HAZ-Laufgruppe: Entscheidend ist der Kopf

Das schlaucht: Ralf Berneburg (vorne mit blauer Jacke) beim Lauf über 31 Kilometer. Foto: Pingpank

Das schlaucht: Ralf Berneburg (vorne mit blauer Jacke) beim Lauf über 31 Kilometer. Foto: Pingpank

Beim Marathon gibt es eine vermeintliche Weisheit: Über den Erfolg entscheidet der Trainingsumfang. Punkt. Markus Pingpank lacht, wenn man ihn darauf anspricht. Als früherer Profiläufer weiß er, dass jeder Trainingskilometer nur so viel wert ist wie die Sportlerpsyche stark. „Entscheidend ist der Kopf“, sagt der Barsinghäuser.

Die Teilnehmer der HAZ-Laufgruppe, die sich seit dem Herbst auf den Hannover-Marathon am 10. April vorbereiten, trainieren unter seiner Anleitung deshalb nicht nur Lunge, Herz und Beine, sondern auch den Kopf. Unter anderem mit einem Härtetest: Einmal rund ums Steinhuder Meer. 31 Kilometer, ohne Aussicht auf Abkürzungen, falls die Kraft schwinden sollte, mit Abschnitten durchs menschenleere Moor. Lauftraining unter verschärften Bedingungen.

„Da wird die mentale Komponente beim Laufen sichtbar“, sagt Tanja Niehoff. Mit der HAZ-Gruppe hat die 43-Jährige bereits mehrere lange Läufe absolviert, dieser aber hatte es in sich. Steinhuder-Meer-Lauf – was sich so freundlich liest, war für sie eine „richtige Quälerei“. Und dennoch: „Der Lauf war schön“, sagt sie. Denn ihr mentaler Rettungsanker – das Handy, „damit ich jemanden zum Abholen hätte anrufen können“ – blieb auch diesmal unbenutzt. Aufgabe bestanden, würde der Trainer wohl sagen.

Vier Wochen vor dem Marathon ist auch Ralf Berneburg guter Dinge. Es lief für ihn am Steinhuder Meer – sogar deutlich schneller als geplant. „Am Ende konnte ich sogar noch Gas geben“, erzählt er sichtlich zufrieden. Zum Auftakt der HAZ-Gruppe im Herbst hatte der Gehrdener die Vier-Stunden-Marke als Ziel ausgegeben, und dabei soll es bleiben, selbst wenn ihn einige Mitläufer bereits mit höheren Zielen locken wollen.

Denn trotz der guten Trainingsergebnisse wird Berneburg am 10. April unter erschwerten Bedingungen an den Start gehen. Er muss beruflich in die USA und landet erst zwei Tage vor dem Marathon wieder in Hannover. Der Termin kam  kurzfristig, aus der Ruhe bringt er Berneburg aber nicht „Das wird schon. Auch wenn ich noch keine Ahnung habe, wie ich den Jetlag kompensieren werde.“ Es klingt, als habe das Steinhuder Meer seine positiven Spuren hinterlassen.

Doch trotz des akribischen Trainings bleibt ein Marathon nur bedingt planbar. „Dazwischenkommen kann immer etwas“, gibt Pingpank seinen Schützlingen gern mit auf den Weg. Davon kann auch Kristina Hannemann ein Lied singen. Im Herbst startete sie mit Elan in die Vorbereitung, die ersten Läufe waren schnell und vielversprechend – bis ein Infekt den nächsten jagte. Seit einigen Wochen macht eine Sehne im Fuß Probleme. Aufgeben kommt für sie trotzdem nicht infrage. „Ich habe mich aber für den Halbmarathon umgemeldet.“ Enttäuscht? „Nein, ich bin froh, dass ich mich so entschieden habe.“ Denn auch das kann am Ende einen Erfolg verhindern: Die lähmende Frage, ob der Körper rechtzeitig wieder fit wird.

„Wer es ums Steinhuder Meer schafft, der schafft auch den Hannover-Marathon“, hatte Pingpank seinen Läufern bereits vor einigen Wochen gesagt. Gute Aussichten für den 10. April. Denn angekommen sind sie alle.

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