HAZ-Laufgruppe: Auf der Zielgeraden

Der große Tag ist nicht mehr fern. Seit November haben sich die Mitglieder der HAZ-Vorbereitungsgruppe für den 9. April in Form gebracht. Ob Marathon oder Halbmarathon: Am kommenden Sonntag wird sich zeigen, ob das Training gefruchtet hat und sportliche Wünsche in Erfüllung gehen. Fünf Läuferinnen und Läufern aus der Gruppe geben Einblicke, wie es bei ihnen bisher gelaufen ist.

Die Fleißigen: Jens Kuhlmann und Jens Niemann

Andere würden sich schwertun mit so einem Satz. Er nicht, denn das ist nun mal seine Sicht der Dinge, wenn es ums Laufen geht. „Ich gehöre zu den Langsamen“, sagt Jens Kuhlmann, ohne sich dafür zu schämen. Anderen geht es häufig darum, immer schneller zu werden, die eigene Bestzeit anzugreifen – Fortschritt gemessen in Minuten und Sekunden. Kuhlmann, der in Bad Münder wohnt und Bankkaufmann ist, definiert seine Motivation anders. „Es ist auch eine Erfüllung, in seiner eigenen Klasse zu laufen“, sagt er. „Mir geht es darum, Spaß zu haben.“

Seine Klasse – das sind um die 2:30 Stunden für einen Halbmarathon. Zum Vergleich: Das sind an die 20 Minuten mehr bezogen auf die Zeit, die am Sonntag der Sieger brauchen wird – für die doppelte Distanz. Trotzdem ist der 56-Jährige stolz darauf, dass er 2016 in Hannover erstmals diese Strecke erfolgreich absolviert hat. Jetzt folgt das zweite Unternehmen, und erneut hat sich Kuhlmann mithilfe der HAZ-Gruppe darauf vorbereitet. Dafür hat er sich mehr als zehnmal sonnabends den Wecker auf 7 Uhr gestellt und ist dann nach Hannover zum Treffpunkt am Maschsee gefahren. „Das hat mich vorangebracht“, sagt er – in der „Gruppe der Langsamen“ hätte er sich bestens aufgehoben gefühlt.

Dabei hat er auch Jens Niemann kennengelernt. Dem 40 Jährigen, der zuvor gar keinen Sport betrieben hat, ist er einen Halbmarathon voraus. Denn Niemann läuft erst seit eineinhalb Jahren, „schuld“ sei eine Wette gewesen, wie der Installateur- und Heizungsbaumeister aus Hannover sagt. Inzwischen trainiert er regelmäßig. Markus Pingpank, der sportliche Chef der HAZ-Vorbereitungsgruppe, zählt ihn wie auch Kuhlmann zu den besonders Fleißigen. „Ich habe mich an den Plan gehalten“, sagt Niemann dazu. „Manchmal habe ich aber auch mehr gemacht, als da drinstand.“ Auf jeden Fall fühle er sich gut vorbereitet für sein Halbmarathondebüt, bei dem er mit einer Zeit um 2:10 Stunden liebäugelt. „Früher habe ich zehn Kilometer gerade so geschafft. Jetzt sind 20 Kilometer für mich kein Problem mehr“, sagt er.

Mit seinem neuen Lauffreund Kuhlmann hat Niemann auch schon eine Verabredung getroffen: Nach dem Sonntag ist nicht Schluss mit dem gemeinsamen Laufen. Mit zwei weiteren Gruppenmitgliedern wollen sie sich alle 14 Tage treffen, wie bisher auch, um ihre Runden zu drehen. „Einfach, um dranzubleiben“, wie Kuhlmann sagt. „Um Bestzeiten geht es nicht.“

Die Schnelle: Inka Lange

Um den heißen Brei redet sie nicht lange herum. „Eine Zeit unter 1:50 Stunde soll es schon werden“, sagt Inka Lange vor ihrem erst zweiten Halbmarathon. Was sich mutig anhört, hat gute Gründe. Etwa die erfolgreiche Generalprobe in Springe: Dort lief die 33-Jährige über zehn Kilometer in 46:47 Minuten auf den 13. Platz – wirklich gut für eine, die noch recht neu ist im Metier.

Erst 2013 entdeckte Lange das Laufen für sich, zunächst ging es ihr ausschließlich darum, einen Ausgleich zur beruflichen Tätigkeit zu haben. Voriges Jahr stand die Diplom-Psychologin dann zum ersten Mal in Hannover an der Startlinie zum Halbmarathon. Ihr selbst gestecktes Ziel, unter zwei Stunden zu bleiben, schaffte sie locker – 1:51 Stunden zeigte die Uhr an. Und das ohne Trainingsplan, aber mit einigem Talent. „Das hat meinen Ehrgeiz angestachelt“, sagt die junge Frau aus Linden. Mit dem Ergebnis, sich erstmals der HAZ-Vorbereitungsgruppe anzuschließen. Das habe sich in jeder Hinsicht ausgezahlt. „Vorher bin ich immer nur allein gelaufen. Jetzt hatte ich andere an meiner Seite und dazu einen strukturierten Plan.“

Extra motivieren müsse sie sich nicht, auch wenn es mal schwerfalle. „Ich freue mich jedes Mal darauf zu laufen“, sagt sie. Durchhaltevermögen hat Lange auch gezeigt: Wenn sie sich in den vergangenen zwei Monaten mit Freunden traf oder daheim den Feierabend genoss, dann gab es keinen Tropfen Alkohol. Auch da ist sie konsequent.

Der Routinierte: Jens Heimann

Sein Fahrplan am Morgen des 9. April ist klar. Das bringen die Marathons eben so mit sich. An die 15 sind es, die Jens Heimann bereits bewältigt hat, an diesem Sonntag folgt der nächste, wieder in Hannover. Da muss er nicht mehr lange überlegen, was er in den letzten Stunden vor dem Start tun wird. Um 6 Uhr klingelt in Arnum der Wecker, wenig später gibt es Kaffee mit Milch, dazu zwei Scheiben Toast mit Honig und Käse. Wie jedes Mal. Dann rein ins Auto, ab zur Stadtbahnhaltestelle in Ricklingen Richtung Innenstadt und rein ins Getümmel. Aber ohne Hektik, wie der 49-Jährige anmerkt. „Ich werde ganz geruhsam in meinen Startblock gehen“, sagt Heimann. „Mit den Jahren legt sich die Aufregung.“

Dass es der Maschinenbauingenieur beim Marathon gelassen angehen lassen kann, hat auch mit der Vorbereitung auf diesen sportlichen Höhepunkt zu tun. Auch dieses und damit zum insgesamt achten Mal hat sich Heimann zusammen mit der HAZ-Vorbereitungsgruppe in Form gebracht. Die sei „so gut wie lange nicht“, sagt er. Seit November ist er auf diese Weise wöchentlich zwischen 35 und 65 Kilometer gelaufen. Und er sei nicht zuletzt mithilfe der anderen „gut durch die dunkle Jahreszeit gekommen“, in der einem das Loslaufen nicht leichtfalle. Einer der Gründe, sich immer wieder anzumelden für die Gruppe, wie Heimann sagt.

Gut passte auch das: Im Herbst, als die HAZ-Gruppe das Training aufnahm, ist der Arnumer erstmals Opa geworden. Mit Enkelin Penepole im Babyjogger hat er inzwischen schon einige Runden gedreht – auch das hat ihn vorangebracht. Der Marathon kann kommen.

Die Jüngste: Luisa Krix

Ihr Freund und die Eltern werden am Sonntag in Hannover an der Strecke stehen und genau hinschauen. Luisa Krix startet um 11.15 Uhr ihren Halbmarathonlauf, da tut Anfeuerung gut. Erst recht deshalb, da es erst der zweite derartige Lauf  ist, zu dem sie antritt, was mit einiger Aufregung vor dem Start verbunden ist. Und doch ist manches anders als 2016 an gleicher Stelle bei ihrer Premiere über diese Distanz. „Damals habe ich mich vom Zwei-Stunden-Ballon im Feld dazu verleiten lassen, zu langsam zu beginnen“, sagt die 26-Jährige. „Ein Fehler.“ Diese Marke knackte sie am Ende noch deutlich, und jetzt soll es noch etwas flotter werden. „Eine Zeit unter einer 1:50 Stunde wäre schön“, sagt die Groß- und Außenhandelskauffrau.

Zum Laufen ist sie erst vor drei Jahren gekommen. „Ganz spontan“, wie die Südstädterin sagt. Der Bericht eines Kollegen machte sie dann neugierig auf die HAZ-Laufgruppe – jetzt ist sie zum zweiten Mal in Folge dabei. „Eine gute Entscheidung, die mir viel gebracht hat“, sagt sie. Etwa der gemeinsame Lauf ums Steinhuder Meer, der alljährlich Teil des Vorbereitungsprogramms von Trainer Markus Pingpank ist. „Die ersten Kilometer bei solchen langen Läufen fallen mir mitunter schwer“, sagt Luisa Krix. „Doch dann dominiert bei mir der Spaß.“

Das soll auch am Sonntag der Fall sein. Sie freut sich auf den Zieleinlauf am Friedrichswall – und dort auf das Wiedersehen mit der Familie.

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Über Norbert Fettback

Norbert Fettback hat als Sportredakteur der HAZ die Fußballer von Hannover 96 rund 25 Jahre lang durch dick und dünn begleitet. Erst mit 50 entdeckte er für sich selbst das Laufen - auch um mehr als 40 überflüssige Pfunde loszuwerden. Nach der Premiere in New York (2005) absolvierte er Marathons unter anderem in Berlin, Chicago, Wien und Boston. Aufgrund diverser Verletzungen hat er sich bei der Wahl der Streckenlänge inzwischen mit dem Motto angefreundet: je kürzer desto besser.

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