefühle wach: Die Schuhe können nach dem Rennen eine Frischekur vertragen. Foto: Fettback.

Das Wetter, bei dem man normalerweise keinen Hund vor die Tür jagt, hat auch den Norden von Hannover voll im Griff. Seit Stunden regnet es ohne Unterlass, böiger Wind treibt auf der Bezirkssportanlage an der Carl-Loges-Straße seinen Schabernack. „So schlimm wie dieses Mal hat uns das Wetter noch nicht mitgespielt“, sagt Sabine Meier. Sie ist Mitglied des TuS Bothfeld, der fürchten muss, dass ihm an diesem Sonntag beim 8. Waldlauf die Felle davonschwimmen.

Im Vorfeld hatte es mit 670 Voranmeldungen eine neue Bestmarke gegeben. Doch die Realität sieht am Lauftag anders aus. Obwohl TuS-Cheforganisator Jörg Kleinholz-Mewes mit einigem Erfolg gute Laune unters Läufervolk zu bringen versucht: Ihre Enttäuschung können die Organisatoren nicht völlig verbergen. Obwohl es noch diese und jene Nachmeldung gibt, bleiben, wie schon im Vorjahr, mehr als 200 Startnummern liegen. Das hat auch finanzielle Folgen, denn die TuS-Leute bitten erst am Renntag zur Kasse. Anderswo müssen Läufer in der Regel vorher bezahlen – ohne Geld-zurück-Garantie. Wer also wegbleibt in Bothfeld, obwohl er gemeldet hat, sorgt für ein Loch in der Vereinskasse. Beim TuS wird alles selbst organisiert, bis hin zur Zeitmessung. Und das kostet nicht nur Zeit und Einsatz. Und bis aufs Wetter klappt auch alles. Dass die Laufergebnisse, wie an diesem 15. November, ruck, zuck im Internet zu lesen sind, davon können sich andere Veranstalter, die auf professionelle Unterstützung setzen, eine Scheibe abschneiden.

Augen zu und rein in den Matsch: Start zum Bothfelder Waldlauf. Foto: Stephan Fabig

Augen zu und rein in den Matsch: Start zum Bothfelder Waldlauf. Foto: Stephan Fabig

Erschienen sind zur Wasserschlacht auf der pfützenübersäten Aschenbahn des Sportplatzes und auf dem Rundkurs im Bothfelder Wald, wo man sich unweigerlich pitschnasse Füße holt, diesmal die sprichwörtlich Harten. Und erstaunlicherweise viele Kinder und Jugendliche. Bei den Jüngsten, die 200 Meter vor sich haben, lässt mancher Nachname aufhorchen. Flynn Mio Mewes etwa wird Zweiter im Bambini-Lauf, der Sechsjährige ist der älteste Sohn des Bothfelder Cheforganisators und von Gwendolyn Mewes. Auch Darja und Larissa Klages sind nach dem Rennen froh, dass sie dem schlechten Wetter mit Erfolg getrotzt haben – ihre Mutter Vera Klages dominierte, wie Mewes im Vorjahr, 2009 das „Laufpass“-Ranking. Auch Lukas Czupryniak aus Langenhagen, Zweiter im Kinderlauf über 1,2 Kilometer, hat offenbar das Lauftalent von seiner Mutter Justyna geerbt, die in der regionalen Rennserie eine gute Figur macht.

Justyna Czupryniak und ihre neue LAC-Vereinskollegin Mewes sieht man in Bothfeld am Start über die 5 Kilometer, auf der die Punkte für das HAZ-Ranking verteilt werden. Mewes, in Bothfeld zu Hause, ist auf ihrer Hausstrecke nicht zu stellen und in 19:18 Minuten die mit Abstand Schnellste bei den Frauen. Bei den Männern läuft Felix Brümmer, der für die LG Braunschweig startet, in 15:56 vorneweg. Sein prominenter Vereinskollege Sören Ludolph macht ein langes Gesicht, was jedoch wenig mit seinem 4. Platz zu tun hat. Sein Trainer hat dem 27-Jährigen, der schon dreimal deutscher Meister über die 800 Meter war und dessen großes Ziel die Olympiateilnahme 2016 in Rio de Janeiro ist, den Start in Bothfeld nahegelegt. Das rutschige Terrain, bei dem ständig die Gefahr mitläuft zu stürzen, ist gar nicht nach Ludolphs Geschmack. „Das erste und letzte Mal, dass ich hier laufe“, sagt er. Und fügt hinzu: „Mit den Organisatoren hat das nichts zu tun. Die tun ihr Bestes.“

Ein Lob aus berufenem Mund. In Bothfeld geht das an einem Tag wie diesem, bei dem man von oben und von unten nass wird, runter wie Öl.

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