„Hannover würde etwas fehlen“

ak_020416_Laufgruppe_006Lauftrainer Markus Pingpank spricht im Interview über die HAZ-Vorbereitungsgruppe, sein Staffelrennen mit Dieter Baumann am 10. April und den Stellenwert des Hannover-Marathons.

Herr Pingpank, unter Ihrer Anleitung haben sich im Oktober vorigen Jahres rund 100 Freizeitsportler der HAZ-Vorbereitungsgruppe für den Hannover-Marathon 2016 angeschlossen. Wie viele von ihnen werden am 10. April am Start stehen, um sich einen Traum zu erfüllen?
Antreten werden mindestens 85 Läuferinnen und Läufer. Das sind im Vergleich mehr als in den Vorjahren. Ein Grund dafür waren die guten Wetterbedingungen im Verlauf der Vorbereitung. Die allermeisten haben den Gedanken verinnerlicht,  sich in der Anfangsphase nicht zu überfordern, was wichtig ist, um durchzukommen. Ein Übriges dazu beigetragen hat die um einen Monat längere Vorbereitungszeit. Dieser und jener Teilnehmer musste aber auch erkennen, dass es trotzdem noch nicht reicht für die 42,2 Kilometer. Sie werden jetzt beim Halbmarathon dabei sein, bei dem etwa 60 Prozent der HAZ-Vorbereitungsgruppe starten wird.

Foto: Alexander Körner

Foto: Alexander Körner

Wie wichtig war es speziell für die neuen Gruppenmitglieder, dass sich die Vorbereitung auf den Hannover-Marathon über einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten erstreckte?
Der Lerneffekt, um sich auf diese Herausforderung einstellen zu können, war aus diesem Grund größer. Sie haben so beispielsweise das Intervalltraining kennen und schätzen gelernt, ehe es im Dezember mit längeren Läufen losging.

Die HAZ-Vorbereitungsgruppe ist bereits zum achten Mal an den Start gegangen. Was hält die Idee, die dahinter steckt, Jahr für Jahr am Laufen?
Das Marathon-Wochenende in Hannover ist nun mal das größte breitensportliche Event weit und breit. Viele Freizeitsportler, darunter zahlreiche Neulinge, suchen die Chance, sich zielstrebig zusammen mit Gleichgesinnten darauf vorbereiten zu können statt allein so ein anspruchsvolles Pensum zu absolvieren. Insofern hält der Zuspruch an.

Was geben Sie den Sportlern der von Ihnen betreuten Gruppe für den 10. April mit auf den Weg?
Dass sie vor allem Spaß an ihrem Lauf haben und nicht die Leistung, gemessen an einer bestimmten Zielzeit, in den Vordergrund rücken sollen. Es ist wichtig, den Marathon oder die halbe Distanz so zu absolvieren, dass man gesund ins Ziel kommt und vorher die schönen Momente an der Strecke genießen kann.

Die Betreuer der HAZ-Laufgruppe (von links):  Markus Pingpank, , Dieter Geyer, Steffi Hansen, Silke Pingpank, Heico Bornemeier und Reinald Maletzka. Es fehlen auf dem Bild Maike Kaschorek und Denise Renziehausen.  Foto: Körner

Die Betreuer der HAZ-Laufgruppe (von links): Markus Pingpank, , Dieter Geyer, Steffi Hansen, Silke Pingpank, Heico Bornemeier und Reinald Maletzka. Es fehlen auf dem Bild Maike Kaschorek und Denise Renziehausen. Foto: Körner

Sie werden am 10. April in mehrfacher Hinsicht gefordert sein. Und zwar nicht nur als Trainer der HAZ-Vorbereitungsgruppe, sondern auch als Chef des Vereins Hannover Athletics, von dem 57 Sportler das Rennen aufnehmen werden, und als Marathonstaffelläufer zusammen mit Dieter Baumann. Stimmt die eigene Form, um mit gutem Beispiel vorangehen zu können?
Es ist richtig, mein Programm ist recht voll. Die Staffel  ist dabei eine zusätzliche Herausforderung. Dieter und ich müssen sehen, ob es damit klappt, Anna und Lisa Hahner zu helfen,  auf eine Zeit unter 2:30 Stunden zu kommen. Das dafür nötige Tempo schüttelt unsereins auch nach drei Wochen intensiven Trainings mit jeweils 100 Kilometern nicht aus dem Ärmel. Aber auch für beide uns gilt: Wir wollen Spaß haben, die Leistung ist nicht das A und O. Ich werde die erste Hälfte des Marathons übernehmen, dann muss Dieter zeigen, was er noch drauf hat. Ich halte für unser Duo eine Zeit zwischen 2:30 und 2:34 Stunden für realistisch.

Zum Staffelsieg wird das nicht reichen.
Nein, da werden andere vor uns sein. Etwa die erste Staffel von Hannover Athletics. Darauf kann ich dann auch stolz sein.

Welche Erinnerungen haben Sie an frühere Rennen, in denen Dieter Baumann nicht Ihr Laufpartner wie jetzt in Hannover, sondern Ihr Konkurrent war?
Zu Anfang unserer Karriere als Leistungssportler Mitte der Achtzigerjahre habe ich ihn in Wettkämpfen vor allem in der Halle fast  immer hinter mir gelassen. 1994, also zum Ende meiner aktiven Zeit, sind wir in Kappelrodeck noch mal in einem 10-Kilometer-Bahnrennen gegeneinander angetreten. Dieter, der da schon Olympiasieger war, hat sich mit klarem Vorsprung den Sieg geholt, ich wurde Dritter in 29:31 Minuten und dabei von ihm auf den letzten Metern überrundet.

Sowohl Dieter Baumann als auch Sie haben sich später auf der Marathondistanz versucht. Dieses Vorhaben war nicht von Erfolg gekrönt. Woran lag das?
Ganz einfach: Unsere Muskulatur ist für diese Art von Rennen nicht die richtige. Beide kamen wir von der Mittelstrecke mit dem Schwerpunkt 1500 Meter, da werden andere Anforderungen gestellt. Im Klartext: Es gibt ausdauernde Muskulatur, die für Marathonläufer besonders wichtig ist, oder eben die sogenannte schnelle Muskulatur, die den Waden besonders viel abverlangt und mit der es zu guten Leistungen bis hin zu  10 000 Metern reicht. Hinzu kam, dass wir die Marathondistanz für uns zu spät entdeckt haben.

Wie bewerten Sie die aktuelle Entwicklung in der deutschen Marathonszene?
Arne Gabius hat für wichtige Impulse gesorgt, auch Leute wie Philipp Pflieger, Julian Flügel und Andre Pollmächer machen von sich reden. Und bei den Frauen gibt es auch nicht nur die Hahner-Schwestern. Das alles dürfte ein lange nicht da gewesener Ansporn für viele Nachwuchsläufer sein. Der Schritt des Verbandes, die Qualifikationszeiten für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro anzupassen, war eine vernünftige Entscheidung, auch wenn es dort für die Deutschen wohl nicht zu vorderen Plätzen reichen wird. Chancengleichheit besteht international erst dann, wenn das Dopingkontrollsystem weltweit  funktioniert und bei Verfehlungen konsequent durchgegriffen wird. Die Erfolge, die beispielsweise Läufer aus Kenia oder Äthiopien vorzuweisen haben, sind nicht nur mit dem Höhentraining zu erklären; da ist vieles nach wie vor suspekt.

Den Marathon in Hannover haben Sie bereits erlebt, als dieser zu Anfang der Neunzigerjahre noch in den Kinderschuhen steckte. Was vor allem hat sich seitdem getan?
Die Veranstaltung ist deutlich professioneller geworden und hat mehr Eventcharakter erhalten. Das Marathonwochenende zieht vor allem Freizeitsportler an, sonst wären insgesamt 20 000 Starter auch nicht vorstellbar. Inzwischen gehört der Marathon mit allem Drum und Dran fest zu Hannover, ohne ihn würde etwas fehlen.

 

2 Gedanken zu „„Hannover würde etwas fehlen“

    1. Norbert

      Mit Hannover kannst Du eigentlich nichts falsch machen. Die Strecke hat so gut wie kein Höhenprofil, und über das Wetter konnte man sich in den vergangenen Jahren ebenfalls nicht beschweren. Diesmal ist der Lauf jedoch noch eine Woche eher, aber das wirst Du längst mitbekommen haben. Ich würde Hannover an Deiner Stelle wärmstens in Erwägung ziehen.

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