„Weniger macht mehr Spaß“

Mike Asche trainiert mit der HAZ-Gruppe für den Hannover-Marathon. Foto: Katrin Kutter

Mike Asche trainiert mit der HAZ-Gruppe für den Hannover-Marathon. Foto: Katrin Kutter

Wer zu Mike Asche will, der kommt ins Schwitzen. Bis zum vierten Stock, wo der Steuerberater sein Büro hat, sind es 104 Treppenstufen. Ungeübten, die auf den Fahrstuhl verzichten, treibt das den Schweiß auf die Stirn. Für Asche, 40 Jahre alt und seit einem Jahr in der hannoverschen Südstadt zu Hause, ist es ein willkommenes Zusatzprogramm zum wöchentlichen Lauftraining. Und eine Erinnerung daran, wie alles begann. Damals, vor rund 15 Jahren und mit mehr als 100 Kilogramm Körpergewicht. „Beim Treppensteigen ist mir die Luft weggeblieben“, berichtet er. „Ich war total kurzatmig und körperlich ganz schlecht drauf.“ Irgendwann sei der Punkt gekommen, zu sich selbst zu sagen: „Das willst du mit Mitte zwanzig eigentlich nicht.“

Es blieb nicht beim Vorsatz, das zeigt heutzutage nicht nur die Waage an. 45 Marathons ist Asche seitdem gelaufen. Im November war er in New York am Start, der nächste soll in gut drei Monaten in Hannover folgen. Das eine hat durchaus mit dem anderen zu tun: Als sich die HAZ-Vorbereitungsgruppe, die sich für den 9. April in Form bringt, zum ersten Mal traf, da fehlte Asche – er hielt sich noch in „Big Apple“ auf. „Trainer Markus Pingpank hat mir das nachgesehen“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Asche hat sich zum ersten Mal diesem Kreis von Freizeitläufern angeschlossen. Dabei würde er seinen nächsten Marathon gewiss auch ohne die regelmäßigen Treffs gut über die Bühne bringen. Doch bislang war er Autodidakt: Seine Laufkarriere startete er einst damit, dass er sich ein Buch zum Thema kaufte und für sich allein die ersten Runden im Wald drehte. Anfangs mit Pausen nach jedem Kilometer; ein paar Wochen später habe er dann schon sechs oder sieben geschafft, ohne zwischendurch stehen bleiben zu müssen. Noch leichter wurde es für ihn, als er sich der Laufgruppe in Hämelerwald, seinem damaligen Wohnort, anschloss. Feste Zeiten und Termine zu haben, das sei gut für die Motivation über das ganze Jahr hinweg.

Sich zur HAZ-Gruppe anzumelden, war für ihn insofern ein logischer Schritt. Es gehe ihm nicht zuletzt darum, sich in den Wochen unmittelbar vor dem Marathon spezifisch vorzubereiten. „Da hoffe ich auf gute Tipps vom Trainer“, sagt Asche. Derzeit muss er selbst manche Frage beantworten, wenn sich die Gruppe, zu der auch etliche noch wenig erfahrene Läufer gehören, sonnabends trifft, um das Pensum gemeinsam zu absolvieren. Berichten kann der 40-Jährige einiges aufgrund seiner Marathonpraxis.

Nicht wenige staunen, dass es ihm dabei nicht darum geht, neue persönliche Bestzeiten aufzustellen. Bei entsprechender Vorbereitung könne er die 42,195 Kilometer in 3:10 bis 3:20 Stunden schaffen, sagt er. Doch dafür müsse er mehr als viermal pro Woche trainieren, wofür ihm die Zeit fehle. „Weniger macht mehr Spaß“, so beschreibt er sein Motto. „Ich fühle mich wohl, und die Belastung ist nicht so groß.“ So wird er am 9. April wohl um etwa eine halbe Stunde über seinem „Hausrekord“ von 3:14 bleiben – und trotzdem mit sich zufrieden sein.

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Boston 2013: Gut, dass der Freund dabei war

Auf einen Schlag, als in den Nachrichten vom Terroranschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt berichtet wurde, waren sie wieder da: die Erinnerungen an den 15. April 2013 in Boston. An jenen furchtbaren Tag, als Attentäter im Marathon-Zielbereich im Herzen der Millionenstadt zwei Sprengsätze zündeten. Drei Menschen starben, 264 wurden verletzt. Mike Asche, der zum großen Läuferfeld gehörte, hatte riesiges Glück, dass ihm nichts passierte. „3:45 Stunden, das war die Zeit, die ich mir zusammen mit meinem Freund Gerhard für dieses Rennen vorgenommen hatte“, sagt er. „Wenn wir das geschafft hätten, wären wir ziemlich genau zu dem Zeitpunkt im Ziel gewesen, als die Bomben detonierten.“

Doch sein Lauffreund sei an dem Tag nicht in der Form gewesen, das schaffen zu können. „Er war nicht gut drauf, da habe ich zu ihm gesagt, dass ich mich ihm anschließe und Tempo rausnehme.“ Eine ausgesprochen gute Fügung, auch wenn der Marathon für beide nach etwa 40 Kilometern vorzeitig zu Ende war. Vor ihnen ging nichts mehr, alles staute sich, die furchtbare Nachricht vom Attentat machte die Runde und verbreitete Fassungslosigkeit. „In so einem Moment gehen einem tausend Sachen durch den Kopf“, sagt Asche. Etwa danach, ob der Freundin seines Laufkumpels, die im Zielbereich auf die beiden wartete, etwas passiert sei.

Entwarnung gab es im Hotel, wo sich die drei dann körperlich unversehrt wiedersahen. Für das Trio aus Niedersachsen war alles noch einmal gut gegangen. Mit dem Boston-Marathon, den Mike Asche bis zu jenem tragischen Moment als einen Lauf mit einer „unglaublich tollen Stimmung“ und „einen der schönsten überhaupt“ erlebt hatte, verbinden sich seitdem für ihn äußerst zwiespältige Gefühle.

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Über Norbert Fettback

Norbert Fettback hat als Sportredakteur der HAZ die Fußballer von Hannover 96 rund 25 Jahre lang durch dick und dünn begleitet. Erst mit 50 entdeckte er für sich selbst das Laufen - auch um mehr als 40 überflüssige Pfunde loszuwerden. Nach der Premiere in New York (2005) absolvierte er Marathons unter anderem in Berlin, Chicago, Wien und Boston. Aufgrund diverser Verletzungen hat er sich bei der Wahl der Streckenlänge inzwischen mit dem Motto angefreundet: je kürzer desto besser.

2 Gedanken zu „„Weniger macht mehr Spaß“

  1. Marc Herrmann

    „Mit dem Boston-Marathon, den Mike Asche bis zu jenem tragischen Moment als einen Lauf mit einer „unglaublich tollen Stimmung“ und „einen der schönsten überhaupt“ erlebt hatte, verbinden si“

    Irgendwie ist der Text nicht vollständig

    Antworten
    1. Norbert

      Hallo Marc,
      inzwischen ist der Text komplett. Da war beim Onlinestellen was schiefgelaufen. Sorry und viele Grüße!
      Norbert

      Antworten

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