HAZ-Laufgruppe: Mit 50 vor dem Marathon-Debüt

Michael Strube will in Hannover seinen ersten Marathon laufen. Foto: Pingpank

Es hat lange gedauert bei Michael Strube, bis er diese andere Seite des Sports für sich entdeckt und damit Prinzipielles infrage gestellt hat. „Fußballer sind grundsätzlich lauffaul“, sagt der Hemminger mit einem Grinsen im Gesicht, „und ich war da keine Ausnahme.“ Jetzt, mit 50, hat er sich auf den Weg gemacht, es sich selbst zu zeigen, dass es auch anders geht. Ohne Fußballschuhe, die er 45 Jahre lang bei den Sportfreunden Ricklingen, in Pattensen, Arnum und Wilkenburg geschnürt hat. Und mit Asphalt statt Rasen unter der Sohle: Am 9. April wird Strube in Hannover zu seinem ersten Marathon antreten.

42 Kilometer am Stück – eine Sache, die er sich früher nie hätte träumen lassen. „Ich habe einen horrenden Respekt davor“, sagt Strube, der sich seit November mit den anderen Läufern der HAZ-Vorbereitungsgruppe bei den regelmäßigen Treffs in Form bringt für die große Runde durch Hannover. So am Sonnabend in der Masch mit Tempoläufen über 3000 Meter. Für den 50-Jährigen ist das eine vergleichsweise leichte Übung: Auf kurzen Distanzen fühlt er sich durchaus wohl – wie Fußballer eben so sind. Die zehn Kilometer nennt er gar seine Lieblingsstrecke. Auf dieser Distanz hat Strube seit 2009, als er sich mit dem Laufen anzufreunden begann, weil es ihm bei den balltretenden Alt-Alt-Herren nicht mehr wirklich behagte, schon einiges hinter sich gebracht. Nun steht aber mehr als das Vierfache auf dem Programm. Das lässt sich nicht aus dem Ärmel schütteln, sondern muss mit viel Trainingsfleiß und Disziplin erarbeitet werden.

Gut zwei Monate vor dem großen Tag ist Strube, der bei einem hannoverschen Agrarhandelsunternehmen im kaufmännischen Bereich tätig ist, bei 28 Kilometern angekommen. Das ist sein bislang längster Trainingslauf überhaupt gewesen. Und plötzlich war der Fußballer wieder da – der mit den immer noch strammen Oberschenkeln. „Die taten mir ganz schön weh“, sagt er.

Foto: Pingpank

Ein Drittel der Strecke fehlt dem 1,86 Meter großen Läufer noch bis zum selbst gesetzten Ziel. Ohne Schmerzen wird es auch in den kommenden Wochen nicht vorangehen, das ist Strube klar: Marathon ist nun mal ein Leidensweg. In der monatelangen Vorbereitung ebenso wie an dem Tag, an dem es ernst wird. Erst recht, wenn man 93 Kilogramm auf die Waage bringt wie er. Die Gruppe, und dazu zählt er auch jene Weggefährten, mit denen er sich schon seit Jahr und Tag jeden Donnerstag am Maschsee trifft, hilft ihm über jene Momente hinweg, in denen man Gefahr läuft, die Lust am Trainieren zu verlieren. „Da hole ich mir Motivation und Spaß“, sagt er.

Und nicht nur das: Als Neuling saugt Strube begierig all das auf, was erfahrene Marathonis zu berichten wissen. Noch ist Zeit, Fehler abzustellen – wie jüngst den vergessenen Energieriegel bei einem der langen Trainingsläufe. „Mit einem Mal war der Tank leer“, sagt er. Wichtige Tipps gibt es auch von Trainer Markus Pingpank, der ihm und den anderen in der Gruppe mit einem Trainingsplan den roten Faden für die Zeit bis zum Marathon am 9. April liefert. „Daran halte ich mich eisern“, sagt Strube. „Ich will mir hinterher nichts vorwerfen müssen.“

Eine wichtige Lektion vor dem ersten Marathon lautet auch, den eigenen Ehrgeiz zu zügeln. „Ich will das Rennen nicht zu schnell angehen“, sagt Strube. „Mir geht es am Ende nicht um die Zeit, sondern ums Ankommen.“ Helfen soll ihm dabei mit Dieter Geyer jemand, den er von den sonnabendlichen Trainingsläufen gut kennt. Geyer, ein erfahrener Marathoni und selbst schon 2004 in der ersten HAZ-Vorbereitungsgruppe dabei, wird am 9. April mit einem großen gelben Ballon unterwegs sein. Darauf ist die Laufzeit vermerkt, die beim Erreichen des Ziels am Friedrichswall angestrebt wird. „Vier Stunden und 15 Minuten, daran will ich mich orientieren“, sagt Strube.

Und anschließend will er das Gefühl genießen, es geschafft zu haben. Eine erfolgreiche Premiere – ein schöneres Geschenk kann man sich selbst im 50. Lebensjahr wohl kaum machen.

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Über Norbert Fettback

Norbert Fettback hat als Sportredakteur der HAZ die Fußballer von Hannover 96 rund 25 Jahre lang durch dick und dünn begleitet. Erst mit 50 entdeckte er für sich selbst das Laufen – auch um mehr als 40 überflüssige Pfunde loszuwerden. Nach der Premiere in New York (2005) absolvierte er Marathons unter anderem in Berlin, Chicago, Wien und Boston. Aufgrund diverser Verletzungen hat er sich bei der Wahl der Streckenlänge inzwischen mit dem Motto angefreundet: je kürzer desto besser.

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