„Laufpass“-Sieger Jan Rutsch: Der Spätberufene

"Laufpass"-Gesamtsieger 2015: Jan Rutsch. (Foto: Rainer Surrey)

„Laufpass“-Gesamtsieger 2015: Jan Rutsch. (Foto: Rainer Surrey)

Am Ende hat Jan Rutsch es noch einmal spannend gemacht – wenn auch unfreiwillig. Fast zehn Monate lang lag er in Führung beim HAZ-„Laufpass“, nur noch ein paar Punkte fehlten ihm beim Mühlenberger Nikolauslauf zum Gesamtsieg. Und dann das. „Wenige Tage vor dem Rennen hatte ich einen Unfall“, erzählt Rutsch.

Ein Auto erwischte ihn und seinen Hund beim Spazierengehen. Während sein Tier operiert werden musste, hatte der 31-Jährige großes Glück. Bis auf ein paar schmerzhafte Schrammen blieb er unverletzt und sicherte sich mit dem zweiten Platz beim Nikolauslauf den Gesamtsieg im diesjährigen HAZ-„Laufpass“-Ranking.

Es passt zu Rutsch, dass er den Gesamtsieg erst so spät in der Saison perefekt gemacht hat. Denn in Sachen Laufen ist er ein Spätberufener. Sportlich war Rutsch schon immer, viele Jahre sammelte er als Mitglied des Schießsportvereins VfF Hannover Erfolge und sogar Landestitel. Auch ein blauer Gürtel im Judo steht in der sportlichen Vita. Doch zum Laufen kam er erst 2013. Der erste Wettkampf war der Garbsener Citylauf, über 5,2 Kilometer lief er damals ohne richtiges Training gleich als Zehnter ins Ziel. Ein erster Fingerzeig, doch voll und ganz gepackt war er vom Lauffieber noch nicht. Erst als er im Dezember vor zwei Jahren einen Trainingslauf über sechs Kilometer absolvierte und dabei jeden Kilometer unter vier Minuten lief, kam der Entschluss: „Jetzt fange ich an.“

Wie groß sein Potential ist, zeigte sich gleich beim ersten Halbmarathon: 1:21 Stunden brauchte Rutsch für die 21,1 Kilometer – „mit nur 300 Kilometer Vorbereitung“. Das war dann schon mehr als nur ein Fingerzeig. Wenig später folgte die erste 35 vor dem Doppelpunkt nach zehn Kilometern – immer noch ohne strukturierstes Training. „Das war nicht wirklich mit Sinn und Verstand. Ich wusste eigentlich nur: Langsamer Laufen macht einen schneller.“

(Foto: Rainer Surrey)

(Foto: Rainer Surrey)

Die Zeiten des Trainings ohne Plan sind längst vorbei. Rutsch hat sich im vergangenen Sommer dem Verein Hannover Athletics angeschlossen und läuft seit dem unter Anleitung von  Markus Pingpank. Mit Erfolg: Über 10 Kilometer steht eine 33:08 Minuten zu Buche, auch auf den anderen Strecken sind Rutsch zahlreiche Bestleistungen gelungen. „Das Team stimmt bei uns, und auch der Spaßfaktor“, erzählt er.

Sechs Mal trainiert er zurzeit pro Woche, mitunter kommen so über 100 Wochenkilometer zusammen. Wobei sich Rutsch streng genommen fast das doppelte aufschreiben dürfte. Der 31-Jährige arbeitet in der Logistikbranche und legt dort an manchen Tagen bis zu 20 Kilometer zurück – zu Fuß. „Ich habe das mal per GPS getrackt“, erzählt Rutsch, der sein anspruchsvolles Training auch noch mit seinem Schichtdienst kordinieren muss. Seine Trainingskilometer spult er deshalb auch häufiger alleine ab – „am liebsten am Maschsee und in der nördlichen Eilenriede“.

Und 2016? Da darf sich die „Laufpass“-Konkurrenz zumindest ein wenig zurücklehnen. „Ich möchte mich auf Meisterschaften konzentrieren“, sagt Rutsch. Den ein oder anderen Volkslauf will er aber trotzdem laufen.

2 Gedanken zu „„Laufpass“-Sieger Jan Rutsch: Der Spätberufene

  1. Herbert

    Da gibt es kein „wenn“ und „aber“. Hier kann ich als kleiner Läufer dem Jan nur gratulieren und für die Zukunft alles Gute wünschen!
    Ich bin sehr gespannt, was da noch kommt.
    Der Bericht ist sehr interessant und kann tatsächlich auch motivieren.

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  2. Pingback: „Laufpass“: Das Gesamtranking 2015 › Laufen in Hannover » Laufblog der HAZ

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