Lesens- und Sehenswertes für Läufer

Dafür, dieses Buch jetzt hervorzuholen, um sich noch rasch für den Marathon in Hannover in Form zu bringen, ist es zu spät. So etwas zu versprechen wäre eine Mogelpackung, und für so etwas ist ein Herbert Steffny nicht zu haben. Mit 62 Jahren ist der 16-malige deutsche Meister längst auf der 2. Runde seiner Karriere – als Trainer, Autor, TV-Kommentator und Reiseveranstalter. „Das große Laufbuch“, 2004 erstmals erschienen und jetzt in einer 5., erweiterten Auflage auf den neuesten Stand gebracht, ist so etwas wie Steffnys Meisterwerk – und eine Pflichtlektüre für jeden Läufer und solche, die es werden wollen.

hfjsdkDa geht es logischerweise nicht ohne ein wenig Urschleim rund um diese Sportart. Und Erinnerungen des Autors: Wie die Geschichte mit Joschka Fischer, der – seinerzeit schlank und rank – dank Steffny 1998 seinen ersten Marathon in 3:41 Stunden bewältigte. Mit Sandra Wallenhorst hat auch eine Hannoveranerin ihren Auftritt in diesem Buch: Die Triathletin, 2009 und 2010 Ironman-Europameisterin, profitierte davon, dass Steffny ihr die Laufpläne für den steinigen Weg zu beiden Titeln schrieb. Den Amateuren vermittelt der Altmeister in dem Buch viel Hintergrundwissen, von der Trainingssteuerung über die richtige Ausrüstung bis hin zum „großen Lauf“. Für den hat Steffny unter anderem diesen Tipp parat: „Tempotraining können Sie immer noch in den letzten Wochen vor dem Frühjahrsmarathon nachholen, mangelnde Trainingsumfänge nicht mehr!“ Ja, da ist mit Blick auf Hannover auf die Schnelle nicht mehr allzu viel drin.
Herbert Steffny. „Das große Laufbuch. Alles, was man übers Laufen wissen muss“; Südwest Verlag, 408 Seiten, 24,99 Euro.

8990_01_plc_vonRL.inddDass Marathonlaufen trotz der allseits bekannten Herausforderungen an Körper und Geist längst nicht alles ist, beweist Harald Bajohr im mit viel Liebe und Detailkenntnis zu Papier gebrachten Bildband „Faszination Ultratrail“. Was sind schon 42 Kilometer auf Asphalt gegen 430 Meilen über Eis und Schnee bei Temperaturen bis zu minus 40 Grad Celsius? Darauf muss man sich beim Yukon Artic Ultra in Kanada gefasst machen. Es bedarf mehr als eines „gewissen Maßes an Abenteuerlust“, die der Autor diesen Extremläufern zuschreibt, um derartige Strapazen irgendwie durchstehen zu können. Bajohr, in Gladbeck zu Hause, stellt 30 Läufe vor, die sich auf alle Kontinente verteilen; rund die Hälfte hat er selbst schon hinter sich gebracht – er weiß also, worüber er schreibt. Das macht sein Buch zu einer interessanten Lektüre mit ungewöhnlichen Ausblicken. Auch für diejenigen, die sich ihr Leben lang wohl nie an einen Ultratrail-Lauf heranwagen werden. Sollte jemand, inspiriert auch von den klasse Bildern, dennoch Lust verspüren und die nötigen Voraussetzungen mitbringen: Wie wäre es mit dem Allgäu Panorama Ultramarathon oder dem Zugspitz-Ultratrail? In Sonthofen und Umgebung sind auf den 42 Kilometern „nur“ 1500 Höhenmeter zu nehmen, unterhalb der Zugspitze können sich Einsteiger über 25,7 Kilometer (mit 1566 Höhenmetern) versuchen. Wenn’s geschafft ist, kann man ja weitersehen.
Harald Bajohr: „Faszination Ultratrail. Die 30 spektakulärsten Rennen der Welt“; Bruckmann Verlag, 168 Seiten, 29,99 Euro.

DruckDer Fitness-Selbsttest nach fünf im Buch vorgegebenen Übungen verheißt: Da gibt es einiges zu tun, speziell für die Bauchmuskulatur. Sechs von 15 möglichen Punkten sind dabei herausgekommen, nicht ganz schlecht, dennoch ein „Abstiegsplatz“ in der Rubrik „Der Solide“. Und nun? Besserung scheint in Sicht, das jedenfalls verspricht Buchautor Thorsten Tschirner – vorausgesetzt, man bringt dazu Geduld, Ausdauer und Willensstärke auf. Das Erstaunliche bei dieser Methode: Nicht mehr als einmal am Tag muss man acht Minuten lang ran. Das hört sich kinderleicht an, doch der Teufel steckt in den Details, um zu einem „geschmeidigen Muskelapparat“ zu kommen. Das ist das große Ziel der vielen Übungen, die ohne Hilfsmittel absolviert werden können und die nicht nur Läufern guttun. Die Hauptrolle übernimmt dabei das eigene Körpergewicht; in vier Stufen über jeweils vier Wochen wird das Programm Schritt für Schritt anspruchsvoller. Zu Tschirners obersten Geboten zählt die Qualität der Übungsausführung – dazu gibt es nicht nur Gedrucktes, sondern auch eine DVD und eine kostenlose Online-Anleitung. Dann kommt man selbst dann nicht aus dem Tritt, wenn man unterwegs ist und das Buch zu Hause vergessen hat.
Thorsten Tschirner: „Das 8-Minuten-Muskel-Workout ohne Geräte“; GU-Verlag, 80 Seiten, Klappenbroschur, 19,99 Euro.

jfkldöäaUnd noch eine geballte Ladung Fitness! Sie kommt auf zwei DVDs daher, und der Lieferant ist in Hannover kein Unbekannter. Wenn auch weniger in Läufer- denn in Fußballerkreisen: Ingo Geisler hat mehrere Jahre als Leistungs- und Bewegungsdiagnostiker sowie Athletiktrainer bei den 96-Bundesligaprofis gearbeitet. Inzwischen ist er mit seiner eigenen Firma sportdiagnostix in Dortmund tätig. Die Verbindungen nach Hannover sind nicht abgerissen; zu den Protagonisten der beiden DVDs gehören mit Jörg Schmadtke, Leon Andreasen, Axel Partenheimer und Ralf Blume frühere 96-Wegbegleiter Geislers. Anders als derzeit in der Liga ist Andreasen wiederholt in Aktion zu sehen, wenn das mehr als vierstündige Programm mit mehr als 200 Übungen und vielen nützlichen Tipps abgespult wird, die auch für Läufer unverzichtbar sind. Geisler macht deutlich, wie wichtig eine gut ausgebildete Bauch- und Rückenmuskulatur für das regelmäßige Sporttreiben ist – er folgt dabei dem Ansatz: „Die meiste Kraft kommt aus dem Körperzentrum.“ In den Übungen, die auf den DVDs zum Nachmachen demonstriert werden, rückt er außer dem Kräftigungs- und Faszientraining auch die Sensomotorik und Koordination in den Blickpunkt. Nützliche Hinweise gibt es zur Therapie unterschiedlicher Verletzungen und Schmerzen. Letzterem lässt sich vorbeugen – wenn man das beherzigt und umsetzt, was auf der ersten DVD zu sehen und zu hören ist.
Ingo Geisler: „Funktionelles Athletiktraining – Mit Faszien-Training zu mehr Leistung und weniger Verletzungen“; philippka sportverlag, 2 DVD, 265 Minuten; 24,80 Euro.

Noch mehr Buchtipps gefällig?

Hier geht es zu Teil 1, Teil 2 und Teil 3 der Laufbuchrezensionen.

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Über Norbert Fettback

Norbert Fettback hat als Sportredakteur der HAZ die Fußballer von Hannover 96 rund 25 Jahre lang durch dick und dünn begleitet. Erst mit 50 entdeckte er für sich selbst das Laufen – auch um mehr als 40 überflüssige Pfunde loszuwerden. Nach der Premiere in New York (2005) absolvierte er Marathons unter anderem in Berlin, Chicago, Wien und Boston. Aufgrund diverser Verletzungen hat er sich bei der Wahl der Streckenlänge inzwischen mit dem Motto angefreundet: je kürzer desto besser.

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