„Zusammen trainiert es sich besser“

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Herr Pingpank, an diesem Sonnabend startet die HAZ-Vorbereitungsgruppe, in der sich Freizeitläufer im Vorfeld des Hannover-Marathons zusammenfinden, in ihre neunte Saison. Machen Sie als Trainer dieses Mal etwas anders als in früheren Jahren?
Es wird noch mehr Wert gelegt auf sogenannte Kraftkomponenten, also auf Kraftausdauer- und Ausgleichstraining. Es geht also nicht nur ums Laufen, wozu sich die Gruppe regelmäßig sonnabends trifft. Zum Beispiel am Tag danach Schwimmen gehen, das ist eine gute alternative Möglichkeit. Schon beim vorigen Mal war das Teil des Programms, das die Läuferinnen und Läufer als Richtschnur in die Hand bekommen haben. Man braucht dazu keine Geräte, es geht letztlich um ein Mehr an Beweglichkeit, die im Alter nachlässt. Das Ganze hat sich bewährt.

Woran ist das festzumachen?
Es sind mehr Gruppenmitglieder an den Start gegangen, die Quote derjenigen, die passen mussten, war also geringer. 20 Prozent Nichtstarter, wie vor 2016, sind einfach zu viel. Dieses Frühjahr waren wir bei rund 10 Prozent. Mein Ziel ist, dass möglichst jeder, der mit der Gruppe die Vorbereitung auf den Marathon oder Halbmarathon beginnt, am 9. April dann auch ins Rennen geht.

Beschreiben Sie doch mal den „typischen“ Läufer, der sich der HAZ-Gruppe anschließt.
Er ist Mitte 40, ist bislang im Durchschnitt zwei-, dreimal in der Woche gelaufen und übt beruflich eine sitzende Tätigkeit aus – Letzteres hat häufig muskuläre Dysbalancen zur Folge. Die große Mehrzahl der diesjährigen Gruppenmitglieder strebt einen Start auf der Halbmarathondistanz an. Was gut ist: Nur einige wenige haben diesmal angegeben, dass sie im Vorfeld Probleme aufgrund von Verletzungen hatten.

Der Trend zum Halbmarathon, also den 21,1 Kilometern, ist für den Hannover-Marathon seit Jahren typisch. Auch deutschlandweit ist diese Entwicklung zu beobachten. Die HAZ-Vorbereitungsgruppe macht da anscheinend keine Ausnahme.
Ich meine, vielen geht es bei so einem monatelangem Vorhaben zunächst darum, gut über den Winter zu kommen. Das ist nun mal die Jahreszeit, die Läufern mit Ambitionen besonders viel abverlangt. Zusammen trainiert es sich einfach besser, wenn es draußen kalt und wenig einladend ist. Dass mehr als die Hälfte der neuen HAZ-Gruppe schon einmal oder gar mehrfach dabei war, macht dies deutlich. Hinzu kommt der gesundheitliche Aspekt: Ein Marathon verlangt einem nun mal deutlich mehr ab.

Was ist nötig, um das Programm bis zum April gut durchzustehen?
Lauferfahrung mitzubringen, im Vorfeld also einmal, besser zweimal die Woche gelaufen zu sein, ist ein Punkt. Als Neueinsteiger sich gleich den Marathon vorzunehmen, das funktioniert in sechs Monaten nicht. Erst recht nicht, wenn man eine bestimmte Zeit im Hinterkopf hat. Wer ein Zeitziel verfolgt, der muss sich nach der vorgegebenen Trainingsstruktur richten. Beim Halbmarathon gehört dazu in der Regel neben zumindest zweimal Laufen ein Ausgleichstraining pro Woche. Dann muss keiner ein schlechtes Gewissen haben.

Wie hat sich aus Ihrer Sicht der Hannover-Marathon in den vergangenen Jahren entwickelt?
Bezogen auf den eigentlichen Marathon gibt es kleine Fortschritte. Die Veranstaltung insgesamt hat sich toll entwickelt und ist aus Hannover nicht mehr wegzudenken.
Interview: Norbert Fettback

Zur Person
Markus Pingpank (52) gehörte in seiner aktiven Zeit zu den besten deutschen Langstreckenläufern – mit persönlichen Bestzeiten von 13:42 Minuten über 5000 Meter, 28:36 Minuten über 10.000 Meter und 1:06 Stunden im Halbmarathon. Der Barsinghäuser, der in Johannesburg (Südafrika) als Kind deutscher Auswanderer zur Welt kam, gibt seine Erfahrungen und sein Wissen seit Jahren als Lauftrainer weiter. So auch für Leser der HAZ: 2003/2004 gab es die erste Gruppe, die sich unter seiner Anleitung auf den Hannover-Marathon vorbereitete. Unterstützt wird Pingpank, der auch Vorsitzender des vor drei Jahren gegründeten Vereins Hannover Athletics ist, dabei von sieben erfahrenen Freizeitläufern, die die nach Leistungskriterien zusammengestellten Vorbereitungsgruppen in den nächsten Monaten begleiten. Bei der Ausbildung zum A-Trainer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes ist Pingpank auf der Zielgeraden.

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Über Norbert Fettback

Norbert Fettback hat als Sportredakteur der HAZ die Fußballer von Hannover 96 rund 25 Jahre lang durch dick und dünn begleitet. Erst mit 50 entdeckte er für sich selbst das Laufen – auch um mehr als 40 überflüssige Pfunde loszuwerden. Nach der Premiere in New York (2005) absolvierte er Marathons unter anderem in Berlin, Chicago, Wien und Boston. Aufgrund diverser Verletzungen hat er sich bei der Wahl der Streckenlänge inzwischen mit dem Motto angefreundet: je kürzer desto besser.

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