Hannover-Marathon: Garantien von ganz oben

FOTO: Florian Petrow

Das passte! Zum Teilnehmerrekord – bislang offiziell 21.349 Starter für die insgesamt neun Wettbewerbe des proppevollen Laufwochenendes – gab es am Freitag kurz vor 14 Uhr eine rekordverdächtige Schlange. An die 250 Meter lang, sie reichte sie bis hinter die Treppe des Neuen Rathauses bis zum Eingang der Marathonmesse, die zu diesem Zeitpunkt noch geschlossen war.

Dort gab es nicht etwa was umsonst, stattdessen jedoch die Startunterlagen für die kommenden beiden Tage. Und dazu alles Mögliche, was des Läufers Herz begehrt. Es hat den Anschein, dass viele es kaum erwarten können, bis der Startschuss fällt. Mit den Nachmeldungen, die bis Sonntag noch möglich sind, wird die Zahl derjenigen, die in Hannover antreten wollen, mit großer Wahrscheinlichkeit die 22 000er-Marke überschreiten. Das gab es noch nie in 27 Jahren.

Verlass zu sein scheint erneut auf das Wetter. Dies muss ja auch so sein, wenn der Sportminister des Landes Niedersachsen das höchstpersönlich absegnet. Boris Pistorius verspricht den Sportlern für den Sonntag beim „berühmtesten Marathon der Welt“, wie er augenzwinkernd anmerkte, viel Sonne und Wohlfühltemperaturen. Oberbürgermeister Stefan Schostok setzt gar noch einen drauf. „Garantierte 19 Grad Celsius“, so lautet seine Prognose. Angenommen! Dann kann’s ja losgehen am Sonntag um 9 Uhr!

Guter Dinge sind auch die Asse, die an der Startlinie stehen werden. In den vergangenen drei Monaten sei es bei ihm durchweg bergauf gegangen, sagt Arne Gabius. Der deutsche Rekordhalter im Marathon meint damit nicht die Anstiege im Trainingslager in Kenia in 2500 Metern Höhe, sondern seine Form nach monatelangen Verletzungsproblemen. Er sei froh, „dass ich wieder zurück bin im Laufzirkus“, sagte er gestern. Am Sonnabend will sich Gabius vor seiner Hannover-Premiere die ihm unbekannte Strecke noch etwas genauer anschauen, „die zweite Hälfte ist doch sehr eckig“, wie er meint.

Lusapho April aus Südafrika hält dagegen, nicht nur verbal. Dreimal schon hat er in Hannover gewonnen, mit 2:08:32 Stunden hält er auch den Streckenrekord – und dieses Mal fühlt er sich besser als 2016, als es in Bezug auf die Zielzeit nicht nach Wunsch lief. „Meine Vorbereitung war diesmal deutlich besser“, sagt er. Viele rechnen ja mit einem Zweikampf um den Sieg zwischen Gabius und April. Doch wollen sich Philipp Sanga Kimutai und Nicholas Kamakya aus Kenia, die beide den Marathon schon in 2:06 Stunden gelaufen sind, oder der erfolgshungrige Norweger Sondre Nordstad Moen wirklich mit der Beobachterrolle begnügen? Schwer zu glauben. In Expertenkreisen wird gemutmaßt, dass die Spitze des Feldes bis Kilometer 25 zusammenbleibt. Danach könnte die Post abgehen – mit „hoffentlich mindestens drei Läufern unter 2:10 Stunden im Ziel“, wie der Berliner Athletenmanager Christoph Kopp sagt.

Für Fate Tola hat Kopp einen Spezialauftrag: Klares Ziel für die Frau aus Braunschweig sei ein neuer Streckenrekord. Der aktuelle steht bei 2:27:07 Stunden – Tola sagt zuversichtlich: „Mal sehen, was nach Kilometer 21 geht.“

Eine ganze Menge geht beim Halbmarathon. Bei 8652 steht die Zahl der Voranmeldungen, Zuwachs bis Sonntag garantiert. Der Kampf um die deutsche Meisterschaft macht die Sache besonders spannend und attraktiv. So tritt bei den Frauen Anja Scherl gegen Sabrina Mockenhaupt an. „Mocki“ hatte nach ihrem klasse Rennen in Berlin vorigen Sonntag (Achte in 1:12:11) noch rechtzeitig bemerkt, dass mit ihrer Anmeldung in Hannover etwas schiefgelaufen war. Für 100 Euro Aufschlag konnte das Versäumnis aus der Welt geschafft werden. Die Titelverteidigerin wird am Sonntag um 11.15 Uhr in der ersten Startreihe stehen und will wieder Meisterin werden. Auch das dürfte Spannung garantiert sein.

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Über Norbert Fettback

Norbert Fettback hat als Sportredakteur der HAZ die Fußballer von Hannover 96 rund 25 Jahre lang durch dick und dünn begleitet. Erst mit 50 entdeckte er für sich selbst das Laufen – auch um mehr als 40 überflüssige Pfunde loszuwerden. Nach der Premiere in New York (2005) absolvierte er Marathons unter anderem in Berlin, Chicago, Wien und Boston. Aufgrund diverser Verletzungen hat er sich bei der Wahl der Streckenlänge inzwischen mit dem Motto angefreundet: je kürzer desto besser.

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