„Rio ruft – und wir kommen“

Foto: Florian Petrow

Lisa und Anna Hahner. Foto: Florian Petrow

Wie es gehen kann, das haben Anna und Lisa Hahner schon vor zweieinhalb Jahren gezeigt. Die Zwillinge, 26 Jahre alt, liefen in Frankfurt zusammen Marathon und kamen in persönlicher Bestzeit (2:27:55 und 2:30:17 Stunden) ins Ziel. Dass die Schwestern 2016 erneut gemeinsame Sache machen, ist seit dieser Woche beschlossen, passieren soll es am 10. April. „Wir werden beide in Hannover starten“, sagt Anna Hahner. „Ich freue mich schon riesig.“ Nur eins ist noch in der Schwebe: Während die Ältere der beiden auf jeden Fall beim Marathon antreten wird, kommt für Lisa Hahner auch die Halbmarathondistanz in Betracht. „Wir wollen kein großes Risiko eingehen“, sagt Lisa. Beide haben dieses Jahr nun mal noch größere Pläne. Ihre Reise soll nach Rio de Janeiro führen, zu den Olympischen Spielen (5. bis 21. August).

Ob Hannover dazu das Sprungbrett sein wird oder aber die Generalprobe, das entscheidet sich in den nächsten Tagen, das hat sich heute entschieden: Auf Vorschlag des Deutschen Leichtathletik-Verbandes gelten nun für 17 der insgesamt 43 Wettbewerbe der Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro aktualisierte Normen. Ausschlaggebend dafür waren nicht zuletzt die bekannt gewordenen Dopingpraktiken vor allem in Russland und Kenia; das hat international viel aus dem Lot gebracht. Für den Marathon der Frauen werden vom Deutschen Olympischen Sportbund jetzt 2:30:30 Stunden gefordert. Die Hahners haben im vorgegebenen Qualifikationszeitraum (1. August 2015 bis 1. Mai 2016) diesen Leistungsbeweis bereits erbracht. „Rio ruft – und wir kommen“, lautete ihr erster Kommentar. Die Freude ist riesig.

Wie es ist, an der Startlinie am Sambodromo von Rio de Janeiro zu stehen, wissen sie bereits. 2015 testeten die Schwestern die Strecke und die besonderen Bedingungen schon einmal. Bis gestern mussten beide noch zittern, ob sie dabei sein werden, wenn es in Rio wirklich um etwas geht. Lisa Hahner, die im Oktober 2015 in persönlicher Bestzeit von 2:28:39 Stunden in Frankfurt deutsche Meisterin wurde, hatte dabei die besten Karten. Ihre Schwester, die den Berlin-Marathon vorigen September in 2:30:19 Stunden beendete, hätte wohl noch nachlegen müssen – das sollte in Hannover geschehen. Nun ist der ganz große Druck weg, und darüber sind beide froh.

Dieser Tage sind die Schwestern von einem Trainingslager in Neuseeland zurückgekehrt, mit 180 Laufkilometern pro Woche in den Beinen und der Überzeugung, einiges für die Grundschnelligkeit getan zu haben. Nun geht es weiter zum Trainieren nach Spanien und anschließend bis Mitte März nach Portugal. „Das ist dann schon die unmittelbare Vorbereitung auf Hannover“, sagt Lisa Hahner, die den Maschsee als ihre „Lieblingsstrecke“ bezeichnet. An die jüngsten Marathons in Hannover hat sie selbst keine so guten Erinnerungen. 2014 musste sie das Rennen aufgrund von starken Schmerzen im Fuß aufgeben. Voriges Jahr sah sie beim Start – auf Krücken gestützt – zu, nachdem ein Ermüdungsbruch wenige Wochen zuvor ihre sportlichen Pläne zunichte gemacht hatte. Jetzt könnte es Versuch Nummer drei am 10. April geben. Wenn sie gesund sei, könne sie sich den Marathonstart durchaus vorstellen, sagt Lisa Hahner. Trotz oder gerade wegen Olympia ­ der zeitliche Abstand zwischen beiden Wettkämpfen ist groß genug. „Wir wollen es beide hinbekommen“, sagt Anna Hahner. Am besten erst in Hannover, wo sie der Streckenrekord (2:27:07) zusätzlich reizt, dann als Schwestern-Duo in Rio.

April ist am 10. April zum 5. Mal dabei

Beim HAJ-Marathon am 10. April wird es ein Wiedersehen mit Lusapho April geben. Für den 33 Jahre alten Südafrikaner, der bei seinem Sieg 2013 in 2:08:32 Stunden den heute noch gültigen Streckenrekord aufstellte, ist es bereits der fünfte Start in Hannover. Seinen wohl größten Erfolg feierte der Olympiateilnehmer von 2012 mit einem 3. Platz beim New-York-Marathon 2013 (2:09:45). Den erhofften dritten Sieg in Hannover könnten April, der für Olympia in Rio de Janeiro plant, zwei Kenianer streitig machen: Philip Sanga reist mit einer persönlichen Bestzeit von 2:06:07 Stunden an, gelaufen 2011 in Frankfurt; mit Cheshari Kirui Jacob wird auch der Schnellste des Vorjahres (2:09:32) an der Startlinie stehen.

Während sich an der Streckenführung beim Marathon am 10. April nichts ändern wird, ist die Organisation nach dem Zieleinlauf verändert worden. Veranstalterin Stefanie Eichel kündigte an, dass den Läufern der Bereich zwischen Friedrichswall und Aegidientorplatz zur Verfügung steht. Im Vorjahr hatte es Kritik wegen des recht langen Weges zum Köbelinger Markt gegeben, den die Sportler nach ihrer Runde durch Hannover noch bewältigen mussten.

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Über Norbert Fettback

Norbert Fettback hat als Sportredakteur der HAZ die Fußballer von Hannover 96 rund 25 Jahre lang durch dick und dünn begleitet. Erst mit 50 entdeckte er für sich selbst das Laufen - auch um mehr als 40 überflüssige Pfunde loszuwerden. Nach der Premiere in New York (2005) absolvierte er Marathons unter anderem in Berlin, Chicago, Wien und Boston. Aufgrund diverser Verletzungen hat er sich bei der Wahl der Streckenlänge inzwischen mit dem Motto angefreundet: je kürzer desto besser.

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